Ich freue mich schon auf meinen digitalen Personalausweis, gerne darf dem auch mein Führerschein und mein Reisepass ins digitale Universum folgen.
Der Personalausweis ist ja auch heute schon digital dank der eingebauten Elektronik, mit der es prinzipiell geht, sich auszuweisen, praktisch ist das aber umständlich und wenig genutzt, wie ja bereits thematisiert wurde. In dem von Dir verlinkten Artikel heißt es zum Personalausweis im Handy, dass dort ein digitaler Zwilling hinterlegt werden können solle, der die
online-Nutzung vereinfachen soll, also das, was prinzipiell jetzt schon geht, wenn man den Personalausweis ans Handy legt. Aber was, wenn Du einer fremden Person Deinen Ausweis zeigen sollst oder diese Dir ihren ? Da hat der Plastik-Ausweis doch einige Vorteile, weil er direkt mit dem Auge gelesen werden kann, maximal mit Brille als technischem Hilfsmittel. Wenn dann noch Fragen nach der Echtheit dazu kommen, wird es richtig schwierig. Es ist also noch ein Stück hin vom digitalen Zwilling zum Original ... und DAS wird so schnell nicht gehen.
Beim Reisepass - eine Nummer größer - dürfte das etwas sein, auf das Du Dich Dein gesamtes restliches Leben wirst freuen dürfen, weil es nicht mehr zu Deinen Lebzeiten eingeführt werden wird. Zwar wird auch vom Pass ein digitaler Zwilling gebildet werden können, aber das Original muss ja internationalen, zwischenstattlichen Abkommen genügen, was im Falle einer Digitalisierung eine weltweit einheitliche Umsetzung voraussetzen würde. Heute müssen bunte Stempel mit farbigen Unterschriften irgendwo hingesetzt werden können und auch Polizei oder Andere, die mit dem Pass in Berührung kommen, müssten eine rein elektronische Form verarbeiten können.
Viele, die mit dem Handy groß geworden sind, also die Zeit ohne sowas gar nicht kennen, dürften das als Konstante begreifen, obwohl auch die rasanten technischen Wandel sehen müssten. Eins, das gestern noch gut genug war, kann heute schon veraltet sein und die notgedrungen relativ hohen Anforderungen sicherheitskritischer Anwendungen schon bald nicht mehr genügen. Von den 10 Jahren Gültigkeit dürfte da kaum was bleiben. Ein anderer Aspekt der Volldigitalisierung ist die Frage nach der Krisenresistenz. Im Normalfall sind Strom und Netz allgegenwärtig, was aber, wenn nicht - da wird auch einem sowieso schon großen Problem ein noch größeres. Von daher stelle ich mal die Frage in den Raum, ob so eine Volldigitalisierung überhaupt wünschenswert ist. Banken haben dieses schon erkannt und wollen gar keine Abschaffung des Bargelds, selbst in Schweden, wo man ohne Karte gar nicht mehr auskommt.
Um auf den Kfz-Schein zurückzukommen, den hatte ich ja schon mal kommentiert (denke aber, das weiß keiner mehr, wie auch Anderes sich hier im Kreise dreht):
Wie gesagt, selbst Länder wie die Schweiz, Albanien, Bosnien, Montenegro, Norwegen, Großbritannien sind nicht EU. Da muss man gar nicht so weit weg Die Schweiz und Norwegen machen die meisten sinnvollen EU Regularitäten recht schnell mit. Aber der Alltag der meisten spielt sich im 50km...
www.gs-forum.com
Kurzform: Die App ist eigentlich nur ein Betrachter für Daten in einem Zentralserver.
Irgendwelche Echtheitsmerkmale, die man prüfen könnte, hat sie nicht, "jeder" könnte eine programmieren, die selbst eingegebene Daten entsprechend darstellt. Eine Gültigkeitsprüfung macht man durch Abruf der Daten am Handy vorbei ... und dann würde man die App ja gar nicht brauchen. Ist also ein bisschen sowas wie der Sand ins Auge des nicht ganz so mündigen Bürgers, um ihm einen gar nicht so tiefen Grad der Digitalisierung vorzuspiegeln.
Anscheinend scheint für Viele die Digitalisierung darin zu bestehen, Ausweise, Geld und anderes "Papier" im Handy herumzutragen.
Warum reicht dafür eigentlich nicht ein einziger Ausweis, egal ob im Handy oder extra ?
Zu Deiner ID, die der Ausweis dokumentiert, sind Deine Fahrzeuge, Deine Kontostände und sonstwas gespeichert, theoretisch braucht man also nix neben einer ID nix, auch der Ausweis müsste gar nicht so viele Daten haben, weil die ja auch aus Datenbanken abrufbar wären.
Es gibt ja sogar Konzepte ohne separaten Ausweis, bei der man die ID in Form von Körpermerkmalen herumträgt - Iris, Fingerabdrücke, Gesicht usw.
Wozu also die "Wallet" ?
Ich glaube, es gibt - auch hier im Forum und insbesondere in diesem Thread - ein falsches Verständnis von Digitalisierung. Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen, in dem das aufgerollt wird: Die Notwendigkeit digitaler IDs sollte eigentlich nur eine Folge digitalisierter Abläufe sein, nicht umgekehrt:
Die digitale Verwaltung lahmt. Ein niedersächsischer Landkreis zeigt, wie konsequentes E-Government mit Bürgerservices von innen heraus gelingen kann.
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