My Way to Dakar- Die etwas andere GS!

Servus an alle,

zuerst einmal danke für die vielen netten Worte, Glückwünsche und Nachrichten zur Hellas Rally. Ich bin inzwischen seit drei Tagen wieder zu Hause und habe begonnen, das Motorrad gründlich zu inspizieren.

Das bedeutet: ordentlich waschen, jede Schraube kontrollieren, Verschleißteile begutachten und herausfinden, ob irgendwo etwas fehlt oder gelitten hat.

Auffälligkeiten und Verbesserungen​

Während der rund 2.500 Kilometer Rallyeinsatz sind einige Punkte aufgefallen, die ich verbessern möchte.

Sitzbank​

Der wichtigste Punkt ist definitiv die Sitzbank. Sie ist aktuell viel zu hart. Nach etwa 100 Kilometern wird das Sitzen unangenehm, und nach sieben Tagen Hellas Rally war es teilweise schon morgens eine Qual, wieder aufzusteigen. Hier werde ich nochmals Hand anlegen und die Polsterung deutlich weicher gestalten.

Der Bezug wird ebenfalls ersetzt. Dieser hat mittlerweile ein Loch. Schuld daran waren zwei Heftklammern, die mich ständig an einer sehr ungünstigen Stelle gepikst haben. Mit einem Stein habe ich versucht, die Klammern nach unten zu biegen – erfolgreich für die Klammern, weniger erfolgreich für den Bezug. Aber ohnehin war geplant, einen schöneren Bezug zu montieren.

Windschild und Roadbook-Halterung​

Die Windschildhalterung ist weiterhin ein offener Punkt. Sie soll später auch das Roadbook aufnehmen. Bisher habe ich noch keine Lösung gefunden, die für die R1300 genau meinen Vorstellungen entspricht. Das wird ein Sommerprojekt.

Licht und Schutz vor Schmutz​

Das Frontlicht funktioniert hervorragend und liefert mehr als genug Leistung. Das Problem ist jedoch Schmutz. Nach einer einzigen Schlammpfütze sieht man praktisch nichts mehr. Deshalb werde ich die Frontmaske überarbeiten und das Licht besser gegen Dreck schützen.

Zusätzlich wird der Schnabel vorne etwas verlängert. Dafür werde ich vermutlich ein eigenes Teil drucken, damit weniger Schmutz nach oben geschleudert wird.

Bremsanlage​

Vorne werde ich die aktuelle Bremszange ersetzen. Momentan ist eine Brembo-Zange von einer KTM 450 EXC verbaut. Für normales Fahren und langsame Passagen funktioniert sie hervorragend. Bei häufigen Bremsmanövern aus höheren Geschwindigkeiten merkt man jedoch deutlich ihre Grenzen.

Geplant ist deshalb der Wechsel auf eine HP2- oder KTM-690-Bremszange.

Welche Probleme gab es?​

Erstaunlicherweise hatte ich keine wirklichen Defekte. Die Probleme, die aufgetreten sind, waren eher kleinere Herausforderungen.

Defektes Rückschlagventil​

Bereits in Kroatien fiel ein Rückschlagventil aus. Dieses verhindert normalerweise, dass Kraftstoff von der vorderen Pumpe in die hinteren Tanks gelangt.

Das Ergebnis: Ich stand irgendwo im Nirgendwo mit vollen Hecktanks und leerem Haupttank.

Da die hinteren Tanks elektrisch noch nicht angeschlossen waren – die benötigten Stecker waren nicht rechtzeitig angekommen – musste improvisiert werden. Eine weggeworfene Plastikflasche vom Straßenrand und ein Entlüftungsschlauch reichten aus, um den Kraftstoff umzupumpen und weiterzufahren.

Später habe ich die Hecktanks komplett von der Leitung getrennt und stillgelegt. Genau diese Lösung sorgte dann allerdings am letzten Tag der Hellas Rally kurz vor dem Start nochmals für eine kleine Undichtigkeit, die ich in letzter Minute beheben musste.

Hohe Motortemperaturen​

An einem rund 200 Kilometer langen Rallytag fuhr ich ungefähr die Hälfte der Strecke mit laufendem Lüfter und sehr hohen Motortemperaturen.

Grund dafür waren die zahlreichen Schlammlöcher zu Beginn des Tages. Diese setzten die Kühler zu und reduzierten die Kühlleistung erheblich.

