ACT Pyrenäen 2024

schotterali

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R 1200 GS Air cooled
Es ist Samstagmittag, Rewert wird jetzt irgendwann in Aurich losfahren, Rainer abholen und spätnachmittags bei mir aufschlagen.

In der Küche brutzeln die Rouladen fürs Abendessen vor sich hin und im Keller wartet die Magnumflasche Merlot darauf endlich geköpft zu werden.

Ich sitze auf der Terrasse, schaue auf den Kanal und sinniere ein wenig vor mich hin. Zwei Herz-Op’s in den letzten 11 Monaten, eine zwar noch ruhende aber jederzeit ausbrechen könnende chronisch lymphatische Leukämie und noch so ein paar Kleinigkeiten lassen mich nachdenklich werden. Auf eine Fitnessskala von 1 bis 10 fühle ich mich gerade bei minus 5. Es wird eine lange und wahrscheinlich auch zumindest teilweise anstrengende Tour. Schaffe ich die überhaupt? Soll ich das den Beiden wirklich antun?

Als sie da sind verbanne ich die düsteren Gedanken und freue mich auf den Abend.

Die Gummikuh, die ja eigentlich schon lange keine mehr ist, wird verladen, dann wird gegessen und sitzen wir noch lange und leeren den Merlot.

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Morgen geht’s los.
 
Wie üblich ist um sechs rum, entweder kurz vor oder kurz nach, meine Nacht zu Ende. Also aufstehen, duschen, Frühstück vorbereiten und Brötchen holen.

Wir frühstücken gemütlich und tuckern gegen viertel nach neun los.

Es ist Sonntag, keine LKW´s. Das macht das fahren etwas entspannter. Fast anderthalb Jahre bin ich die Strecke einmal die Woche gefahren. So lotse ich Rewert in Diemelstadt von der A 44 runter auf die B 252. Ist 40 Kilometer kürzer, zeitlich gleichwertig und ruhiger als auf der Autobahn. Außerdem ist auch so langsam die erste P-Pause fällig.

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Die A 6 ist in Schwetzingen wegen Brückenbauarbeiten gesperrt. Dadurch zeigt Google mehrere Staus auf der A5 an, von denen allerdings keiner im Radio zu hören ist. Wir entschließen uns trotzdem über die elsässische Seite und damit die französische Autobahn zu fahren.

In Edenkoben wird’s langsam Zeit das Auto und uns zu füttern. Wir kehren in der Bäckerei Becker ein. Wie hat Rainer das nur gefunden? Oder ist das Verwandtschaft? Egal, den Kaffee kann man trinken und der Kuchen schmeckt.

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Bis auf das kurze Stück um Straßburg herum ist die Autobahn mautfrei. Noch ein kurzes Stück in die Vogesen und wir sind in Fresse-sur-Moselle im Chateau du Pont Jean angekommen. Hier dürfen auch Auto und Hänger für die nächsten drei Wochen stehen.

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Wir werden mit einem leckeren Ankomm-Bier von Elke und Arno begrüßt. Das fängt ja schon mal gut an. Da noch ein hungriges dänische Paar dort ist, einigen wir uns auf viertel nach sieben fürs Abendessen. Das heißt zügig abladen, frisch machen und runter zum Essen.

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Es gibt Quiche, Schweinefilet in Sherrysauce mit gebratenen Kartoffelwürfeln und ein leckeres Dessert. Rainer und ich gönnen uns einen Pinot Gris. Ein wenig quatschen im „Wohnzimmer“ und ab ins Bett. Erstens bin ich müde und zweitens steht morgen der erste Fahrtag an. Seit einem Jahr bin ich nur zweimal kurz gefahren (in die Werkstatt und zurück). Das wird sicherlich anstrengend werden.
 
Wie üblich ist kurz vor 6 die Nacht rum. Etwas lesen, alles einpacken und ein erstes Foto als der Tag zu dämmern beginnt. Draußen sind noch die Reste des Gewitters aus der Nacht erkennbar.

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Das sieht ja nicht so gut aus. Egal, wir lassen uns zunächst ein fast opulentes Frühstück schmecken. Die Übernachtung mit Halbpension ist zwar nicht gerade billig, aber jeden Cent wert. Das Chateau bekommt schon mal eine eindeutige Empfehlung, wegen Zimmern, Essen und den überaus freundlichen, hilfsbereiten und motorradzugewandten Besitzern.

