Balkan 2025 - die Jagd nach dem Goldenen Oktober

Tolle Tour. Danke für mitnehmen (y)
 
Tag 16 – 14. Oktober

Der Tag beginnt recht frisch hier auf 700m Höhe, aber sonnig mit blauem Himmel. Ich werfe den Boxer und die Griffheizung an und wähle statt Hauptstraße die Fortsetzung des schmalen Sträßchens von gestern, das mich über einen kleinen Pass inklusive Scheiteltunnel in ein verschlafenes Tal hinabführt, welches sich nach Bosnien öffnet. An der kleinen Grenzstation stehen ein paar Einheimische beim Smalltalk, so richtig Grenzverkehr gibt’s hier nicht.

Genau, und auch für mich leider nicht, denn der Uniformierte geht um Gilette herum, meint „ah, tourist!“ und erklärt mir, dass dieser Grenzübergang nur für Anwohner geöffnet ist.

Ich verkneife mir den Hinweis, dass er mit seinem Verstoss gegen den Allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz den EU-Beitritt seines Landes torpediert und frage stattdessen nach dem kürzesten Weg zum kaum drei Kilometer (Luftlinie) entfernten ausländerfreundlichen Grenzübergang. Leider genau wie erwartet – 18km zurück zum Grahovac1858 und weitere 18km Nationalstraße zum offiziellen Übergang. Sackgassen erfreuen sich ja genau deshalb eines besonderen Reizes, weil sie auf dem Rückweg ganz andere Einblicke eröffnen als auf dem Hinweg.

Eine knappe Stunde später genieße ich, frisch in Bosnien eingereist, von hoch oben den Blick auf die kleine verschlafene Grenzstation tief unten im Tal…

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Bald erreiche ich mit der Trebišnjica den längsten Karstfluss Europas, deren Verlauf ich nun bis zu ihrem vollständigen Versickerung im unteren Popovo Polje, dem Priesterfeld, folge.

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Während sich der Fluss in Schleifen durch Trebinje windet, lege ich auch diesmal eine Pause in der wunderschönen Altstadt ein, es ist Markttag und beim Café au lait unter Platanen fühle ich mich in die Provence versetzt.

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Ab dem Ortsrand von Trebinje säumen zahlreiche Wasserschöpfräder, Norias, den Flusslauf. Noch zu Zeiten der Winnetou-Dreharbeiten verschwand das Wasser bereits hier in unzähligen Schlucklöchern, heute wird der Fluss über weite Teile in einem Betonbett geführt und endet erst am nordwestlichen Ende des Poljes in mehreren Versickerungsstellen, bevor er nach teils vielen Kilometern unterirdischen Verlaufs an verschiedenen Stellen als Karstquellen wieder zutage tritt.

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Bald stosse ich auch wieder auf die am Rand des Poljes verlaufende Trasse der Dalmatinerbahn, der ich bis Hutovo folge, von wo der schmale Neum-Korridor Bosniens einzigen Zugang zur Adria bildet. Zahlreiche Hotels und unzählige Pensionen zeugen davon, dass die gleichnamige Stadt nicht nur den einzigen Seehafen Bosniens besitzt, sondern auch die einzigen Adriastrände für den inländischen Tourismus bietet.

Ab hier werde ich, so der Plan, die nächsten drei Tage der Jadranska Magistrala bis zu ihrem Ende bei Triest folgen. Zunächst wird wieder in die EU eingereist, dann geht es im weiten Bogen um das Neretva-Delta und dann folgt – Meer links, Berge rechts – der als Makarska Riviera bekannte aussichtsreiche Küstenabschnitt Kroatiens.

Das Biokovo-Gebirge, der Abschnitt des dinarischen Küstengebirges zwischen der Neretva und Split, ermöglicht nur wenige Strassenverbindungen ins Hinterland, eine davon mündet nahe Makarska in die Küstenstraße, nachdem sie diese schon etliche Kilometer sichtbar in kühner Trassenführung entlang der Felswände aus großer Höhe begleitet. An gleicher Stelle beginnt die 23 km lange mautpflichtige Panoramastraße auf den höchsten Gipfel des Biokovo-Gebirges, den 1762 Meter hohen Sveti Jure. Wieder einmal holt mich der kurze Tag ein, daher habe ich den Biokovo Skywalk und vor allem den anschließenden Straßenverlauf durch die Karstlandschaft bis zum letzten steilen Anstieg auf den Gipfel fast für mich alleine.

