Jau, und am Biggegrill muss man zu Ausflugszeiten schon so schauen, ob man sein Möpp noch zu den Hundert anderen Bikes dazustellt bekommt.
Wen ich mir dann vorstelle, ich möchte/müsste dort an eine Ladestation (an eine von 5 oder Zehn) und die Dinger sind erstmal 4-8 Stunden von Dutzenden Vorankömmlingen belagert.....dann nach Hause schieben?
Nö, einfach nö!
Es gibt Sachen, die muss ich in meinem Leben nicht mehr unbedingt und zwanghaft probieren, niemals nie sagen tu ich aber auch nicht.
Moin,
wie gesagt ich gucke mir das an wie es sich entwickelt. Generell war es schon immer so, das da wo man mit etwas Geld verdienen kann, es auch gemacht wurde.
Ende des 19 Jh. gab es beim Aufkommen des Automobils übrigens die gleichen, wenn auch der Zeit geschuldeten, Diskussionen. Ein Pferd konnte man überall tränken und versorgen lassen. Benzin gab es dagegen nur in der Apotheke. Das Auto war für breite Teile der Bevölkerung am Anfang nur eine verrückte snobistische Spielerei ohne Gebrauchswert für reiche Menschen. Irgendwann bauten die ersten Apotheken dann große Abfüllbehälter, dann gab es auf einmal sowas wie „Tankstellen“.
Bei uns hier im Wohngebiet gibt es jetzt am Straßenrand seit diesem Jahr 6 Ladestationen. Bis Ende des Jahres sollen jetzt noch mal die dreifache Menge hinzukommen. Bis Ende 2027 soll jeder zweite Parkplatz (Randstreifenparkflächen) mit einer Box ausgestattet sein. Die nahegelegene Essotankstelle hat jetzt auch 5 Schnellladepunkte.
Das wird sich m.E. alles von selbst ergeben. Und meine 12 er läuft und läuft, also kann ich die Entwicklung locker vom Rand beobachten. Generell finde ich die Antriebstechnik Elektro mehr „Basic“ als einen Verbrenner.
Da braucht es eine Steuerung diverser Antriebsmodi, welche den E-Motor so oder so reagieren lassen und fertig. Dazu ein Lademanagement für die Batterie.
Obendrauf kommen dann die üblichen Funktionen wie ABS etc. Beim Verbrenner habe ich ungleich höhere Komplexität. Statt rund 100 Bauteile wie beim E-Motor, habe ich tausende. Ich brauche unendlich viele Sensoren und Stellmotoren für Abgasregelung, Benzineinspritzung, Drosselklappensteuerung, Nockenwellensteuerung etc. pp.
Ich muss regelmäßig Öl wechseln lassen, Ventile prüfen und ggf. einstellen lassen, Luftfilter wechseln, Zündkerzen wechseln usw. usf. Brauche ich beim E-Motor alles nicht. In die Garage gehen, abstöpseln, losfahren. Kein Tickern hier, kein Klappern da wo die Ohren gespannt drauf hören, ob irgendwas kaputt ist im Motor. Keine Starterbatterie die durch ist.
Wir Motorradfahrer verweisen doch so gerne auf das „einfache“. Das ohne „Schnickschnack“.
Die derzeitige Entwicklung beim Verbrenner ist doch eigentlich vollkommen anachronistisch. Ich verknüpfe diese fossile Verbrennungsmaschine einerseits mit Computersteuerungen und allem möglichen an Elektronik und Stellmotoren andererseits und versuche auf diese Weise Abgase, Verbrauch, Leistung, Verbrennung etc. unter Kontrolle zu bringen und zu steuern. Am Ende mit einem Wirkungsgrad von rund 38%. Da ist ein E-Fahrzeug viel konsequenter und einfacher. Ich habe da nämlich nur noch Elektronik. Das verschafft mir immer wieder ein inneres Grinsen, wenn der "Ohne Wenn und Aber Petrolhead" einerseits den elektrischen Antrieb schlecht redet, auf der anderen Seite will selbiger (zumindest viele davon und besonders viele Fahrer der großen GS) aber alles was es an Konnektivität, Navigation, Radartechnik, elektrisches Windschild, beheizte Griffe und Sitze, diverse Fahrmodi, ein elektronisches Fahrwerk und jetzt auch automatisiertes Getriebe (ebenfalls wieder Stellmotoren und Elektronik) usw. usf. on the top auf dem Fossilverbrenner haben. Das ist doch eigentlich vollkommen absurd.
Selbst wenn der Strom nicht aus AKW oder Erneuerbaren stammt, ist der Gesamtwirkungsgrad bei Elektro immer noch bei rund 75%. Benzin raffiniert sich ja schließlich auch nicht aus Luft und Liebe aus dem Erdöl, welches zudem auch erst gefördert und transportiert werden muss. Auch da wird viel Energie zusätzlich benötigt.
Bis (derzeit) auf den Speicher (Batterie) ist diese Antriebstechnik in jedweder Weise dem Verbrenner weit überlegen. Und das mit der Batterie wird sich in den nächsten Jahren auch erledigen.
Fahre ich trotzdem gerne meinen Verbrenner? Ja tue ich. Weil ich gerne Motorrad fahre. Aber die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch die Technik. Irgendwann so 2030+ rum werde ich auf einem elektrischen Motorrad sitzen (mit Solid State Technik) und trotzdem die Landschaft, den Wind und die Kurven genießen, neue Gegenden "erfahren", neue Menschen kennenlernen, ganz so wie ich es jetzt auch mit dem Verbrenner mache. Aber dann sogar noch viel leiser als jetzt. Das ist für mich die Essenz des Motorradfahrens und nicht was da nun für ein Antrieb mich fortbewegt.
Gruß Guido