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Rainer übernimmt heute die Funktion des Tourguides. Ist mir mehr als recht mal hinterherfahren zu dürfen. Da wir am Fuß des Ballon d’Alsace übernachten, ist er quasi Pflichtprogramm. Leicht feucht und mit kalten Reifen lassen wir es aber ruhig angehen. Auf den ersten Metern einer dreiwöchigen Tour das Motorrad zu schrotten erscheint uns wenig sinnvoll. Es ist Montagmorgen und wie man so schön sagt, tote Hose. Von zwei oder drei Ausnahmen abgesehen, sind wir die Einzigen, die heute Morgen unterwegs sind. Wenn es jetzt trocken wäre, könnte man hier schön hochheizen. 😀

Oben leicht neblig, bekommen wir auf dem oberen Teil der Abfahrt doch noch eine halbwegs passable Aussicht.

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Was dann folgt ist Zauberwald pur. Große alte moosbewachsene Bäume, leichter Dunst/Nebel, eine etwas ruppige Straße, verwunschenes Land.

An der Barrage d’Alfeld machen wir den nächsten Stopp.

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Rainer und Rewert spazieren zum Denkmal, ich schone meine ohnehin knappen Energiereserven und schaue ihnen zu.

Wir verlassen die Vogesen und wenden uns langsam dem Jura zu. Im dazwischenliegenden Hügelland hab ich es tatsächlich unwissentlich geschafft, die Route genau an einer Schleuse des Rhein-Rhone-Kanals vorbeizuführen. Das müssen wir uns natürlich ansehen.

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Über den Col de la Croix, immerhin 789 Meter hoch steigen wir in den französischen Teil des Jura ein. Ein knuffiges, knapp anderthalbspuriges Sträßchen, führt uns über den Pass und anschließend ins Tal des Doubs herunter.

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Hier soll gleich das erste kleine Highlight der Tour folgen, die unbefestigte Strecke vom Hotel Tariche nach Soubay. Es geht auf einspuriger Straße nah am Wasser entlang. Idyllisch hier. Doch dann kommt die Enttäuschung gleich doppelt, die Straße ist etwas hinterm Hotel gesperrt und das hat Montag und Dienstag zu. Nix is mit Kaffee auf der Terrasse und auf den Fluss starren.

Wir beratschlagen kurz ob wir links oder rechts vom Fluss die Umleitung fahren. Da rechts (orografisch) schneller der Abzweig kommt, entschließen wir uns hierfür. Es geht stark ansteigend, knapp einspurig die steile Talwand hoch. Geniales Wegelchen. Fast oben gibt’s bei mittlerweile eingesetztem Sonnenschein jede Menge Aussicht.

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Auf der Höhe breite, gut ausgebaute Straße bis nach Saignelégier. Zum ersten Mal müssen wir etwas auf die 80 km/h aufpassen. Bisher hätten wir uns richtig anstrengen müssen um das zu erreichen.

Zuerst kommen wir an der Uhrenfabrik von Maurice Lacroix vorbei um ein paar Meter später in der Boulangerie und Patisserie Parrat unsere Kaffeepause nachzuholen.

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Sehr lecker und sehr zu empfehlen, sollte mal jemand in der Gegend vorbeikommen. Noch ein wenig auf der Hauptstraße weiter, dann rechts ab und auf wiederum knapp einspuriger Straße hinunter zum Doubs. Wir haben die Route zwar etwas abgekürzt sind jetzt aber wieder drauf.

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Wir halten uns Richtung Südwest und überqueren einige Höhenzüge des Jura in Berg- und Talfahrt. Dabei wird ein voraus gut erkennbarer Schauer dank genialer Routenplanung umfahren. 😇

An der eingeplanten Tankstelle in Couvet wird es auch Zeit dafür.

Noch einmal schlängeln wir uns bergauf. Dann wäre Rainer fast an dem fest eingeplanten Punkt, den Toblerones, vorbeigefahren.

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Eine Panzersperre aus früheren Zeiten, die wegen ihres Aussehens, der Ähnlichkeit mit einer bekannten Schweizer Schokolade, ihren Namen erhielt.

Während wir abbildungstechnisch in uns gehen kommt von hinten ein Cayenne. Der hat es uns aber gezeigt. Bei hochgedrehten Gängen bis in den 4. kann er froh sein, dass da kein Blitzer stand. Das war schon im Bereich einer Haftstrafe. Uns entlockt es höchstens ein Kopfschütteln und ziemlich müdes Lächeln.

Kurz drauf gibt es mit der Tour de la Grand Vy einen fantastischen Aussichtspunkt auf das südliche Ende des Neuenburger Sees und das Mittelland. Bei guter Fernsicht kann man bis in die Alpen und zum Genfer See blicken. Heute reichts nicht ganz.

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Einige Meter später biege ich noch in einen Feldweg für ein paar weitere Fotos ab.