Die Aussicht durch den hufeisenförmigen Glasbodensteg des Skywalks nach unten, wo der Blick zwölf Meter von der Klippe entfernt zwischen den Zehenspitzen hindurch einen Kilometer in die Tiefe reicht, muss man mögen, der mehr horizontale Ausblick über die Makarska Riviera ist phänomenal.

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Die zweite Hälfte der Panoramastraße mit ihrem sehr schmalen, unübersichtlichen Kurvenverlauf öffnet sich mal zur Adria, mal Richtung Inland, bevor nach dem letzten steilen Serpentinenanstieg der Gipfel des Sveti Jure mit dem Sendeturm und der Kapelle des Heiligen Georg erreicht ist. Der abgesperrte Betriebsbereich kann in wenigen Minuten umrundet werden und bietet in jede Richtung einen unglaublichen Weitblick.

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Und wie bereits zu Beginn der Tagesetappe festgestellt – Sackgassen erfreuen sich ja genau deshalb eines besonderen Reizes, weil sie auf dem Rückweg ganz andere Einblicke eröffnen als auf dem Hinweg.

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Die Abendsonne macht deutlich, weiter als Makarska komme ich heute nicht mehr. Was sich als Glücksfall herausstellt, denn das zu Sonnenuntergang gebuchte Heritage Hotel Porin in zentraler Uferlage erweist sich als Volltreffer.

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Da muss man dann auch mal darüber hinwegsehen, dass Gilette, sorry, die Nacht bei den „Kleinen“ verbringen muss.

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Herrlich! 1000 Dank fürs Mitnehmen, da muss ich auch dringend wieder hin. Tolle Bilder und super unterhaltsam geschrieben. Eins mit Sternchen 😀
 
Herrlich! 1000 Dank fürs Mitnehmen, da muss ich auch dringend wieder hin. Tolle Bilder und super unterhaltsam geschrieben. Eins mit Sternchen 😀
Besten Dank zurück - Du wirst viel wiedererkannt haben, Deine "Balkan Odyssee" war mir große Inspiration bei der Vorplanung der Tour, auch wenn dann wie immer vieles anders kam 😉
 
Tag 17 – 15. Oktober

Ein herrlicher Spätsommertag bahnt sich an!

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Frühstück vorm Hotel an der Uferpromenade, kleiner Spaziergang hinterm Hotel durch die Altstadt, wo gleich hinter den Häusern am Kirchplatz die Felswände des Biokovo-Gebirges aufragen.

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Etwas hält mich davon ab, dieses spätsommerliche Idyll zu verlassen. Nochmal entlang der Marina flaniert, dann steht mein Entschluss: heute gibt’s eine Auszeit, ich fröne dem dolce vita und Gilette darf nach 16 Fahrtagen pausieren. Die Verhandlungen mit der besonders netten Rezeptionistin verlaufen positiv, sie stattet mich noch fürsorglich mit allen must-sees aus und dann begehe ich den Vormittag so, wie ihn meine Altersgenossen in südlichen Ländern üblicherweise begehen – ich setze mich ins nächste Café, bestelle ein koffeinhaltiges Heißgetränk und lasse einfach die Zeit los.

Ok, es fehlt mir entweder an Übung oder doch noch an ein paar Jahren Reife, jedenfalls sieht mich das Mittagsläuten schon wieder in Aktion, Sehenswürdigkeiten wollen erkundet werden, zu den wärmsten Stunden des Tages passen dann Häppchen in der schattigen Altstadt und eine Fahrt im klimatisierten Semi-Unterseeboot.

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Und schließlich ist auch die Siesta fester Bestandteil des Tagesablaufs.

