Kleine Runde 2025 - Irak - Iran - Afghanistan

Klausmong

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Reini und ich hatten wieder einmal einen Plan.

Wir wollten Ende Juni los und Ende August wieder zurück sein.

Irak waren wir noch nicht, und Afghanistan sollte auch mal besucht werden, von dort über den Pamir und am Rückweg noch das Ust Yurt / Mangastau Gebiet in Kasachstan.

Und dann ging es los mit dem Einholen der Infos über die Strecke, Visa usw.
Klar war, wir benötigen ein Visa für Russland, den Irak, den Kurdischen teil Iraks (beide als eVisa möglich), den Iran und Afghanistan.
Afghanistan werden Visa nur von den Taliban regierten Botschaften anerkannt.


Also los, ich habe mir das Russland und Iran Visum besorgt.
Dann mit Reini das Afghanistan Visa in München, das wird anerkannt
Reini hatte Russland und das Iran Visum ein paar Tage später beantragt als ich, da war gerade der Angriff von Israel auf den Iran.

So wie es geplant war wird das wohl dann nicht klappen
Iran ist aussen vor nach den Gegebenheiten der letzten Tage.
Wir sind mal los.

Wir haben beschlossen, das wir unterwegs schauen, wie wir weiterfahren.
Wir haben alle möglichen Routen in Betracht gezogen die wir fahren können

Erster Tag ab Wien bis Baja Herculaneu.
Also der Ort Herculesbad in Rumänien.
2. Tag bis Sopot in Bulgarien, nach dem Trjoan Pass.
3. Tag bis Nähe Canakkale in der Türkei mit Hotel am Meer

Grob 1850 km in den 3 Tagen

Und frieren tun wir definitv nicht bei den Temperaturen

Manastirea Vodita / Rumänien






Belogradchik / Bulgarien







Troja Pass mit dem "Arch of Freedom"









Dardanellen Türkei



 
Zuletzt bearbeitet:
Teil 2:

Weiter über meist kleine Strassen in der Türkei, erstes Tagesziel war Eskishehir.

Aber bis dahin wollten wir einiges sehen.

Und am Morgen nach dem Hotel in der Nähe von Troja zuerst an eine alte Küstenbatterie, dann Troja, aber nicht den bekannten Ort, sondern kleine Ausgrabungen.















Nach den Ausgrabungen ans Meer und dann weiter ins Landesinnere.

Und immer bei kleinen Pausen wurden wir zum Tee eingeladen und unterhielten uns mit den Einheimischen. Teilweise mit google Übersetzer.















Wir fanden echt schöne Strecken und haben in Eskishehir dann ein Hotel gesucht (und gefunden)
 
Teil 3

Von Eskisehir ging es weiter, wir fuhren Umwege, wollten uns zuerst am Weg alte Felsreliefs ansehen.

Also weiter auf richtig kleine Strassen und das Felsrelief suchen.
Das entpuppte sich eher als Reinfall, aber egal, die Gegend war schön.











Dann am Weg ein sehr großer Salzsee.
Dort wieder Pause und einen Sack Nüsse kaufen.











Unterirdische Städte die nicht so bekannt sind wie Kappadokkien






Tolles Hotel in Ürgüp,









 
Teil 4:

Dann geht es weiter nach keine Ahnung wohin.
Irgendwo Richtung Van See

Bei Kayseri erst mal ein 4000m hoher erloschener Vulkan, der schon von Weitem zu sehen ist.












Diesmal war die Tas Yolu oder auch Kemyale Canyon dran, und danach hatten wir noch die wahnwitzige Idee, einfach 90 km weiterzufahren.











Engste Bergstrassen, und als wir wieder einen größeren Ort erreichten, gab es das angezeigte Hotel nicht mehr.












Da war dann eine Polizeistation, die Jungs sind raus, haben uns mit Tee versorgt und herumtelefoniert wo ein Hotel frei ist.



Weitere 60 km bis Pertek.
Dort haben wir im Dunkeln um 22.30 unser Hotel bezogen.

Und noch ein Restaurant mit Essen gefunden.
 
Teil 5:

Am Morgen erst mal gut Frühstücken mit Aussicht.









Dafür haben wir heute einen kurzen Fahrtag zum Van See




Und immer diese Einladungen auf Cay (Tee) wenn wir wo stoppen.

Sei es an der Tankstelle, oder einfach nur im Schatten unter einem Baum.

Immer kommt wer und lädt uns ein, Tee trinken und plaudern.





An dem Tag sind wir bis zum Van See, dort in Tatvan ein Hotel bezogen.

Und wir haben überlegt, wie wir weiterfahren.