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Es sind nur noch vergleichsweise wenige Kilometer bis zu unserem Hotel am Lac de Joux. War zwar nur unsere zweite Wahl, aber nach reiflicher Überlegung haben wir auf unsere erste Wahl verzichtet. Preislich war das übernachtungstechnisch schon ok, aber zum Diner ein Michelin-Sterne-Restaurant…. Nee, war uns dann doch nix.

Nachdem wir den ersten Regenschauer elegant umschifft haben sieht es jetzt am Horizont, so kurz vor dem Ziel, nicht gut aus. Und tatsächlich auf den letzten Kilometern wird die Straße nass und wir bekommen tatsächlich noch ein paar Spritzer ab. Sind aber nur die berühmten drei Tropfen. Das lässt sich aushalten.

Das heutige Ziel ist das Hotel da la Truite. Also das Hotel Forelle. Da klingelt was ganz weit hinten im organischen Computer. Forellenhof, lang lang ist’s her.

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Das Personal ist, vorsichtig formuliert, offensichtlich zu wenig, überfordert und zusammengenommen etwas lahmarschig. Es dauert mindestens 10 Minuten bis sich an der Rezeption jemand um uns kümmert. Es geht auch nur auf Englisch, obwohl hier alle deutsch lernen. Also entweder sind wir zu anmaßend zu erwarten, dass jemand der deutsch kann es auch mit uns nicht frankophilen spricht oder die sind einfach arrogant. Was solls, englisch können wir beide. Da sich aber nicht prüfen lässt ob das Hotel schon bei Rainer abgebucht ist, da sein Handy leer ist, offensichtlich ist die Ladebuchse am Motorrad defekt, gönnen wir uns zunächst ein Ankomm-Bier im Biergarten.

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Nach einer halben Stunde ist auch das geklärt und wir beziehen unsere Zimmer.

Die Speisekarte enthüllt nichts Weltbewegendes zu Schweizer Preisen halt. Weiß man ja, wenn man hier übernachtet. So gönnen wir uns drei Burger, die durchaus gut schmecken, Kochen kann der Koch also.

Eine Runde Bier vergessen sie zu berechnen. Wir nehmen das mal als Entschuldigung für das etwas misslungene Einchecken. Ein abendlicher Blick auf den See beschließt die Runde.

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Ich bin ziemlich KO. 260 km heute über kleine und kleinste Sträßchen zumeist waren trotz ja fast selbstfahrender GS kein Pappenstiel. Es nagen immer noch Zweifel ob ich die Tour überhaupt schaffe an mir.

Jetzt wird aber erst einmal geschlafen und versucht die verlorenen Energien wieder etwas aufzubauen.
 
Da ich gestern schon um 10 eingeschlafen bin, werde ich natürlich heute um 5.00 Uhr wieder wach. Mehr wie 7 Stunden sind einfach nicht mehr drin. Gut das ich mir ein Buch mitgenommen habe. Um halb acht gibt es (endlich) Frühstück. Bis hin zum Lachs alles da. Und ordentlich Auswahl. Nur das Brot…. Aber das wird uns wohl die nächsten drei Wochen verfolgen. So lecker Baguette in all seinen Formen ist, und so gerne ich richtige Croissants genieße, ab und zu ein etwas herzhafteres Brot wäre auch nicht schlecht.

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Wer allerdings die ganzen Eier essen soll erschließt sich mit nicht.

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So groß war das Hotel jetzt auch nicht.

Um kurz nach neun sitzen wir auf den Motorrädern und freuen uns auf den nächsten Tourabschnitt. Ein kleines Stück vor dem Col de Landoz Neuve queren wir zum x-ten Mal seit gestern eine Landesgrenze, ohne dass das in irgendeiner Art und Weise merkbar ist. Schön. Danach geht’s rechts ab auf die erste Route Forrestiere. Zwar noch asphaltiert aber mit einer dicken Lage fiesen Rollsplitts versehen, die erste wirkliche Herausforderung. Zumindest ich eiere ganz schön durch den Wald und bin froh als wir wieder auf die „Hauptstraße“ kommen.

Das wir nur ein paar Meter oberhalb der Doubs-Quelle vorbeifahren hatte ich ganz aus den Augen verloren. Die paar Meter zu Fuß hätten sich vielleicht gelohnt. So gibt es kurz drauf ein Foto ländlicher Idylle.

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In Morbier fährt Rainer anders als mein Navi anzeigt. Da er aber den Track mitlaufen hat, muss er wohl recht haben und mein Navi trotz Neuberechnung aus, Mist berechnet haben. So entgeht uns wenigstens dieses geniale Stück D25 hoch nach Premanon nicht. Ich denke das hat zumindest einen Millimeter mehr seitliche Reifennutzung gebracht. ;)

Das allerdings angestrebte erste kurze Stück TET für heute kurz vor Premanon war leider gesperrt.