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Ein wunderbar entspannter Tag in einer unaufgeregt sehenswerten Stadt vor traumhafter Kulisse. Eine gute Entscheidung – und die Vorfreude auf die nächsten Etappen könnte nicht größer sein.

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Tag 18 - 16. Oktober

Nach dem Pausentag geht’s heute nach bewährtem Muster weiter auf der Jadranska Magistrala, über große Strecken wenig Verkehr, die Jahreszeit scheint ideal. Als ich doch einmal in die Berge ausweiche, stecke ich plötzlich, wieder einmal, in Straßensanierungsarbeiten fest, kein Problem – „two minutes“, dann ist die Durchfahrt frei.

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Richtung Split steigt die Siedlungsdichte, daher wechsle ich bei Omiš ins Hinterland und umfahre die zweitgrößte Stadt Kroatiens, so gut es geht. Bis zum Velebit bleibe ich auf kleinen Straßen im Hinterland und lasse diesmal mit Bedauern auch den Krka Nationalpark rechts liegen.

Immer wieder eindrucksvoll, wie Kroatien abseits der touristischen Gebiete im Hinterland sehr schnell sehr einsam wird.

Am Fusse des Velebit treffe ich wieder auf die Adria, auch hier ist der Verkehr auf der Küstenstraße vernachlässigbar. Keine Wohnmobile, keine Bootsanhänger, keine Caravans. Ein Kaffeestopp in Karlobag, danach adelt untenstehendes Schild den weiteren Streckenverlauf entlang des Velebit-Kanals:

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Dem ist nichts hinzuzufügen.

Als ich in Senj, meinem heutigen Ziel einlaufe, ist überraschend noch Tag übrig, so hänge ich noch eine Schleife hinauf in die Berge an – und fordere damit offensichtlich die Bora, den „Wind aus den Bergen“ heraus. Sie erhebt sich und stürzt sich den Velebit hinunter, so dass ich beim Rückweg nach Senj Mühe mit dem Spurhalten habe.

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Laut Wikipedia heißt es in Istrien: Die Bora kommt in Senj auf die Welt, herrscht in Rijeka und stirbt in Triest. In Dalmatien heißt es dagegen: Auf der Dinara wird sie geboren, getauft wird sie in Makarska und in Senj heiratet sie.

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Senj scheint also unabhängig vom Blickwinkel gerne von der Bora verwöhnt zu werden, die Wirtin im Hotel Meduza winkt dagegen ab, das sei heute noch kein richtiger Wind. Ich bin jedenfalls froh, Gilette einigermassen geschützt parken zu können, die ganze Nacht pfeift und heult die Bora, ob nun richtiger Wind oder nicht.
 
Tag 19 - 17. Oktober

So ganz hat sich die Bora noch nicht beruhigt, als ich mich zur letzten Balkan-Etappe aufmache. Leider mag sie heute aber auch keine Reisebusse von der Küstenstraße pusten, was bisweilen meinem Flow hilfreich wäre.

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In Novi Vinodolski weiche ich ohnehin wieder in die Berge aus, um die Kvarner Bucht und Rijeka im Hinterland zu umfahren. Etliche Winnetou-Hotspots, vorbei am Motodrom Rijeka-Grobnik und viele Kurvenkilometer später verlasse ich Kroatien für eine kurze Passage durch Slowenien und lasse mit Bedauern Istrien diesmal links liegen, das ist nach dem Besuch im Frühjahr demnächst wieder eine eigene Reise wert. Die Fahrt durch die Ebene von Friaul-Julisch Venetien ist bis auf einen Abstecher zur Lagunenstadt Grado eher ereignislos, bis mit Erreichen des Tagliamento die ersten Berge der Karnischen Voralpen in Sicht kommen.

Hier wartet ein Leckerbissen, die alte Militärstraße auf den Monte San Simeone, die in sehr schmalen, steilen Kehren und Kehrtunneln hoch über dem Schotterbett des Tagliamento auf eine kleine Hochfläche führt, die einen weiten Blick bis zurück zur Adria bietet.