Bei jeder Wasserdurchfahrt blieb ich deshalb kurz stehen und spritzte Motor und Kühler mit Wasser ab, um Schmutz zu entfernen und die Temperatur zu senken.

Am Ende musste dennoch der Hochdruckreiniger ran.

Dieser Bereich wird überarbeitet, damit ich mir bei zukünftigen Rallys darüber keine Gedanken mehr machen muss.

Lose Schrauben​

Natürlich gab es auch einige lose Schrauben, die bei den täglichen Abendkontrollen auffielen.

Der Auspuffhalter wurde beispielsweise nach fünf Tagen Rally locker. Glücklicherweise waren die Schrauben noch vorhanden und konnten einfach nachgezogen werden.

Lenkungsdämpfer-Pin verloren​

Besonders ärgerlich war der Verlust des Pins für den Lenkungsdämpfer am dritten Rallytag.

Vermutlich hatte sich dieser gelöst und ist unterwegs verloren gegangen. Ein neuer Pin wird angefertigt und künftig mit hochfestem Loctite gesichert. Eigentlich sollte dieses Teil nie wieder demontiert werden müssen.

Reifen und Mousse​

Gefahren bin ich die größten verfügbaren Mefo-Mousse vorne und hinten.

Reifen:

  • Vorne: Metzeler Six Days Rally 90/100-21
  • Hinten: Dunlop D908RR 140/80-18
Die Mousse hatten bereits etwa 2.500 Kilometer Laufleistung hinter sich. Nach rund 1.500 Kilometern habe ich neue Reifen montiert, da die alten bereits am Limit waren.

Das vordere Mousse hat deutlich stärker gelitten und ist mittlerweile am Ende seiner Lebensdauer angekommen. Das hintere würde ich dagegen problemlos nochmals verwenden.

Mit dieser Kombination war ich insgesamt sehr zufrieden. Da noch weitere Sätze zu Hause liegen, werde ich diese in Zukunft weiterhin fahren.

Service nach der Rally​

Nun beginnt die technische Nachbereitung.

Folgende Arbeiten stehen an:

  • Motoröl wechseln
  • Kupplung ausbauen und kontrollieren
  • Neue Kupplung montieren
  • Gabel zerlegen und inspizieren
  • Kardanwelle kontrollieren
  • Öl im Hinterachsgetriebe wechseln und auf Wassereintritt prüfen
  • Bremsflüssigkeit erneuern
Das Motoröl war vor der Rally frisch, hat während der Veranstaltung jedoch sehr hohe Temperaturen erlebt. Zudem wird sich sicherlich etwas Kupplungsabrieb darin befinden.

Die aktuelle Kupplung funktioniert zwar noch problemlos, ich möchte aber sehen, wie stark sie nach dieser Belastung tatsächlich gelitten hat. Nur so bekommt man ein Gefühl dafür, was die Komponenten langfristig aushalten.

Dasselbe gilt für die Gabel, die Kardanwelle und das Hinterachsgetriebe. Nach den vielen Wasserdurchfahrten interessiert mich besonders, wie die Bauteile den Einsatz überstanden haben.

Ausblick​

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die R1300RR die Hellas Rally deutlich besser überstanden hat, als viele vermutlich erwartet hätten.

Die Probleme waren überschaubar, die Verbesserungen klar definiert und die Basis des Motorrads hat sich bewährt.

Ende Juni steht ein wichtiger Termin an, von dem ich hoffe, dass er euch gefallen wird.

Und im Juli geht es nach München. 👀
 
Herzlichen Glückwunsch zur super bestandenen Feuertaufe.
Wer hätte gedacht, dass so wenig gelitten hat.
 
Na der Verschleiß hält sich ja noch in Grenzen.
Dass gewisse Stellen Verbesserungsbedarf haben ist auch klar, merkt man ja eh nur erst im Einsatz.
Auch ne neue von der Stange ist nie perfekt.
Nach einer solchen Rallye, zerlegt wohl fast jeder sein Bike und kontrolliert alle Teile, bzw tauscht Oele aus.

Bin gespannt was noch alles so kommt.

👍🏼
 
ordentlich waschen, jede Schraube kontrollieren, Verschleißteile begutachten und herausfinden, ob irgendwo etwas fehlt oder gelitten hat.
Saubere Leistung (y)

Und herzlichen Glückwunsch zum Ergebnis.