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Weiter geht’s über die teils einspurige D 304 Richtung erster Kaffeestopp. Den absolvieren wir allerdings in einer schönen Aussichtskurve etwas oberhalb.

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Da unten irgendwo wäre unser Café gewesen.

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Schnuckeliges Sträßchen den Berg hinunter und was zum Heizen auf der anderen Seite wieder hoch.

Dann folgt das erste Stück fahrbarer TET für heute. Zunächst ein einspuriges Wegelchen mit löchrigem Asphalt bergauf,

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folgt dann ein guter Waldweg. Zum Einfahren und Eingewöhnen genau das richtige. Auch wenn wir gestern und heute kaum Motorradfahrer gesehen haben, hier kommt uns eine Clique entgegen. An einem Holzstapel muss ich dringend einige Dokumentationsfotos machen.

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Unsere Kaffeepause verbringen wir im Hotel Marinet in Vouvray. Die eingeplante Parkbesichtigung in Vouvray vergesse ich einfach. Alterserscheinungen.

Das folgende kleine Stück TET wird wegen Gesperrt-Schild geschlabbert. Ja der diesjährige Tourguide ist korrekter als derjenige der letzten Jahre. 👍

Seit Vouvray folgen wir mit etwas Abstand der Rhone. Da Rainer sich für alte Brücken interessiert habe ich einen Abstecher runter nach Seyssel eingeplant zu einer sehr schönen alten Hängebrücke.

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Allerdings ist es mittlerweile richtig warm geworden. Die GS zeigt 303,65 Kelvin an. Wir haben zwar erst Anfang September, aber damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Mittleres Schwitzen ist angesagt. Zumal die DANE-Kombi nicht ganz so gut durchlüftet wie die KLIM-Sachen. Die waren allerdings wegen eingelaufener Hose nicht verwendbar.

Wahrscheinlich wegen der Wärme entpuppt sich Rewert als klassischer Schattenparker.

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Das nächste Highlight ist die Straße oberhalb des Lac La Leysse. Zweispurig, gut zu fahren und mit teilweise überragender Aussicht gesegnet.

Beim zweiten Fotostopp auf der Aussichtsterrasse in Grumeau bemerke ich, dass sich die vordere Befestigung vom Tankrucksack gelöst hat. Nach gefühlt einer Stunde Fummelei stelle ich die vergeblichen Versuche das wieder um den Lenkkopf zu befestigen schweißgebadet ein, nutze die Lenkerklemmböcke und mache ein paar Fotos. Schöner Blick auf die Abbatiale d’Hautecombe. Der Tankrucksack wird auf die kühleren Abendstunden verschoben.

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Der eigentlich geplante Weg zum Fuß des Mont Chat ist gesperrt. Rainer findet aber einen anderen bevor uns der Moloch von Chambery verschlingen kann. Es empfängt uns eine richtige geile Kurvenstrecke hoch zum Relais du Mont Chat an dem wir uns noch ein Eis zur Abkühlung gönnen.

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Aussicht gibt’s hier oben auch reichlich. Bei klarem Wetter bis zum Mont Blanc.

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Die Motorräder haben Gesellschaft von einer Affentwin und einer moderneren GS, die für unseren Geschmack allerdings viel zu sauber sind. (Lachsmiley)

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Auf der Abfahrt queren wir noch den Col de Provinces und den Pas du Liévre. So langsam wird mir das gekurvese allerdings ein wenig viel. Die fehlende Fitness macht sich bemerkbar. Hätte ich doch mal die Direttissima ins Tal gewählt.

Noch kurz am Lac d’Aiguebelette entlang dann sind wir der Übernachtung nahe. Die zu finden stellt sich als anspruchsvoller als gedacht heraus. Garmin hat die Adresse nicht vernünftig bearbeitet und lässt uns ein wenig in der Pampa herumstehen. Eine Runde um den Block bringt es auch nicht. Allerdings haben R + R mit Hilfe von Tante Google herausgefunden, dass unser Quartier das letzte Haus oben am Hang ist. Nix wie hinauf. Es sieht zwar zweimal so aus, als ob wir geradewegs in eine Haustür reindonnern, es geht aber jedes Mal links oder rechts weiter. Wir sind froh als wir da sind.

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Es ist sehr schön hier oben, allerdings ohne Möglichkeit zum Abendessen. Getränke hätte sie schon, Essen leider nicht. Die Motorräder stehen jedenfalls schon mal überdacht. Ist ja auch was wert.

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Essen fahren oder was holen? Die beiden Tour-Methusaleme beschließen einstimmig, dass der Tour-Benjamin was holen soll. Während Rewert sich zum „plündern“ des HyperU in Pont de Beauvoisin aufgemacht hat beobachten Rainer und ich das Wettergeschehen und genießen ein wenig die Aussicht.