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Auch im Friaul führen bestimmt zahlreiche Wege nach Rom, es gibt dort aber vor allem unzählige Möglichkeiten, immer nochmal einen weiteren reizvollen Schlenker mitzunehmen und so jegliches Ziel aus den Augen zu verlieren. So ist die Sonne schon hinter den Karnischen Gipfeln verschwunden, als ich in Ravascletto, gleich am Einstieg in die Panoramica delle Vette, fast taggenau nach drei Jahren wieder im Bellavista einchecke. Zwei Nächte, denn ich habe im Friaul noch ein paar Rechnungen offen.

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Tag 20 - 18. Oktober

Ein kräftiges karnisches Bergfrühstück, blauer Himmel, die Sonnenstrahlen erreichen allmählich den Talgrund, der Berg ruft! Oder vielmehr die Panoramica delle Vette, eine wunderbare, gleichmäßig in etwa 2000m Höhe angelegte Schotterstraße mit gigantischer Aussicht. Morgens von Osten nach Westen befahren, mit der Sonne im Rücken, ist das ein perfekter Einstieg in die friulische Bergwelt.

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Der Weg hinauf beginnt direkt am Ortsausgang, der Boxer ist noch nicht einmal warmgefahren als ich in die einspurige Auffahrt einbiege. Besonders warm ist es heute früh noch nicht, in den vom Sonnenlicht noch nicht erreichten schattigen Passagen kratze ich an der Frostgrenze, wie mir die Schneeflocke in meinem Display verrät.

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Kratzen müsste ich, oben angekommen, auch an meiner Lieblingsaussichtsbank, die noch dick mit Reif bedeckt ist,

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so belasse ich es heute bei einem Smiley und ziehe weiter.

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Am Ende der Panoramastraße windet sich die schmale Straße in engen, steilen Kehren wieder talwärts über das kleine Dorf Tualis nach Comeglians. Wenn enge, steile Kehren bergab funktionieren, muss das doch auch bergauf klappen: ein paar Kilometer weiter auf der anderen Talseite sind bis zu 28% Steigung zu bewältigen, um das Hochplateau um den Monte Pieltinis mit seinem Netz von Almwegen zu erreichen.

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Vor drei Jahren hatte mich genau hier oben ein Plattfuss ereilt, meinen ersten feldmäßig geflickten Reifen wollte ich anschließend nicht mehr als unvermeidbar weiterem Schotter aussetzen – heute will ich die damals zwangsläufig ausgefallenen Passagen nachholen.

Das Bergauf und Bergab zwischen den entlegenen Almen, die teils sehr groben, ausgewaschenen Steilstücke über die dazwischenliegenden Bergrücken – zu meinem Glück sind die extremsten Passagen betoniert, – die Ruhe und Einsamkeit hier oben und das majestätische Bergpanorama rundum, das alles übt eine ganz besondere Faszination aus. Eine ganze Weile sitze ich vor der letzten steilen Abfahrt zurück in die Zivilisation an der Sella Festons und lasse die Umgebung auf mich wirken.

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Zurück in die Zivilisation bedeutet zunächst die höchstgelegene Gemeinde Friauls, Sauris oder auch Zahre, denn die beiden Ortsteile Ober- und Unterzahre bilden eine der deutschen Sprachinseln Nordostitaliens. Mit der lokalen Spezialität, dem Sauris-Schinken, fülle ich meine Energiereserven auf, bevor ich gleich wieder in den friulischen Kurvenzauber eintauche: erst die Kurven hinauf zum Doppelpass Sella di Rioda und Sella di Razzo, dann die Kurven hinunter zur Forcella di Lavardet, die offenbar den ganzen Tag im Schatten lagen und immer noch reifbedeckt sind. Der Scheitelpunkt der Forcella di Lavardet befindet sich offiziell auf einem Waldweg knapp 200 Meter abseits der Provinzstraße ins Val Pesarina, die mich zurück Richtung Ravascletto bringen würde.