Für BMW ein toller Belastungstest unter extremen Bedingungen - evtl. meldet sich ja mal ein Sponsor
aus der Entwicklungsabteilung, das wäre dann win / win :D

Viel Erfolg auch weiterhin und immer oben bleiben :)
 
Anmerkung zur Bremszange. Eine groessere Bremsscheibe waere fuer mich zu ueberlegen wenn Fading auftritt. Die Zange berinflusst das wenig.
Es geht um den biss der bremszange, die 298mm bremsscheibe sollte passen. Wir werden sehen wie es mit der zange dann läuft.
 
Es geht um den biss der bremszange, die 298mm bremsscheibe sollte passen. Wir werden sehen wie es mit der zange dann läuft.
"Bei häufigen Bremsmanövern aus höheren Geschwindigkeiten merkt man jedoch deutlich ihre Grenzen."
Das hört sich für mich nach Überhitzung / Fading an, und ist meiner Meinung nach nur mit mehr Kühl Oberfläche Bremsscheibengröße zu verbessern.
Auch mit stärkerer Zange hat die Maschine halt mehr Gewicht als eine 450 er = Bremshitze.
Ja ändere gerne die Zange, ist ja auch ggf mit Adapter auf die Sattelaufnahme eine 320 er Scheibe machbar wenn Radialbefestigt
 
Es geht um den biss der bremszange, die 298mm bremsscheibe sollte passen. Wir werden sehen wie es mit der zange dann läuft.
Welche Bremsbeläge hast du drauf, vielleicht ist dort noch Potential….die Wärme muss in die Scheibe!

Jedes kleine Loch in der Scheibe bringt doppelte Oberfläche, also 5‘er Bohrer ansetzen…..und bohren…ein Wärmetauscher lebt von der Oberfläche
 
Zuletzt bearbeitet:
Welche Bremsbeläge hast du drauf, vielleicht ist dort noch Potential….die Wärme muss in die Scheibe!

Jedes kleine Loch in der Scheibe bringt doppelte Oberfläche, also 5‘er Bohrer ansetzen…..und bohren…ein Wärmetauscher lebt von der Oberfläche
bei der gs ist Dreck das Problem
 
Mein ursprünglicher Satz war etwas missverständlich formuliert. Das Problem ist nicht, dass die Bremse überhitzt.
Die Bremsanlage funktioniert grundsätzlich zuverlässig, allerdings ist die erforderliche Handkraft recht hoch. Vor allem bei höheren Geschwindigkeiten oder wenn häufig hintereinander gebremst werden muss, wird das Bremsen mit nur einem Finger zunehmend anstrengend und ermüdend.
Es geht also nicht um thermische Probleme oder Fading, sondern um die benötigte Bremskraft am Hebel. Ein tatsächliches Überhitzen würde vermutlich erst bei längeren Bergabpassagen oder einer vergleichbaren Dauerbelastung auftreten.

Bremsscheibe motomaster 298mm rally
Bremszange 450 exc brembo
Bremsbeläge sinter brembo
Pumpe 450exc

Hab mich mitn maxi dazu ausgetauscht und ersagt auch 690 bremszange mit 450exc bremspumpe.
 
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Gestern war es dann endlich soweit: Bernd Hiemer hat die neue R1300RR gefahren. Das ausführliche Feedback dazu wird demnächst bei 1000PS zu sehen sein. Er hat dabei einige konstruktive Vorschläge eingebracht, die ich mir sorgfältig notiert habe.
Heute ist Gerhard Forster an der Reihe, die Maschine zu testen. Außerdem habe ich am 30.07. einen speziellen Termin für eingeladene Fahrer und Gäste, bei dem die R1300RR ebenfalls ausprobiert und weiter Feedback gesammelt wird.
Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie Bernd mit der R1300RR unterwegs war – ein echtes Highlight. Ich hoffe, euch gefällt das kommende Video zur R1300RR bei 1000PS.
Bis es online geht, kann es allerdings noch ein wenig dauern.
 
i believe i can fly? :devilish::ROFLMAO:

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Da der Bernd gestern auch gesprungen is wirds der Gerhard auch nicht lassen können ;)
Dafür is sie ja gebaut worden :)
 
Hallo Majestix,
dein Projekt ist so klasse!
Du bewegst dich in den Fußstapfen von Scheck, HPN und anderen Legenden.
Meiner Meinung ist der Arbeitsumfang, die Detail Liebe, die technische Komplexität, die Realisierung und der mega kurze Zeitraum höher zu bewerten als die Projekte der genannten Legenden.
Sich das komplizierteste Basisbike auszusuchen und den Traum ohne Kompromisse zu realisieren ist wirklich bemerkenswert.
Ich freue mich sehr für dich dass das Bike so gut funktioniert und ich freue mich auch sehr darüber, dass einige Kritiker eines besseren belehrt wurden. „Versuch macht klug“
Danke im Voraus für die noch kommenden Infos und allzeit gute Fahrt wünscht
Norbert
 
