Bullerbue
Kurvenkünstler
- Registriert
- 23. Sep. 2025
- Beiträge
- 317
- Reaktionspunkte
- 576
- Ort
- Düsseldorf
- Motorrad
- Aktuell:
BMW R1200 GS LC - 2018
Next Level:
Stay tuned :-)
Das ist doch überall so.
1980 war ich das erste Mal auf Fuerteventura, 2 Hotel im Norden und der Robinson Club im Süden, mehr war nicht. Der Flughafen war eine Hütte neben dem Rollfeld.
Toll entspannter Urlaub, nix los und viel Kontakt zu den Einheimischen.
1995 war ich nochmals dort, echt unterirdisch, der Süden komplett zugebaut, im Norden Liegen am Naturstrand und x Hotels im ehemaligen Fischerdorf.
Überall war es überfüllt, möchte dort gar nicht mehr hin.
Von Erholung keine Spur, total überlaufen.
Die Gier hat die Insel zerstört, wie in fast allen Touristen-Hochburgen, mehr, immer mehr und wenn die Betten dann belegt sind:
Mann sind das viele, die sollen zu Hause bleiben.
Mallorca hat die Fehler vorgemacht und fast alle haben es überall nachgemacht und jammern jetzt, das es voll ist, obwohl es abzusehen war.
Ahja hmmm,
also ich antworte mal mit einem klaren Jein darauf.
Ich glaube wir verkennen die Dynamik und wie die entstanden ist. In deinen eben von dir genannten 1980 ern wurde insbesondere unsere Generation flügge, jedenfalls plus minus. Wir machten uns damals auf in die Welt, ich auch und waren gerne mal auf der Suche nach dem Abenteuer und der Ursprünglichkeit. Eben auch weil man mit den Eltern noch am Teutonengrill rumhing und jetzt für sich was anderes suchte.
Dein Beispiel zeigt es ja ganz gut. Und dann begann die Dynamik der Mundpropaganda, soziale Medien war ja noch nicht. „Da musst du mal hin, total schön, ursprünglich und die ganzen Einheimischen und überhaupt…“
Nun und dann fuhren auf einmal immer mehr da hin. Die hingefahren sind hatten Bedürfnisse, suchten Unterkünfte und so nahm das Unheil seinen Lauf. Irgendwann bekamen auch die Standardtouristen mit, das da ganz viele hinfahren weil so schön und überhaupt…und dann kamen die Massenunterkünfte. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die „Eroberer“ bereits wieder von da zurückgezogen nach dem Motto „Kannst du nicht mehr hinfahren, ist total überlaufen und touristisch jetzt. Aber ich bin jetzt da und dort gewesen, da ist es noch total ruhig und ursprünglich usw…“ Worauf hin…man kann es sich bereits denken.
So hat sich dieser Zyklus weiter gezogen. Und dann kamen irgendwann soziale Medien dazu, es wurde auf Facebook gepostet was das Zeug hält, von weiteren tollen Orten geschwärmt, wo die Welt noch in Ordnung ist und ratz fatz zog die Karawane weiter. Natürlich haben sich im Verlauf der „Erschließung“ dieser ganzen Gebiete die Geschäftemacher drauf gesetzt. Haben Bettenburgen gebaut und mit der Masse kamen die Restaurants, die Imbisse, die Bars und was weiß ich noch alles.
Daher auch mein anfängliches „Jein“. Ich denke nur in den seltensten Fällen gibt es traumhafte Gegenden, wahrscheinlich am ehesten noch bei Südseeinseln, wo Leute, respektive Investoren, herkommen und aus quasi nicht von Touristen frequentierten Orten mal ins Blaue hinein eine Touristengegend machen wollen.
In der Regel hat es im Vorfeld immer diese „Eroberer“ gegeben, die auf der Suche nach den Plätzen waren, wo die Welt noch in Ordnung ist und genau damit haben sie angefangen die Totenglocken für diese Gegend zu läuten. Das ist auch unsere eigene Schuld was da so passiert ist. Jedenfalls zu einem Teil. Und gerade Motorradreisende waren in frühen Zeiten wie in den 80 ern, dafür bekannt eher unkonventionell unterwegs zu sein. Ich erinnere mich gut an diese Zeiten und Gegenden wo nix los war.
Natürlich können wir nichts dafür was dann draus gemacht wird, wie etwas massiv ausgebeutet wird. Aber ich denke wir können uns selbst jedenfalls nicht davon freisprechen, diese Entwicklungen schlicht mit befeuert zu haben.
Wobei der Alpenraum um den es hier jetzt geht, da vielleicht nicht ganz das ideale Beispiel ist, weil einfach schon sehr lange als Touristengegend erschlossen.
Andererseits kam der Hype in den letzten rund 20 Jahren auch daher, das viele Touristen den „Eroberern“ gefolgt waren und in die Welt gezogen sind, während diese bereits wieder zurück waren und plötzlich das Hohe Lied gesungen haben, warum denn in die weite Welt hinaus, das Gute liegt doch direkt vor der Haustüre.
Und…Zack….auch befeuert durch Krisen in der weiten Welt und Übertourismus folgen (mal wieder) die Massen. Jetzt eben zurück in die Paradiese vor der Haustüre. Es ist schon tricky das ganze.
Gruß Guido