Viel spannender ist die Abfahrt ins Val Frison, deren Befahrung vor drei Jahren von Norden kommend nach Überwindung mehrerer Geröllfelder schließlich an der komplett fortgespülten Straße endete. Heute ist der schotterige Waldweg eine überraschend problemlose Strecke – mitsamt der surreal wirkenden, breit asphaltierten Passage zwischen dem Kirchlein Madonna della Difesa, den vierzehn zwischen zwei Murenkanälen eingezirkelten Serpentinen und der anschließenden breiten Talbrücke, bevor die Strasse wieder zur Schotterpiste wird.

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Und immer wieder wird mir eindrucksvoll vor Augen geführt, welchen Naturgewalten die Landschaft hier ausgesetzt ist.

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Im Piavetal angekommen folge ich dem Fluss aufwärts durch das Bergdorf Sappada, einer weiteren deutschen Sprachinsel, in die Stichstraße hinauf zu den Quellen des Piave. Auch hier war das letzte Mal auf halbem Wege die Weiterfahrt durch Instandhaltungsarbeiten blockiert, heute kann ich die Windungen des schmalen Sträßchens bis hinauf zum Rifugio genießen, wo mich rund um die eingefasste Piavequelle eine einmalige Kulisse erwartet, die ich in Bildern kaum wiedergeben kann.

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Nach diesem höchst erfolgreichen Tag kurve ich entspannt zurück Richtung Hotel und will ab Tualis den Höhenweg nach Ravascletto nehmen, als plötzlich - wie heute in der Früh - der Berg ruft! Vielmehr die Panoramica delle Vette, abends von Westen nach Osten befahren, mit der Sonne im Rücken, der perfekte Ausklang eines grandiosen Fahrtages.

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Meine Lieblingsbank ist abgetaut und trocken, ich kann die Bergwelt noch einmal in aller Ruhe auf mich wirken lassen.

Zurück im Hotel steht die Sonne noch hoch genug am Himmel um auf der warmen Terrasse beim italienischen Nationalgetränk die vergangenen drei Wochen Revue passieren zu lassen, den erlebten Goldenen Oktober in all seinen Ausprägungen über vielfältigste Landschaften hinweg.

Jeder Tag war der Beste!

Da stimmt mir selbst meine Espressotasse zu.

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Tag 21 - 19. Oktober

Der Tag beginnt früh, die Schlussetappe beträgt gut 550km bis nach Hause, da muss ich mich ranhalten. Zunächst den gestrigen Heimweg nochmal rückwärts durch Sappada, dann über den Kreuzbergpass ins Pustertal. Eine wunderbare Strecke, heute früh allerdings noch bitterkalt, die Sonne macht sich stellenweise rar im Sextener Tal.

In Innichen erreiche ich mit dem Hochpustertal auch die Drau wieder, deren Quelle ich einige Kilometer später auf dem Weg nach Toblach passiere. Im weiteren Verlauf dient das Pustertal leider mehr dem blossen Vorankommen als dem fahrerischen Genuss, der Verkehr wird immer zäher bis er bei Mühlbach endgültig zum Erliegen kommt. Dank der in Strassenmitte aufgemalten Motorradlinie bin ich dennoch in guter Zeit an der Eisackbrücke.

Der vernünftige Plan sieht ab hier die Brennerautobahn vor, um vor Sonnenuntergang die heimische Garage zu erreichen. Wenn ich allerdings die Verkehrsdichte der letzten Kilometer gedanklich vor die einspurige Brennerbaustelle an der Luegbrücke extrapoliere, dann geht wohl auch der vernünftige Plan nicht auf. Vom Spassfaktor mal ganz abgesehen.

Also lasse ich Gilette gewähren, als sie im Kreisel vor der Autobahnauffahrt vorzeitig nach rechts in die Brennerstaatsstraße zieht, und gleich fühlt es sich wieder nach Motorradfahren an.

Bis Sterzing habe ich mich entschieden; tausche öden Brennerstau gegen Kurvenspaß über Jaufenpass und Timmelsjoch. So lässt sich der Goldene Oktober noch einmal genießen, schließlich geht die Saison allmählich dem Ende zu. Goldene Lärchenwälder säumen die Auf- und Abfahrten der Pässe, während oben stilsicher zum Germknödel bereits der erste Schnee gereicht wird.