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Tatsächlich schafft es unser Benjamin auch wieder trocken zurückzukommen. Unsere Wirtin richtet uns derweil hinterm Haus, nachdem wir halbwegs sicher waren trocken zu bleiben, den Tisch her.

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Rewert bringt Baguette und mehrere Salatboxen und Brownies zum Dessert mit. Die Chefin steuert einen herrlichen Rose aus der Gamay-Traube für Rainer und mich, sowie den üblichen Hopfenblütentee für Rewert bei. Wir sitzen bis zum Dunkelwerden draußen.

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Den zweiten Tag in Folge, an dem wir die Route nicht wie geplant abgefahren haben. Es setzt sich nahtlos aus den Vorjahren fort. 259 km heute.

Rein subjektiv gefühlt geht es mir etwas besser. Objektiv messbar ist es nicht.
 
Der innere Wecker funktioniert immer noch vorzüglich, 05.50 Uhr. Da hat der echte auch immer geklingelt.

Gestern war ich zu faul Tagebuch zu führen, das muss jetzt nachgeholt werden. So geht die Zeit bis zum Frühstück ruck zuck rum. Wie die letzten beiden Tage bekommen wir ein schönes und umfangreiches für uns drei.

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Das Stückchen TET, welches wir kurz nach unserem Aufbruch fahren wollen, führt durch einen Bauernhof und ist abgesperrt. Da sind wohl jemand die Motorräder zu viel geworden.

In Entre-deux-Guiers wird es hoch Zeit zum Tanken. Die Restreichweite ist knapp vor den einstelligen Zahlen angekommen. In der anschließenden, sehr schönen Gorges du Guiers Mort finden wir eine Brücke für ein paar Fotos. Lediglich blauer Himmel fehlt. Aber die Wettervorhersage für heute und morgen ist nicht wirklich prickelnd.

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Auf der Straße über den Col de Porte-en-Chartreuse war ein wahrer Bitumenkünstler am Werk. Das sieht aus wie das wirre Gekrakel eines modernen Malers und ist bei leichter Nässe nicht ganz ungefährlich. Trotz bester Kurven erscheint uns hier eine vorsichtigere Fahrweise angebracht.

Dafür ist dank des ungeeigneten Wetters das einspurige Wegelchen hoch zum Fort du Saint-Eynard völlig verkehrsfrei. Die Aussicht auf Grenoble ist toll. Bei besserem Wetter wäre sie grandios.

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Rein kommen wir allerdings nicht, alles verschlossen.

Das nach der Abfahrt sich anschließende kleine Stückchen TET lassen wir wegen ziemlicher Unbefahrbarkeit rechts liegen und rollen auf der Hauptstraße ins Tal der Isère. Leider schaffen wir es nicht auf die Umgehungsstraße und quälen uns durch die Innenstadt von Saint-Egrève. Unzählige Ampeln von denen jede zweite auf Rot geschaltet ist. Die Verkehrsverlangsamung funktioniert. Wieviel hunderte oder tausende Tonnen CO² dadurch unnütz in die Luft geblasen werden, interessiert dann wohl auch keinen Grünen mehr. :mad:

Irgendwann schaffen wir es doch noch auf die andere Flußseite und trödeln hinter einer LKW-Schlange in Richtung Vercors. Wegen ziemlichen Gegenverkehrs dauert es lange bis wir endlich vorbei sind. Die gesamten schönen Kurven umsonst eingeplant. 🤬

In Villard-de-Lans wird endlich mal einer der vorgeplanten Kaffeepunkte angefahren…..und hat zu.

Bei leichtem Tröpfeln parken wir vorschriftsmäßig am Marktplatz auf den Motoparkplätzen und suchen uns ein anderes.

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Beim ersten angesteuerten gibt uns der Patron zu verstehen, dass er jetzt nur Gäste zum Essen haben möchte. Der Laden einschl. Terrasse ist leer. Direkt nebenan bekommen wir selbstverständlich auch NUR einen Kaffee. Der Laden ist rappelvoll. Man kann sich auch selbst im Weg stehen.

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Die folgende Gorges de la Boume sollte ein kleines Highlight der Tour werden, weil wir 2018 wegen Bauarbeiten daran gescheitert waren. Bei tiefhängenden Wolken bleibt die Schönheit der Schlucht etwas auf der Strecke.

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Ja ich weiß, es gibt schon hunderttausende Fotos von der Ecke. Ich finde sie trotzdem beeindruckend.

Über ein kleines Wegelchen kommen wir zur Auffahrt auf die andere Talseite der Combe Laval.

