Um 06.35 Uhr pingt mein Handy laut und vernehmlich. Warum auch immer. Keine Nachricht, nix ist da. Blödes Ding. Da schlafe ich schon mal länger und dann weckt mich das Eierphone. Frühstück gibt es wieder erst ab 08.00 Uhr.
Das heute ist ganz anders als ich es je erlebt habe. Alles muss einzeln bestellt und dann auch bezahlt werden. Wird am Tisch serviert und dauert etwas länger als sich seine Sachen am Buffet zu holen. Ist für Leute wie mich, die max 2 Brötchen morgens verzehren aber reeller. Und leckererweise gibt es völlig kalorienarme Croissants. Die Dinger triefen nur so vor Fett sind aber saulecker.
Die Motorräder aus der Garage holen, bezahlen, Koffer wieder dran bappen. Jeden Morgen ungefähr das gleiche Ritual. Wir sind früher dran als die Jungs aus AH. Ein Stück zurück dann links ab. Knuffiges kleines Bergsträßchen. Ziemlich weit oben gibt es dann auch Panorama. Da müssen wir mal anhalten.
Etwas verblüfft nehme ich zur Kenntnis, dass wir wohl etwas von der Route abgekommen sind. Das sieht doch dahinten aus wie der Uluru. Jedenfalls fast.
Das Wegelchen ist prinzipiell gut zu fahren. Lediglich auf den Steigungs- bzw. Gefällteilen wird es etwas rumpeliger.
Die Pfütze ist allerdings nicht zu verachten. Man weiß nie wie tief oder schlammig so ein Teil ist. Das kann dann schnell in die Hose gehen. Zum Glück sind wir immer in angepasster Geschwindigkeit unterwegs. Wenn’s uns mal hinschmeißt, dann meist fast im Stehen. Aber vielleicht ja auch nur deswegen, weil wir zu langsam sind. Wer weiß das schon.
Auf der gegenüberliegenden Talseite geht es danach auf knapp einspurigen allerfeinstem neuen Asphalt wieder hoch. Wir stehen kurz in einer Hofeinfahrt bevor wir den richtigen Abzweig erwischen. Es geht ein paar Meter ziemlich steil nach oben und in eine Kehre. Rainer bleibt mitten darin stehen. Ich kann das nicht richtig einsehen. Dann fährt er los.
Hätte ich das vorher gesehen, ich hätte wahrscheinlich kapituliert. Es ist steil, viel steiler als auf den Bildern zu erkennen ist. Und es besteht nur noch aus tiefen Rinnen und Felsblöcken. Jetzt bin ich drin und es hilft nur noch eins GAAAAAS. Wie immer meistert die GS das ganz locker. Der ängstliche und limitierende Faktor ist mal wieder die obere Hälfte.
Als wir auf der „Höhe“ sind gönnen wir uns eine Verschnaufpause.
Während wir versuchen wieder Kraft zu tanken, vor allem ich, meinen wir etwas weiter unten, vermutlich am Einstieg, eine KTM zu hören. Aber nur kurz. Dann ist Stille und wir warten, dass die Jungs bei uns vorbeikommen, aber es kommt keiner. Sollte es einen böser erwischt haben. Das Stück war nichts für Anfänger. Ohne die Hechlingen-Kurse und die jahrelange Erfahrung hätten wir/ich wahrscheinlich auch ziemlich alt ausgesehen.
Der Rest ist bis auf ein paar tiefe Pfützen relativ gut zu fahren. Nur die letzten hundert Meter haben es nochmal richtig in sich.
Auch da, symbolisch die Augen zu, Gas und durch. Die drei älteren Herrschaften schauen uns etwas zweifelnd nach. Ich will gar nicht wissen was die sich denken.
Vom Coll de l’Espina bis zum Coll de Fadas nutzen wir die Hauptstraße, dann links ab und es folgt eine sehr interessante Strecke. Es sind ca. 100 bis 200 Meter asphaltiert, dann folgt ein ebensolches Schotterstück, dann wieder Asphalt, dann wieder Schotter. So geht das eine ganze Weile hin und her. Irgendwann ist dann Ende mit Asphalt. Eigentlich kein schlechter Weg werden wir nach kurzer Strecke heftig überrascht.