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Ötztal und Fernpass laufen heute gut, erst die Einreisekontrollen nach Deutschland bescheren mir den längsten Grenzstau dieser Reise. Um etwas Zeit gutzumachen, bleibe ich nun wirklich vorerst auf der Autobahn, bis ich mich im nächsten Stau wiederfinde. Hat sich nicht gelohnt.BMW

Ich biege ab zur Donau, den Weg über die Schwäbische Alb, auch diese in voller Pracht der goldenen Herbstfarben, kennt Gilette zu Genüge, nicht lange nach Sonnenuntergang komme ich zuhause an – nach drei faszinierenden Wochen durch zehn Länder, dankbar für die unfallfreien Kilometer und voll unvergesslicher Eindrücke. Und der aufgefrischten Erkenntnis, wie sich Bedenken und Befürchtungen buchstäblich wie die Pfunde der GS in Wohlgefallen auflösen, wenn man erst einmal losgefahren ist.

Einfach machen!

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Schön das Du wieder gesund und unbeschadet zuhause bist. Eine sehr schöne Reise hast Du da gemacht, ein toller Mix aus guter Planung und spontaner Flexibilität. Das Alles hast Du schön bebildert und vor allem faszinierend geschrieben ... dafür ein herzliches Danke schön.
Deine Reise werde ich in Teilen 2026 zur Basis meiner eigenen Reise machen ... dabei werde ich aber auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien bleiben, auch mit dem Ziel bestimmte Inseln zu erkunden.
Vielleicht hast Du ja mal wieder Zeit für ein Biker-Frühstück ... Du hast bestimmt noch den einen oder anderen Tipp in Petto.
 
Schön das Du wieder gesund und unbeschadet zuhause bist. Eine sehr schöne Reise hast Du da gemacht, ein toller Mix aus guter Planung und spontaner Flexibilität. Das Alles hast Du schön bebildert und vor allem faszinierend geschrieben ... dafür ein herzliches Danke schön.
Deine Reise werde ich in Teilen 2026 zur Basis meiner eigenen Reise machen ... dabei werde ich aber auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien bleiben, auch mit dem Ziel bestimmte Inseln zu erkunden.

Vielen Dank dafür - und ich freue mich über die Weiterverwertung meiner Er"fahrungen". Ich habe selbst so viele Informationen für meine Reisen der letzten Jahre aus Forumsberichten (naturgemäß des Vorgängerforums) mitgenommen, daß ich hier gerne etwas zurückgebe.

Und nebenbei motiviert das Feedback ungemein beim Weiterschreiben ;) Danke an alle Leser!

Vielleicht hast Du ja mal wieder Zeit für ein Biker-Frühstück ... Du hast bestimmt noch den einen oder anderen Tipp in Petto.

Unbedingt, ob Tanne, Platte oder Raisch, mit Sonne, ohne Salz und einem Plus vor der Temperatur 😆
 
Sehr schöner Reisebericht. Tolle Bilder, toll geschrieben. Danke!
 
Toller Bericht, danke fürs Zeigen! Der Herbst zählt auch für mich seit einigen Jahren zu meiner liebsten Motorrad-Reisezeit

Gibt es von deiner Norwegen-Reise auch einen Bericht zu lesen und Bilder zu sehen?
 
Echt toller Bericht und eine sehr schöne Ausfahrt.
Danke fürs Mitnehmen und die wertvollen Infos.
 
Toller Bericht mit schönen Foto´s.
An der einen oder anderen Stelle haben wir uns wiedergesehen.
Der Balkan ist schon ein Motorradgebiet.
 
Danke für den sehr sehr schönen Reisebericht.
👍

Inspiriert mich für 2026.


Gruß
Jochen
 
Jetzt zwar erst drauf gestoßen auf deinen tollen Bericht. Hättest ruhig noch länger unterwegs sein können weil wir dann noch mehr zu lesen bekommen hätten. In einigen deiner Passage habe ich mit voller Vorfreude Ortsnamen entdeckt, die auch auf meiner Tour dieses Jahr stehen. Du hast meine Vorfreude extrem gesteigert.

Vielen Dank
Werner
 
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