Montag Tag 7
Heute geht es etwas früher raus. Gestern Abend haben wir beschlossen alle bei Aramis und d’Artagnan oben auf dem Berg zu frühstücken. Also rein in die Klamotten.
Als ich mit den beiden Innentaschen vor dem Stahlross stehe fällt mir auf, dass ich die Kofferschlüssel auf dem Zimmer in der Jacke vergessen habe. Manchmal ist man einfach blöde.
Heute Morgen ist dann auch die Rezeption geöffnet. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die von etwas entfernt sehr jung aussehende Rezeptionistin als ein gut geschminktes leicht älteres Semester.
Schnell den durchaus günstigen Preis bezahlt und ab zum Frühstück.
Das Hotel war sauber, die Doppelzimmer eigentlich nur zur Einzelnutzung geeignet, aber sehr preiswert. Wer nicht gerade sonntags anreist und das obige berücksichtigt hat eine günstige Übernachtungsmöglichkeit.
Schön ist es auf dem Berg. Das Hotel dort in der Festung heißt übrigens Le Glacier Bleu.
Unser Frühstückstisch.
Das gestern Abend vom Gaston so hoch gepriesene Frühstück entpuppt sich dann als zwar völlig ausreichend, aber doch eher durchschnittlich. Aber was solls, es war lecker und hat uns satt gemacht. Alles OK. Etwas weniger enthusiastische Werbung wäre dem mehr gerecht geworden.
Als wir rauskommen hat es doch tatsächlich etwas geregnet.
Heute verweigere ich die Tourguidefunktion. Es darf Aramis mal vorfahren. Der erste Pass heute, Col de Vars, empfängt uns mit nasser Straße und reichlich Wolken. Es ist sehr wenig los, Montag halt. Macht mehr Spaß.
Wir lassen hinten runter rollen. Ich suche die Stelle wo mir vor Jahren mal beim Hochfahren ein Stein vor den zum Glück größeren Handschutz geknallt ist, kann sie aber nicht mehr identifizieren.
Geplant war anstelle des eigentlich zur RDGA gehörenden Col de Cayolle über den Bonette zu fahren. Warum fährt Aramis dann am Abzweig vorbei. Klarer Nachteil meines nicht funktionierenden Helmfunks. Aber der Tourguide fährt vor und man folgt ihm. Auch wenn man gerade anderer Meinung ist.
Ahh, die Musketiere gelüstet es bereits zu früher Stunde nach diesem köstlichen Heißgetränk namens Kaffee. In Jausiers findet sich eine kleine Bäckerei mit Kaffeeausschank.
So ein deutsches Jüngelchen schnappt mir doch das letzte Croissant weg. Keinen Respekt mehr vor dem Alter. Ob ich ihn dafür angemessen bestrafen soll. Aber solche Gelegenheiten muss man dazu benutzen mal etwas Neues kennenzulernen. Dann also eines dieser Plätzchen mit Schokostückchen. Passt gut zum Kaffee.
Mittlerweile haben sich die Wolken verzogen, so dass es noch ein gut beleuchtetes Bild der nebenan stehenden Kirche gibt.
Die Straße hoch nach La Bonette ist in gutem Zustand und lässt sich flüssig fahren. Trotzdem bevorzuge ich den Cayolle. Mit gefallen Straße und Landschaft dort einfach besser. Meine persönliche Vorliebe. Da die Tour aber auf Wunsch von d’Artagnan zu Stande gekommen ist, obliegt auch ihm die Wahl der Route.
Unterwegs mal einen schönen Platz zum Transistor neuordnen gesucht.
Es gäbe noch zwei Möglichkeiten die Stollenreifen zu fordern, unser Zeitplan lässt das aber ohne eine weitere dann notwendige Übernachtung nicht zu. Was tut man nicht alles den Jungspunden zu liebe.
Etwas weiter oben noch ein schnelles Landschaftsbild gemacht.
Den Rest hoch schaffen wir auch noch. Auf der mittlerweile halb legendären Seealpentour von 2013 gab es mal Aufkleber auf denen sie Mit dem Spruch „La Plus haute d’Europe“ Reklame für den Bonette machten.