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Falls ihr euch fragt, was Bernd und Gerhard zur R1300RR gesagt haben: Keine Sorge – ich werde natürlich alles mit euch teilen.
Ich möchte mit meinem Fazit aber bewusst noch bis nach dem 30.07. warten. An diesem Tag werden rund acht eingeladene Fahrer und Gäste die R1300RR testen – alles Leute, die ihr Handwerk verstehen und wertvolles Feedback geben können. Im Anschluss wird es dazu einen ausführlichen Podcast geben und selbstverständlich auch einen ausführlichen Bericht hier im Forum.
Morgen wird die R1300RR zunächst komplett zerlegt und für die anstehenden Tests vorbereitet. Außerdem kläre ich noch mit meinem Fahrwerksspezialisten, ob er zeitlich Kapazitäten hat. Idealerweise wäre das Fahrwerk bis zum 22.07. wieder zurück, damit alles rechtzeitig für die nächsten Testfahrten bereit ist.
Die nächsten Wochen werden also richtig spannend – und ich freue mich darauf, euch Schritt für Schritt an der weiteren Entwicklung der R1300RR teilhaben zu lassen.Actiongraphers - 14 - AG1_5265.jpg
 
Servus zusammen,
nach der Hellas Rally geht es jetzt an das, was nach jeder echten Belastungsprobe dazugehört: Kontrolle, Wartung und Verbesserung. 🔧🏁
Als Erstes habe ich nach rund 2.700 km das Motoröl abgelassen.
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Dabei war bereits etwas Abrieb zu sehen. Ich vermute, dass die Kupplung bei der Rally doch ordentlich arbeiten musste und dabei etwas gelitten hat. Jetzt heißt es beobachten und analysieren. Mal sehen, was sich bei der weiteren Zerlegung noch zeigt – und vor allem, wann ich eine passende Kupplung bekomme.
Ein Bauteil hat mich dafür besonders positiv überrascht: der selbst entwickelte Unterfahrschutz aus Carbon.(der passt auf die RR und GS(A))
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Er hat die gesamte Rally ohne Probleme überstanden und seinen Job hervorragend gemacht. Natürlich war diese erste Version noch nicht perfekt – dafür war sie schließlich ein Prototyp. Umso mehr freut es mich, wie gut sie sich in der Praxis bewährt hat.
Ich werde ihn weiter testen und optimieren. Sollte sich das Konzept weiterhin bewähren, könnte ich mir gut vorstellen, eine kleine Serie fertigen zu lassen. Die Produktion würde dann ein Profi übernehmen, für den ich bereits einen ersten, vorsichtigen Kostenvoranschlag erhalten habe.
Die nächste Version wird übrigens keine Serviceöffnung zum Ölablassen mehr besitzen. Der Mehraufwand beim Abnehmen des Unterfahrschutzes ist minimal, dafür entfällt eine potenzielle Schwachstelle. Außerdem liegt der Unterfahrschutz auf Gummipuffern auf, wodurch sich Schläge und Belastungen deutlich besser verteilen, wenn es im Gelände einmal härter zur Sache geht.
Natürlich bleibt es nicht nur beim Ölwechsel. Die komplette R1300RR bekommt jetzt eine gründliche Durchsicht:
✅ Kontrolle aller Lager
✅ Speichen prüfen und nachspannen
✅ Bremsflüssigkeit kontrollieren
✅ Öl im Endantrieb wechseln
✅ Kardanwelle ausbauen, prüfen und neu schmieren
✅ Lenkkopflager kontrollieren
✅ Neue Windschild-Lösung entwickeln und die Halterung anpassen, damit die Front endlich genau so aussieht, wie ich sie mir vorgestellt habe.
Genau diese Phase gehört für mich genauso zum Projekt wie das Fahren selbst. Jede Rally, jeder Kilometer und jede Schraube liefern neue Erkenntnisse. Das Ziel ist nicht nur, die R1300RR zu bauen – sondern sie Schritt für Schritt zu einer zuverlässigen und konkurrenzfähigen Rally-Maschine weiterzuentwickeln.
 

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