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Je höher wir kommen, desto nebliger und damit auch nasser wird es. Schietwetter. Bei Trockenheit hätte man hier schön hochheizen können. Am Col de la Machine beschließen wir die Schleife über die Route de Combe Laval auszulassen. Im Nebel bzw. Wolken macht das nun überhaupt keinen Spaß mehr. Bisher war mir ja immer die Sonne hold, heute bekomme ich mal das andere Ende des Wetters zu spüren.

In leichtem Regen folgen wir nun der D76 und der D199 zum Col de la Portette und weiter zum Aussichtspunkt Belvédère du Pas de l’Aubasse. Wir freuen uns so über die Aussicht, dass Rainer gleich weitergefahren ist.

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Es geht über mehrere kleine Pässe von denen ich noch nie gehört habe. Die Straßen haben gerade Autobreite. Es macht Spaß ist aber auch nicht unanstrengend.

Den musste ich unbedingt auf das imaginäre Zelluloid bannen.

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Jetzt weiß ich endlich wo der römische Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase seinen Sitz hat. Aber allzu hoch sitzt er nicht.

Vor dem Abzweig zum letzten Stück TET heute beratschlagen wir kurz. Es sieht zwar halbwegs ordentlich aus, soweit wir sehen können, aber den etwas lahmen Äußerungen, meine eigene eingeschlossen, ist zu entnehmen, dass keiner mehr so richtig Lust dazu hat. Der Tag war lang, nicht ganz so easy, wir nehmen einen kleinen Umweg über den 735 Meter hohen Col de Valouse.

Die Auffahrt zur Auberge bietet dann nochmal alles auf einschl. kindskopfgroßes Rundpflaster zum Schluß.

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Das Haus, an welches uns Garmin führt, sieht so gar nicht nach Herberge aus. Obwohl es hier oben nur ein paar Häuser gibt, irren wir etwas herum. Rainer findet, mal wieder dank Tante Google, die Auberge Les Colombes.

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Der Patron hat uns schon herumfahren gehört und grinst sich einen. Der Auberge-Schriftzug ist allerdings auch nicht zu lesen wenn man rechts den auf dem Bild nicht sichtbaren Weg heraufkommt.

Da das gegenüberliegende Restaurant geschlossen hat, fragen wir ob er uns noch etwas zu essen machen könnte. Er überlegt kurz und sagt dann, nur eine Kleinigkeit aus dem was er gerade noch da hat. OK, Hauptsache wir müssen nicht mehr fahren. Die ganze Konversation läuft in einem Mix aus deutsch und englisch. Er hat in der Schule mal Deutsch gelernt, sei aber lange her. Jedenfalls spricht er mehr und besser Deutsch als wir Französisch.

Die Betten haben Moskitonetze. Scheint hier notwendig zu sein. Wir packen aus und schauen uns um.

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Wir entdecken das Schwimmbad und beschließen trotz des etwas trüben Wetters noch eine Runde Schwimmen zu gehen.

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Danach werden wir auf der Terrasse mit einem richtig leckeren Craft-Bier aus einer lokalen Brauerei verwöhnt.

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Die Kleinigkeit zum Abendessen ist ein veritables 4-Gänge Menü. Das Bier gibt es in 0,75 l Flaschen. Nach der dritten gemeinsam geleerten kapitulieren wir für heute. 40 Euro hat uns der Spaß pro Nase gekostet. Im wahren Sinne des Wortes preiswert.

Mit Muskelkater, damit hatte ich schon gerechnet das der irgendwann kommt, sinke ich ins Bett. Auf der Fitnessskala von 1 – 10 fühle ich mich mittlerweile bei -2 angekommen.

Heute hat das XT zum ersten Mal rumgezickt. Erst hinter dem Col de la Bataille gibt es Entfernungsabbiegehinweise.

270 spannende Kilometer waren es heute.
 
Wie üblich ist kurz vor 6 Ende der Nacht. Der Muskelkater von gestern Abend hat sich schon weitgehend verzogen und ich fühle mich subjektiv wieder ein kleines Stück besser. Die Wettervorhersage für heute war nicht so prickelnd. Der Blick nach draußen bestätigt das. Leider.

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Wie schon gestern Abend das Essen (war falls ich das noch nicht erwähnt habe hervorragend, auch die Sausage) gibt es heute Morgen ein veganes Frühstück. Auch das war lecker. Ich brauch eh nicht unbedingt Wurst und Käse zum Frühstück.

Als erstes steht heute ein Stück TET auf dem Plan. Ein feiner Weg hoch zum Col des Lantons. Die Unwetter der letzten Wochen hat allerdings auch ihm streckenweise zugesetzt.