Genug los ist auch heute am Montag. Kaum ein Parkplatz in der Nähe des Hinkelsteines zu bekommen. Geschweige denn, dass wir die Motorräder mit aufs Bild bekämen. So muss ein Musketierfoto reichen.
Aussicht hats hier oben reichlich.
2800 Meter haben mir früher nichts ausgemacht. Heute realisiere ich, dass ich deutlich tiefer atme als gewöhnlich. Nicht gesund und nicht fit macht sich bemerkbar. So habe ich selbst auf meinem einzigen 4000er mit 17 nicht geatmet. Als der Rest dann hoch zur Aussichtsplattform gehen will, lasse ich sie gerne ziehen und schone meine Pumpe etwas.
Für die Abfahrt haben wir uns ein kleines Schmankerl überlegt. Ein kurzes Stück zurück und dann spitz links ab und einen Schotterweg hinunter zum Col de la Moutière.
Den wollten wir auf der Seealpentour eigentlich hochfahren sind aber an einem zu weichen und langem Schneefeld gescheitert und dann eine übelste Piste abwärts zur Straße auf den Cayolle runtergerumpelt.
Besser scheint das nicht geworden zu sein. Die Piste ist mit Metallgittern abgesperrt.
Aber vom Col de la Moutière hat man einen schönen Blick ins Tal.
Zwar war jetzt der Col d‘Anelle eingeplant, aber so richtig Lust verspürt anscheinend keiner darauf. Zumal die Zeit unaufhaltsam fortschreitet und es noch ein paar Meter bis zum Baden im Mittelmeer sind.
Ergo zügig ins Tineé-Tal und zur geplanten Mittagsrast an den Fuß des Col Lombarde in Isola.
Die Bar Le Touring 2.0 war das Einzige was ich in der näheren Umgebung bei der Vorbereitung an wenigstens halbwegs Vernünftigem (soweit man das im I-Net sehen kann) finden konnte. Im Tagebuch habe ich allerdings für die Bedienung notiert: „Die Zicke par Excellence.“ Und das Eis war gestern auch besser. Kann man nix machen. Oder wie d’Artagnan schon mal einen Komiker zitiert, isse nit so slimm.
Noch gutes Stück das Tineé-Tal hinunter bevor es links ab zum Col Saint-Martin geht. Zunächst allerdings hat mein Planungskompagnon das Fort Rimplas, früher Fort Madeleine, ein Teil der Maginot-Linie eingestreut. Tolle Aussicht hat man von hier oben. Und das Sträßchen war auch ganz nett. Besonders die ziemlich schmale Ortsdurchfahrt von Rimplas.
Vor allem sind hier oben die Temperaturen ganz leicht erträglicher als unten im Tal. Die GS zeigte dreimal übereinstimmend 36° Celsius an. Nur Portos hatte wie üblich ein halbes Grad mehr.
Versorgt wurde das Fort wohl früher mit einem Materiallift aus dem Tal. Verrostete Reste sind noch zu erkennen.
Der folgende Col Saint-Martin ist ziemlich unspektakulär und bietet den Übergang ins Vesubie-Tal nach Saint-Martin-Vésubie. Dort ist man immer noch damit beschäftigt die Hochwasserschäden von 2020 zu beseitigen und den Fluss hochwassersicher auszubauen.
Es lockt der Col de Turini. Manche heiße Schlacht ist bei der Monte hier geschlagen worden. Offensichtlich erinnert sich Aramis daran oder ihm hat heute Morgen jemand Speed in den Kaffee getan. Es wird richtig anstrengend ihm heute zu folgen. Nach einer Weile kapituliere ich und lass den dreien ihren Spaß. Meine Wohlfühlgeschwindigkeit ist heute etwas niedriger. Zudem habe ich dann auch noch Zeit für ein Bild auf ein paar ziemlich bekannte Kehren am Turini.
Oben sind wir dann alle wieder vereint.
