Moin,
vor Jahrzehnten, früher Abend mit beginnender Dunkelheit, Straßen trocken, Rückfahrt aus dem Ferienhaus der Eltern in Lothringen mit der DR650. Die Strecke kannte ich im Schlaf und so kam, was kommen musste:
90° Rechtskurve, nicht zu eng, mit vielleicht 50 km/h elegant durchsegelt und hinter dem Scheitelpunkt (wirklich!) sanft den rechten Griff nach hinten gedreht. Am Kurvenausgang aufgerichtet und irgendwie...die will nicht wirklich hoch, die Spur zeigt fatalerweise unerschütterlich in Richtung rechten Graben...kann doch nicht...die muss doch...nee, macht sie nicht...ups, jetzt ist der Asphalt zu Ende...wat mach ich denn nu, Gas oder Bremse??? Der interne Auswahlprozess entschied sich für Bremse...und damit war das Schicksal besiegelt und die DR rumpelte (dann endlich aufrecht!!!

) in den ca. 1m tiefen und sehr engen Straßengraben. Fein, kann sie schonmal nicht umfallen? Damals war ich noch beweglich, außerdem pumpte wahrscheinlich Adrenalin in Reinform durch die Adern, also bin ich, indem ich wechselseitig 10cm-weise die Füße an den Grabenwänden nach oben gesetzt habe, vom Bock abgestiegen. Sah bestimmt sehr souverän aus. Helm ab zum Gebet und erstmal überlegen, wie es jetzt weiter geht.

In den Wald gehorcht...da kommt nix. Außerdem...will ich überhaupt, dass diese Peinlichkeit...nee, ganz sicher nicht! Also Jacke aus und dann die 180kg der Suzi zentimeterweise und wechselnd zwischen vorne und hinten über den Grabenrand nach oben gewuchtet, bis sie auf dem Straßenrand auf der Seite lag. Dann vorne rumgezogen und wieder aufgerichtet. Moppete und Fahrer dreckig wie Sau (schön schlammig am Grabengrund), sonst war nichts passiert.
Fazit: Ja, die Straße war jetzt nicht die beste Quali, aber...vor sich hin träumend fahren geht vielleicht mal mit der Dose, mit dem Motorrad kann sowas echt blöd ausgehen!
Jahrzehnte später, Fahrt zur Ex-Frau und den Kindern mit der 1150 GSA und den TKC80, leichter Nieselregen, erster von mehreren größeren Kreiseln in einem Industriegebiet. Strecke auch sehr gut bekannt, nie irgendwelche Probleme (Und ja, ich war spät dran). Rein in den Kreisel nach rechts...alles supi. Dann nach links umgelegt...auch alles su...NEEE, DOCH NICHT!!! SCH....!!!! Vorderrad rutscht weg...und dann war es auch schon vorbei. Einziger Gedanke war "Weg vom Bike", so trennten sich denn unsere Wege. Ich rutschte, auf dem Rücken liegend in die eine, die GSA, auf der li. Seite schlitternd, in Richtung Randstein, den sie natürlich auch noch mitnahm

. Ich schaffe es, den Kontakt mit dem Bordstein zu umgehen. Dann erstmal liegen bleiben, kurzer Bestands-Check...alles bewegt sich, nichts hängt in einem unnatürlichen Winkel weg...scheint glimpflich ausgegangen zu sein. 1,5m neben mir hält ein Auto, ich denke "Wow, toll, es gibt doch noch Samariter". Fahrer steigt aus, läuft rüber, stellt sich neben mich, und meint, auf mich herabschauend "Du warst auch zu schnell!" So weit, so eigentlich richtig, das Ergebnis war ja nicht wegzudiskutieren.
Aber: Sprach es, drehte sich um, stieg ein und fuhr von dannen. Ich...äääähhhh, jaaaaa....neee, jetzt, oder????
Also aufgerappelt, Anwohnerehepaar kamen angelaufen und haben sich um mich gekümmert (Mir ging es wirklich, den Umständen entsprechend, gut, etwas zittrig). Q auf die Räder gestellt, kurzer Check: Lenker krumm, Kupplungsleitung an der Armatur abgerissen, Beule im vorderen li. Tankhorn, Sturzbügel zerschrammt, that's it.
Das Motorrad durfte ich bei dem Ehepaar in den Hof stellen, bis wir es dann 2 Tage später mit dem Hänger geholt haben. Teilekosten so um die 350,-DM, Reparatur selbst (was ich speziell hinsichtlich des Tauschs der Kupplungsleitung nicht unbedingt nochmal machen möchte

).
Fazit: Leichter Nieselregen in Verbindung mit Kreiseln und sehr viel Schwerlastverkehr ist keine gute Kombi. Ich hab mir, als ich wieder auf den Füßen stand, die Stelle mal angeschaut und da war eine deutliche Dieselspur auf dem Asphalt zu sehen und zu riechen.