Im Iran ist wieder Ruhe eingekehrt, wir sind mit Iranern in Kontakt, dort ist laut Ihnen wieder alles sicher und man kann durchfahren,
es sind auch andere Reisende aktuell dort.

Damit war unsere Entscheidung, wir werden in Erbil (Irak) versuchen das fehlende Visum für Reini zu bekommen, ich hatte es ja schon.
Wenn das klappt werden wir durchfahren.

Also erst mal Richtung Grenze zur Autonomen Republik Kurdistan im Irak.


Bitlis:







Wir kommen in die Berge, fahren entlang der Grenze zu Syrien.

Und es ist richtig heiß, über 40°

Und auffällig, die vielen Militärposten hier in der Ecke.





Irgendwann ist die Grenze zum Kurdischen Autonomen Gebiet im Irak erreicht und wir
schlagen uns von Station zu Station.

Eine etwas mühsame Grenze, vor Allem auf türkischer Seite, aber geht trotzdem einigermaßen gut.












Wir erreichen dann am Abend nach 80km Fahrt unser Hotel in Duhok und schauen was es im Restaurant zu essen gibt.

Bier war jedenfalls mal nicht, obwohl es das im Irak prinzipiell gibt.




 
Teil 6:


Am Morgen im obersten Stockwerk des Hotels einmal das Frühstück genossen, mit Ausblick auf Duhok.






Von Duhok sind wir mal in die Berge gefahren und haben uns erst den Lalesh Tempel der Jesiden
und dann eine Archäologische Städte an einem Fluss angesehen.
















Beides sehr interessant, wir sind dann weiter in den Bergen, aber ein Sandsturm hat uns dazu motiviert, das wir doch schneller bis Erbil fahren.














Interessant die Gegensätze, man sieht die Ölanlagen und die vielen Transporter, sucht aber Tankstellen (die dann oft schlechtes Benzin haben)
Es gibt viele Leute mit Kohle und schicken Autos, aber auch viele Menschen, die eindeutig arm hausen.
Dann Landwirtschaft neben Sand und Steinfeldern, wo die vor Ort in großen Zelten wohnen und arbeiten.
Und das auch massiv bewässern.










Ebenso auffällig waren die vielen Checkpoints am Weg.


 
Na ist sicher toll Kultur und Motorradfahren aber die die jetzt noch da rumeiern versteh ich nicht, das war ja zu erwarten wenn man die letztn 2 Wochen das beobachtet hat.
 
Ich würde aktuell auch nicht fahren, das war abzusehen was da kommt.

Eigentlich wollten wir die abgebrochene Reise von 2025 heuer fertigmachen, aber war schon im Jänner klar, das es nicht sinnvoll
ist das durchzuziehen.
 
Teil 7:

Am Weg nach Erbil haben wir dann beschlossen nicht die ganze Runde durch Kurdistan zu drehen sondern direkt in die Stadt zu fahren.

Es war extrem heiß, weit über 40°, teilweise 45°.
Und auch der Sand war übel, Sicht teilweise schlecht.

Und am Weg haben wir US Militärconvois gesehen, die wohl abzogen.






In Erbil war in der Stadt am Abend auch ein Sandsturm, da fuhren die Autos mit Licht herum.

Wir beschlossen einen Tag extra in Erbil zu verbringen.














Wir haben dann versucht für Reini ein Visum für den Iran zu bekommen, von Leuten aus dem Iran habe ich die Info das alles ruhig ist und man reisen kann.
Hätte uns viel Zeit gespart.
Hat aber nicht geklappt.
Dauert minimum 5 Tage, und da wollten wir nicht dort warten um nicht zu wissen ob wir es bekommen.
Also Planänderung, wir versuchen die online zu beantragen und in Bishkek abzuholen, bis dahin sollten die bearbeitet sein, dann sparen wir am Rückweg.

Wir haben dann erfahren, dass die Visavergabe im Iran eingestellt wurde, das war aber inoffiziell aus Kontakten vom Iran.

Also sind wir wieder zurück Richtung Türkei.

Am Morgen war meine Batterie leer, dummerweise irrtümlich mit Parklicht abgestellt, war schnell lösbar, und an Reinis Vstrom ein kleiner Fleck Flüssigkeit unter dem Motorrad, das haben wir mal ignoriert




Wir sind erst mal zur Zitadelle nach Erbil, dann Mossul, dann Richtung Grenze






In Mossul konnte man noch die Schäden aus dem Krieg mit dem IS erkennen.




Wir haben uns über die unzähligen, teils zeitaufwändigen Checkpoints geärgert.