Die eingeplante Schleife am Turini lassen wir angesichts immer schneller fortschreitender Zeit sein. Zumal die interessanten Auffahrten zu den Forts mittlerweile gesperrt sind.
In Sospel habe ich vor 42 Jahren mal mit dem Zelt übernachtet. Es war etwas außerhalb den Turini hoch. Wiedererkennen tue ich nichts mehr. Im Ortskern gibt es anscheinend aber das Restaurant noch mit dem ich eine schöne Anekdote verbinde. Wir waren zu zweit unterwegs und meinten noch genug Francs fürs Essen zu haben, es gab halt noch keine Geldautomaten, Scheckkarten oder Handys zum Bezahlen. Man musste zur Bank, die natürlich Sonntags geschlossen hatte.
Nach einem üppigen Essen, die knappe Kasse hatten wir mal großzügig außer Acht gelassen, fehlten uns 10 Franc. Wat nu? Die Bedienung wollte den Euroscheck nicht annehmen, hat aber den Chef gefragt. Der kam raus zu uns und nachdem wir klar gemacht hatte, dass der Scheck aus Deutschland sein hat er ihn gerne angenommen. Werde ich nie vergessen. Die gegenüberliegende Werkstatt ist heute allerdings eine Apotheke.
Der letzte Col auf der RDGA ist der Col de Castillon. Nur noch 706 m hoch aber mit Scheiteltunnel versehen. Anstelle des neuen, längeren und gut ausgebauten Tunnels nehmen wir natürlich die alte und teilweise schmale Straße. Auf der Abfahrt ergibt sich die erste Ahnung von Mittelmeer.
Bevor es ans Meer geht hat der gute Athos noch eine kleine Schleife mit Aussicht durchs Wohnviertel in die Route geschmuggelt. Der erste richtige Mittelmeerblick.
Der Verkehr in Menton ist nervig dicht. Aber am zweiten Nullpunkt der RDGA ist glücklicherweise wenig los. So können wir in Ruhe in dem Fußgängerbereich herumfahren und unsere Bilder machen.
Es wird Zeit fürs Hotel, schließlich sind wir ja nur hier um im Mittelmeer zu schwimmen. Das Prince de Gallus (auf Deutsch: Prince of Wales)(wir übernachten adlig) empfängt uns wieder mit „Englisch oder Französisch“. Ich verstehe maximal dreiviertel von dem was d’Artagnan mit der netten Rezeptionistin ausmacht. Aber er arbeitet schließlich in einem internationalen Konzern und ich muss mich mit den Resten meines Schulenglisch begnügen.
So ein wenig Sorge hatten wir wo die Stahlrösser bleiben können. Die durften aber im Garten abgestellt werden.
Zeugs auf Zimmer bringen, netterweise haben wir Zimmer mit Balkon bekommen. So können die von den heutigen Temperaturen durchgeschwitzten Klamotten draußen auslüften. Dann Badehose an und ab ins Meer. Glücklicherweise gibt es keine Bilder vom Whaleswimming. Aber vom Balkon aus.
Fürs Restaurant hat unser Benjamin einen Tisch draußen reserviert. Gute Entscheidung, ist ziemlich was los hier. Trotz des Straßenlärms von nebenan. Man kann die Ampelphasen deutlich nachvollziehen.
Wir gönnen uns heute mal Menü. Zumal das mit 33 Euro für die Location ziemlich preiswert erscheint.
2 x Soupe à loignon gratinée, 2 x salad quinoa als Vorspeise
1 x Daurade Teriyaki, 1 x Travers de porc sauce moutarde, 1 x Supreme de poulet Fermier, 1 x Fondant de boeuf als Hauptspeise
2 x Tiramisu du Chef und 2 x Pannacota fruits rouge als Dessert
Alles formidabel.
Auch beleuchtet sieht das Hotel gut aus.
Man kann gut erkennen in welchen zwei nebeneinanderliegenden Zimmern die Stahlrossfahrer hausen.
Nochmal den Mond und das Meer ablichten und dann ab in die Koje. Der Tag war ob der Temperaturen nicht ganz unanstrengend.