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Während eines der obligatorischen Fotostopps überholt uns eine (wahrscheinlich geführte) Gruppe Franzosen. Einige schienen mir nicht besonders sicher auf dem Motorrad und dem Untergrund zu sein.

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Ausnahmsweise mal ein wenig aus dem Foto „herausgeholt“ um der eigentlich sehr schönen Ecke etwas gerechter zu werden.

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Seit ewigen Zeiten fehlen mir zwei bedeutende Punkte in den französischen Alpen, die Gorges du Verdon und der Mont Ventoux. An der Gorges scheiterte ich bei der Planung zum dritten Mal, liegt einfach zu weit außerhalb der Richtung. Aber den Mont Ventoux konnte ich mit einer kleinen Schleife einbinden.

So düsen wir auf kleinen Sträßchen über den Col de Peyruergue und den Col d’Aulan in Richtung Mont Ventoux. In einer kleinen Schlucht schnell noch ein paar Bilder gemacht.

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Die eingeplante Tankstelle in Montbrun-les-Bains kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Fässer sind ziemlich leer. Weit wären wir nicht mehr gekommen. Auch wenn bei 0 Kilometer Restreichweite noch nicht Schluss ist.

Über eine kleine Abkürzung erreichen wir die Route du Ventoux. Und schon naht das Unheil. Horden von niederländischen Läufern und Wanderern blockieren teilweise die Straße. Dazu noch Anfeuerungsmannschaften in Autos, die das Chaos komplett machen. Wie kann man nur auf so einer Straße wandern. Und dann auch noch rechts. Die sind völlig beklo…..

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Als uns drei Autos längere Zeit blockieren, steigt so langsam mein ohnehin nicht niedriger Blutdruck in Höhen, die dringend abgebaut werden müssen. Als sich der Hauch einer klitzekleinen Chance zum Überholen auftut, tut es mir zwar für unseren Tourguide leid, aber die GS kriegt ordentlich die Sporen und ich bin weg. Da die drei Autos so ziemlich alles für längere Zeit aufgehalten haben und langsam nur noch ein paar Läufer auf der Straße sind, stellt sich auch noch so etwas wie leichter Genuss ein.

Ziemlich weit oben warte ich auf Rainer und Rewert, kurz drauf ergibt sich eine schöne Fotogelegenheit. Trotz der vielen Wolken.

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Als wir heute Morgen losgefahren sind, waren es angenehmen 16,5° Celsius. Am Gipfel des Mont Ventoux sind wir in den Wolken und es hat gerade mal 8° noch. Im kurzen Polo wird es dann doch etwas schattig.

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Die eigentlich hier oben geplante Kaffeepause mit Aussicht wird gecancelt. Wir verziehen uns in wärmere Gefilde talwärts.

So kurz unter den Nebel-/Wolkendecke ergibt sich nochmal die Gelegenheit für ein paar interessante Fotos.

Einmal mit

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und einmal ohne Motorrad.

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Im Malaucène holen wir die Pause nach. Generell scheint sich auf dieser Tour die Einpausenstrategie durchzusetzen, im Gegensatz zu den letzten Jahren.

Wir kommen in der Le Bar du Cours unter wo wir uns Cappucino, Grande Creme, Panini (ja das gibt’s mittlerweile wohl auch in Frankreich), ein klassisches Sandwich Fromage und ein Schokotörtchen schmecken lassen.

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Dabei haben wir uns bewusst in die pralle Sonne gesetzt um etwas Wärme zu tanken nach dem frostigen Ventoux.

Es gibt immer wieder interessante Ausblicke. Manchmal könnte man alle 100 Meter wieder anhalten und fotografieren. Aber ein wenig Motorradfahren wollen wir ja auch noch.

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Bevor es auf das nächste Stück TET geht nehmen wir noch den Col de Vaillant mit.

Das Flüsschen, das wir dabei auf einer schmalen Steinbrücke queren, ist trotz der Unwetter der vergangenen Zeit ziemlich trocken.

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Noch etwas durch die sich langsam ausbreitenden Weinberge oder besser Weinfelder,

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Dann folgt das Stück TET welches etwas anspruchsvoller als die Letzten ist, aber immer noch gut fahrbar. Es liegt allerdings eine größere Auswahl an Kieseln jedweder Art im Weg herum. Die Mitas meistern das aber mit Bravour.

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Kurze Orientierungslosigkeit an dem Abzweig, weil es keinen Hinweis gibt, welche Strecke wir wählen sollen. Verführerischer wäre der linke Weg gewesen.

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Ich muss tatsächlich mal stehend durch die Löcher fahren. Geht aber trotz doch vorhandener körperlicher Schwäche schon. Was so drei Tage Motorradfahren schon ausmachen.

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Abwärts kommt irgendwann wieder Asphalt und ein fast idyllischer Ausblick.