Erst später haben wir bemerkt, dass wir durch den Federal Irak gereist sind, also Kern Irak.

Das wussten wir nicht, und so war dann klar, wir sind über die Grenze, hatten kein Visa für den Irak und die haben uns einfach weiterfahren lassen, weil wir erklärten, wo wir hinfahren.
Und wir waren so sicher, das wir in Kurdistan waren, trotz Recherche nichts davon bemerkt


Fazit Kurdistan Irak, auf jeden Fall sehr interessant, auch sicher meiner Meinung nach.
Die Menschen leben wieder normal hier und das merkt man.
Bloß ist Juli keine gute Zeit weil 45 Grad und Sandstürme keine coole Kombination sind.






Aber Essen ist gut, Karottenmarmelade (lecker), Hähnchen in Großportionen und alkoholfreies Zitronenbier.








Viele Checkpoints, manche gehen schnell, manche dauern etwas, und manchmal nervt es, besonders wenn die 5km hintereinander sind.
 
Teil 8:

Dann die Grenze zur Türkei, Irakische Seite flott, aber wir haben einen sadistischen Türkischen Grenzer erwischt,
der uns lachend zum X Ray geschickt hat, war uns egal, machen wir halt.
Dann haben wir gewusst warum der lachte, das dauert.

Wir sind in der brütenden Hitze gestanden und haben ewig abgewartet.
Jedes Fahrzeug benötigt mit Auswertung ca 30 Minuten.
Und 3 waren vor uns.





Um 17.30 sind wir nach 3 Stunden aus der Grenze raus und die 300km bis Tatvan.

Nur das es hier um 20 Uhr schon finster wird und das GPS an unseren Navis im Kurdischen Grenzgebiet komplett für viele km ausgefallen.
Und wir sind zickzack herumgefahren den richtigen Weg suchen, trotz Karte nicht einfach weil kaum was angeschrieben war.

So kamen wir um 23.30 in Tatvan im Hotel an.






Tja, und am Weg fing die Kupplung von Reini an zu spinnen.
Da war uns klar warum am Morgen Flüssigkeit unter seinem Motorrad stand.
Nehmerzylinder hinüber.

Mit nachfüllen unterwegs haben wir es aber bis Tatvan geschafft.
Aber hier müßen wir uns Ersatz besorgen.

Kommt der nicht extrem zeitnah, kann das unsere Tour gefährden.
Von Kürzen bis zum Extremfall Abbruch gehen wir gerade alle Optionen durch.
Wir schauen mal wie es weitergeht.

Also bleiben wir wieder einen Tag in Tatvan, und versuchen mal zu schauen, was wir organisieren können.
Und überlegen, wie wir weitermachen.

Denn neben dem Kupplungsnehmer haben wir noch ein paar Dinge die wir lösen müssen.
Die Grenze von Kasachstan nach Usbekistan ist wegen einer Baustelle länger geschlossen als geplant.

Nächste Grenze wäre ein Umweg von ca. 2.400km, pro Richtung.
Dann haben wir zwischenzeitlich erfahren, dass keine Iran Visa vergeben werden, also müssten wir dieselbe Strecke wieder zurück.
Nochmal 2500km Umweg.

Wir nutzen den Tag in Tatvan, waren aber erfolglos wegen dem Kupplungszylinder.
Aber zumindest ich konnte mich beim Barber aufhübschen lassen.








Wir beschließen, das wir am nächsten Tag bis Erzurum fahren und dort entscheiden, wie wir weitermachen.
Bis Erzurum sind es 300km, und wir haben einen Tag Zeit um auf Antworten zu warten.

Schaut im Moment nicht gerade gut aus.
Repariert wurde er schon, hat nicht gehalten, wir brauchen einen Neuen oder einen Gebrauchten.
Ob wir den zeitnah bekommen, keine Ahnung.

Wir haben auch Kontakte in Kasachstan, die schauen auch ob sie den besorgen können, dann würden wir weiterfahren und es unterwegs tauschen.
Momentan schaut es aber nicht gut aus.

Wir überlegen wie wir weitermachen, von Abbruch bis Kürzen steht alles im Raum.
Aber ganz ehrlich: Wie es kommt so nehmen wir es.
 
Teil 9:

Am Morgen fahren wir aus Tatvan los.

Erstes Ziel der Kratersee Nemruth, wenn wir schon da sind kommt der mit.








Am Weg durch die Berge hatte es auf einmal nur mehr 9° und uns war richtig kalt.





In Erzurum angekommen wieder Regen.

Im Hotel haben wir dann in Ruhe überlegt.