Während Rainer halbwegs mittig durchzufahren versucht und dabei ziemlich versinkt…
…versuche ich es dann weiter rechts, sieht eigentlich gut aus, entpuppt sich aber als fieser, tiefer Schlamm. Ergebnis, die GS dreht sich, ich hab zum Ausgleich beide Beine in der Luft (sieht von hinten bestimmt lustig aus) und komme aber zum Glück nur quer zur Fahrtrichtung zum Stehen. Uff, Schwein gehabt. Eine Schlammsuhle hätte mir noch gefehlt.
Das Ergebnis des ersten richtigen Wasserlochs sieht dann so aus.
Wenn man von den gehäuft auftretenden Wasserlöchern absieht ist der Rest der Strecke prinzipiell ein guter Waldweg. Die Pfützen haben es aber teilweise in sich. Mir gerät einmal der rechte Huf unter den Koffer als die GS im Schlamm etwas schlingert. Zum Glück bekomme ich ihn wieder frei bevor sich die Fuhre aushebelt. Es bleibt immer spannend.
Ganz zum Schluß wird es nochmal ruppig.
Jetzt gibt es Pause.
Ich bin froh alles gut überstanden zu haben. Die körperliche Anstrengung hielt sich in Grenzen. Vielleicht kommt doch so allmählich ein wenig Fitness zurück. Aber brauchen tu ich sowas nicht nochmal.
Meine TT-Koffer waren nie hundertprozentig fest. Die Halterungen waren einfach nicht genau auf Maß gebohrt bzw. abgedreht. Rewert hatte in den Vogesen einen alten Befestigungsgurt klein geschnitten und dazwischen geklemmt. Seitdem rappelte nichts mehr. Jetzt stellen wir allerdings fest, dass sich einer der Streifen verselbstständigt hat. Das wird schnell in Ordnung gebracht.
Beim Aufstieg zur nächsten Piste bekommen wir einen schönen Blick auf den letzten Ort.
Auch der heutige Tag hat wieder zahlreiche Panoramen zu bieten.
Die Piste ist sehr gut befahrbar. Ist ja auch nicht irgendein Waldweg sondern eine ungeteerte Ortsverbindungsstraße.
Zunächst geht es noch auf Beton los.
Bevor auch dieser verschwindet. Mit der Puerto de Saúnc reißen wir die 2000er-Grenze bevor es wieder talwärts geht. Hier bekommen wir es dann mit einem äußerst sturen Hindernis zu tun.
Elsa bewegt sich nicht einen Millimeter beiseite. Erst als die Mutterkuh mit Kalb beiseitetreten können wir Elsa umfahren.
Zwei der ganz wenigen Motorradfahrer, die wir heute auf dem ACT treffen.
An einer schön gelegenen Bank machen wir Pause. Die GS muss auch mal wieder richtig ins Bild gesetzt werden.
Und wir zwei älteren Herren und unser Benjamin kommen auch noch dran.
Tja, so langsam kommt die GS in einen artgerechten Zustand. Gefällt mir.
An der Bar Mesón de Salinas machen wir Kaffeepause. Es gibt hier zwei Teilterrassen, einmal für Restaurantgäste, einmal für die Bargäste. Wir werden freundlich zum Barteil hin komplimentiert.
Auch wen Rewert hier etwas ernst schaut, wir hatten schon unseren Spaß heute.
Unser Zeitplan ist allerdings etwas im Hintertreffen. Wir beschließen daher uns das kleinklein auf irgendwelchen Asphaltstrecken im Hinterland zu schenken und ausnahmsweise mal die etwas südlichere Hauptstraße zu nutzen.
Wir schluchten uns also Richtung Süden.
Auch wenn das streckentechnisch jetzt nicht der überragende Bringer ist, landschaftlich ist es wunderschön. Das sieht doch fast wie in Arizona aus.
Ja gut, müsste etwas mehr Sand drumherum sein. Bergtechnisch passt das aber schon.
Wir bekommen aber noch viel mehr auf der Strecke geboten.
Einfach schön hier.
In Jaca an der Repsol füllen wir unsere Benzinvorräte auf. Kurz hinter Jaca kommt der letzte NA-Abschnitt für heute.
In der ersten Kehre halte ich an. Das wir schon wieder ziemlich grob. Bis hierhin habe ich alles gut gemeistert und auch gesundheitlich gut überstanden. Das will ich nicht aufs Spiel setzen. Ich lasse daher den beiden ihren Spaß und fahre außen herum Richtung Hotel.