Seither schleiche ich bei ähnlichen Bedingungen eher durch Kreisverkehre, gebranntes Kind ...und so. Und wenn bei Kurvenfahrt das Vorderrad schlagartig und unwiederbringlich sämtliche Seitenführungskräfte verliert...was ein Sch...gefühl!
Das letzte Erlebnis hatte ich mMn hier schonmal irgendwo geschrieben, hab's jetzt aber auf die Schnelle nicht gefunden...daher:
Auch die 1150er, vierspurige innerstädtische Straße, die sich, kurz vor einer größeren Kreuzung auf mehrere Spuren (Abbieger re.+li+2x geradeaus) aufgefächert hat. Dadurch hatten die beiden ursprünglichen Spuren eine Verschwenkung um eine Fahrspur nach rechts. Das war schon immer so, also nicht irgendwie mal plötzlich die Verkehrsführung geändert. Ich auf der li. Spur, schräg rechts hinter mir, der Kühler etwas hinter meiner Fußraste, ein Golf (Karlsruher Kennzeichen) mit einer älteren Dame. Verschwenkung kommt und ich denke noch, jetzt müsste sie aber mal langsam nach rechts lenken? FunFact: Tat sie nicht! Sie hat mich, mittsamt der GS, auf die Haube genommen (ich hab mich, als ich merkte was da kommt, auch aktiv da abgelegt) und ein paar Meter vor sich her geschoben. Dann war ich, auf der Haube liegend, wohl einfach nicht mehr zu übersehen und was folgte war eine quietschende Vollbremsung. Das brachte dann zwar den Golf zum Stehen, die GSA und ich haben aber (Massenträgheit, und da war viel Masse am Start!) unseren Weg quer stehend nach vorne fortgesetzt. Ab da weiß ich nix mehr, dass haben dann Unfallzeugen geschildert. Das Motorrad hat sich mit mir aufgerichtet und ist nahezu ungebremst umgestürzt, immer noch mit mir drauf. Bei der Gelegenheit muss ich dann wohl mit der linken Helmseite voll auf die Straße aufgeschlagen sein. Der Zeuge saß im Auto dahinter, bei geschlossenen Scheiben und meinte, er war bei dem Geräusch 100%ig davon überzeugt, dass ich nie wieder aufstehen würde. Bin ich aber und zwar wieselflink. Ich hätte mir wohl vornübergebeugt den Kopf gehalten, dann den Helm vom Kopf gefummelt, das zerstörte Kunstwerk kurz betrachtet und ihn dann mit Karacho in die Windschutzscheibe des Golfs geschmissen. Dann fiel meinem Körper wohl auf, dass ein Shut-Down jetzt mal ne schicke Idee wäre und ich sei (schön das Kinn auf die Brust gedrückt, man ist ja vom Fach

) wie ein gefällter Baum umgekippt. Folgen: Die GS hatte, bis auf jede Menge Schrammen (sogar die schöne gelb-schwarze Sitzbank

) und einem (mal wieder) krummen Lenker nichts (die Sturzbügel der 1150er GSA waren echt gut). Ich hatte ne richtig üble Gehirnerschütterung und nen veritablen Zungenbiss (boah tat das weh!), jede Menge Prellungen auf der linken Seite und das war es. Achja, die Mütze (Bell Cross-Helm) war natürlich Schrott. Der Beamte vom Verkehrsunfalldienst hat mich im KH erstmal beglückwünscht und meinte , die Dame hätte angegeben, mich absolut nicht gesehen zu haben. Dabei schaute er einmal an mir rauf und runter und meinte dann nur: "Nehmen Sie's als Kompliment?"
Fazit: Gehe
immer davon aus, dass Du unsichtbar bist, rechne
immer mit den Fehlern der Anderen und verhalte Dich entsprechend. Lieber 5 sec ein "Schisser" als ein Leben lang...ihr wisst schon.