Wir haben auch Kontakte in Kasachstan, die schauen auch ob sie den besorgen können, dann würden wir weiterfahren und es unterwegs tauschen.

Vom Bauchgefühl (davon habe ich ein klein wenig ) denken wir auf Grund der Situation auch, das es vermutlich schlau wäre das zu verschieben.
Ich habe Kontakte im Iran, die berichten von "verschwundenen" Reisenden.
Und niemand weiß wie es dort die nächsten Wochen weitergeht.

Der Kupplungsnehmer ist auch in D nicht lagernd und würde dort eine Woche benötigen, incl. Lieferung nach Türkei 2 Wochen.

Aber wir haben nach langer Überlegung eine Entscheidung getroffen, wir fahren zurück.

Es war nicht wegen der Kupplung, es war eine Summe viele kleiner Dinge.
Wir hatten beide schon länger kein gutes Bauchgefühl, und viele kleine Zeichen, das es wohl nicht sein soll.

2 x Iran Visum für Reini nicht bekommen, Afghanistan Visum im Vorfeld extrem mühsam, und viele kleine Dinge.

Und in den Nachrichten dann, das der Pass in der Nähe zum Schwarzen Meer wegen Schneestürmen geschlossen ist (im Sommer in der Türkei!!!)
Und wir haben uns beide für die Rückfahrt entschieden und finden das richtig.
Wir waren da einer Meinung.



Wir haben dann im Hotel noch gut gegessen, und endgültig die Entscheidung getroffen, wir drehen um.






Am Morgen bei der Abfahrt noch Regen, wir haben dann die Route ungeplant, weiter südlich, da sollte nach -2 Stunden der Regen vorbei sein.

Und so war es auch, Wetter wurde besser und wir hatten einen schönen Tag.












Nach 460km erreichten Wir Niksar und suchten uns wieder ein nettes Hotel.
 
Teil 10:

Also wir sind guter Dinge und für uns wissen wir, die Rückreise war richtig.
Wir holen das 2026 nach.
OK, denkste, wollten wir 2026 machen, inzwischen ist der Plan auch ins Wasser (oder die Strasse von Hormus) gefallen......

Und trotzdem haben wir richtig Spaß und gute Laune.

Von Niksar ging es durch die Berge bis Bolu, dann heute von Bolu bis Bandirma am Meer

Und am Weg hierher sind wir an der skurrilen Villenstadt vorbei, die verlassen ist.
Da waren mal 700 Villen für besser Gestellte geplant, das ging in die Hose.
Heute ist das Gelände verlassen, wird aber bewacht.

Also wir die Drohne fliegen lassen wollten kam ein alter Mann vom Wachdienst und meinte das dürfen wir nicht, bot uns aber an, für 10 Euro pro Person hineinzufahren.
Danke nein, dann lassen wir die Drohne eben 200 Meter weiter fliegen (ist hier definitiv legal)

Wir sind dann durch kleine Strassen durch die Berge, hatten nach den 9 Grad in Erzurum wieder 43 Grad und sind am Ende des Tages in Bandirma hängengeblieben.
Hotel mit Blick auf das Meer und gegenüber ein Pub mit Bier.

Das Leben ist herrlich.
Und es ist toll, wenn man mit Menschen aus den Ländern rumhängt und Spaß hat.

Sinterterassen nach Bolu:



Burj Ali Baba (Die Märchenvillastadt)





Bandirma:
(Pub)Leben auf der Strasse.....





Blick vom Hotel :





Viele alte Burgen am Weg....







Eispause unterwegs:

 
@Klausmong Ein toller Reisebericht, ein echtes Motorradabenteuer! Charley Boorman und Ewan McGregor wären begeistert, wahrscheinlich sogar neidisch.

Die Pannen und den Abbruch würde ich nicht negativ bewerten, sondern als Spannungsbogen im Storytelling. Das war fesselnd und irgendwie ein würdiger Abschluss, der eine Fortsetzung geradezu verlangt!

Herzlichen Dank dafür!
 
Die Pannen und den Abbruch würde ich nicht negativ bewerten, sondern als Spannungsbogen im Storytelling. Das war fesselnd und irgendwie ein würdiger Abschluss, der eine Fortsetzung geradezu verlangt!

Herzlichen Dank dafür!

Danke.

Für uns war es auch nicht negativ.

Klar waren wir im ersten Moment etwas gefrustet, haben dann aber schnell festgestellt das es richtig war.

Und ja, das wird eine Fortsetzung haben, aber leider nicht heuer.
Die Region ist gerade ein Pulverfass.

ich bin zwar nicht ängstlich, aber man muss auch mal wissen wo man was ausläßt.
 
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