Zunächst über eine Carreterra Forrestal bei der die größten Löcher ausgerechnet mitten in den Spitzkehren sind, später über eine gut ausgebaute Straße Richtung Anso. Auf dem letzten Stück abwärts nach Anso habe ich einen Renault Traffic vor mir. Gut, ich habe schon ein paar Meter in den Knochen, aber der fährt mir weg. Kann ja nicht sein. Der Gute heizt dermaßen den Pass herunter, dass ich mich schon anstrengen muss um nur dranzubleiben. Von überholen wollen wir mal gar nicht reden.
Anso, jetzt wird’s lustig. Zuerst will mich das Navi eine Treppe hochschicken. Dann irre ich durch die kleinen Gassen hin und her. Zuletzt fahre ich nochmal raus und fange de facto von vorne an, ohne Treppe. Das kleine Hotel ist nur unzureichend beschildert. Aber jetzt finde ich es. Die Tochter weiht mich sehr freundlich in die Geheimnisse des Hauses ein. Ein endloses Treppenhaus…
…welches man durch einen Seiteneingang dann zu den Zimmern umgehen kann. Abendessen gibt es leider auch keines. Aber einige Restaurants, von denen sie aber nicht weiß welche geöffnet haben.
Ich geh derweil mich schon mal abendfein machen. Wer weiß wann die Beiden kommen. Ein kleiner Spaziergang kann auch nicht schaden.
Der Motorradparkplatz ist etwas beengt. Aber da müssen ja auch noch Autos vorbeikommen.
Kriegen wir aber irgendwie hin. Um mal wieder etwas Kultur zu genießen werfe ich einen Blick in die Kirche. Wegen der nur schießschartengroßen Fenster etwas dunkel. Trotzdem ist der Altar beeindruckend.
Ich stromer noch ein wenig im Ort herum, schaue nach den Essensstellen und höre irgendwann zwei BMW’s. Schnell zurück zum Haus. Oohhh, das sieht ja beeindruckend aus. Mir kommen zwei Schlammverkrustete Gestalten entgegen.
Es sei wohl ziemlich schwierig und teilweise schlammig gewesen. Ich hätte die richtige Entscheidung getroffen.
Den zweien ihre Zimmer gezeigt, damit sie sich in einen menschenwürdigen Zustand versetzen können und noch ein wenig im Haus rumfotografiert.
Das Haus ist in den Fels gebaut, der an der Sitzecke zu tage tritt. Der Eingangsbereich ist schon eine künstlerische Steinlegearbeit.
Nach kurzer Zeit kommen die beiden runter. Wir gehen zunächst zum nahegelegenen Restaurant hinter der Kirche. Die Bewertungen in Google bzgl. der Bedienung sind nicht gut. Und decken sich 1 zu 1 mit unserem Erleben. Sie ist unfreundlich, Bier muss man sich selbst an der Theke holen und Essen gäbe es sowieso frühestens um 21.00 Uhr. Wir haben zwar schon kurz nach acht, aber so viel Unfreundlichkeit (im Übrigen die erste auf der ganzen Tour) müssen wir nicht noch belohnen.
Die nächste Alternative wäre das Restaurant am Campingplatz. Mit einer gewissen Skepsis tigern wir darunter. Und werden sehr positiv überrascht.
Ein sehr freundlicher und um uns bemühter Chef. Wir bestellen Kalbssteak mit Pommes und Salat für 14 Euro. Sehr lecker. Jederzeit zu empfehlen. Das Dessert Tarte de Whisky kostet 3,50. Er kommt dann mit einer großen Flasche Whisky, fragt uns ob wir das wirklich wollen, jaaaaa natürlich, wollen wir den Whisky über die Tarte haben. Welche Frage! Alleine für den kräftigen Schuss Whisky hätte man in Deutschland mehr als die 3,50€ bezahlt.
Auf dem Heimweg kommt mir die Idee, die Kosten der Reise bei der Krankenkasse als Reha einzureichen. So ähnlich fühlt es sich an. Jeden Tag ein wenig besser.
Wie man solche Wege wie heute als für Anfänger geeignet bezeichnen kann erschließt sich mir nicht. Waren bei der Erkundungsfahrt des ACT nur Vollprofis am Werk? Oder lags an den Regenfällen die letzten Tage und Wochen?
260 anstrengende Kilometer waren es heute.