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Das war ein letzter Blick auf die provenzalischen Alpen bevor es ins Rhonetal und auf deren andere Seite in die Cevennen geht.

Während der Planungsphase bin ich bei dem Versuch sowohl Orange wir auch Avignon zu umgehen über einen der bekanntesten französischen Weinorte gestolpert. Klar das der in die Route eingebunden werden muss.

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Der Ortskern ist schön und überall wird Degustation angeboten. Allein meine beiden Mitfahrer verweigern jegliche Weinprobe. Latürnich.

In Saint-Laurent-des-Arbres erwartet uns das völlige Verkehrschaos. Mehrere Sattelzüge, die sich aus verschiedenen Richtungen durch eine zu schmale Ortsdurchfahrt und über eine zu enge Kreuzung quälen. Rainers Versuch über den Bürgersteig an dem Chaos vorbei zu kommen, scheitert an zwei Sperrpfosten. Mit Koffern kein Durchkommen. Ergo Warten bis sich das irgendwann alleine auflöst.

Kurz drauf ist eine P-Pause fällig. Faszinierend hier finde ich die sehr unterschiedlichen Kultivierungsarten der Weinstöcke. Hier dann ein letzter Blick zurück Richtung Mont Ventoux, auf dem jetzt wohl auch die Sonne scheint.

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Ein Blick auf die Uhr beschuldigt uns der, allerdings von uns unbemerkten, Trödelei. Wir hätten noch eine letzte Schleife mit einem Stück TET bis zur Übernachtungsstätte. Einstimmig wird beschlossen sich diese zu schenken und direkt zur Unterkunft zu fahren.

In Uzès erwartet uns ebenfalls ein leichtes Verkehrschaos auf der Ringstraße um die Altstadt herum. Um dem zu entfliehen biegen wir einmal falsch ab und brauchen eine Weile um wieder in die richtige Richtung zu kommen.

An der Magnanerie de Sainte Croix werden wir von zwei wütend bellenden Hunden begrüßt. Na, das kann ja was werden.

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Aufs klingeln hin meldet sich die Chefin des Hauses per Handy, sie wäre leider etwas spät und käme in ca. 5 Minuten. Das passt. Als Herrin und Herrchen da sind, sind auch die beiden Kläffer sofort beruhigt und gehen gut mit uns um. Die Chefin spricht gutes Deutsch, lässt sich aber später nicht mehr sehen. Vielleicht hat Sie doch so keine richtige Lust dazu. Mit ihm verständigen wir uns gut auf Englisch.

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Das eigentlich nebenan liegende Restaurant hat schon lange zu. Manchmal taugt Google halt in der Wurzel nicht. Bei allen anderen in der Nähe müssten wir hinfahren und Tische gäbe es nur auf Vorbestellung. Ja, das hätten wir mal früher wissen sollen. Irgendwie scheint die Kalorienversorgung auf dieser Tour zum Problem zu werden.

Aber Rainer und Rewert erklären sich bereit zum nächsten Supermarkt zu fahren und was einzukaufen. Ich werde mal wieder geschont.

Als die beiden wieder da sind habe ich schon geduscht. Um meine Ressourcen zu schonen verzichte ich auf die Nutzung des Schwimmbades und richte an der dort gelegenen Hütte mit Sitzecke das Essen her.

Da es einen Kühlschrank gibt könne wir das mitgebrachte äußerst leckere Leffe noch etwas kühlen.

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Zwischenzeitlich kommt der Chef und fragt ob er die Schwimmbadabdeckung schließen könnte, Selbstverständlich.

Als es langsam dunkel wird beschließen wir unsere gemütliche Runde. Auf das Einschalten des Lichts habe ich aufgrund der wassergekühlten Lampe vorsichtshalber verzichtet.

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Warmes Brot und Croissants, selbstgemachte Marmeladen und Lavendelhonig, der auch so riecht, und und…. Ein fast königliches Frühstück.

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Das große und weiträumige Haus ist in Teilen schon mehrere hundert Jahre alt. Lt. den Besitzern sollen an der Stelle hier schon die Römer gesiedelt haben. Jedenfalls ist es sehr liebevoll restauriert worden. Mit gutem Blick für die Dinge, die man im Ursprungszustand belässt.

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Ein schöner Morgen erwartet uns draussen.

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Wir werden sehr nett und geschäftstüchtig verabschiedet. Wir könnten ja auf der Rückfahrt wieder hier übernachten. Ja, würden wir zwar gerne machen, weil es sehr sehr schön hier ist, aber leider verläuft unsere Route weiter westlich.

Kurz nach dem Start steht die Querung des Gardon an. Das sieht so klasse aus, dass ich einfach einen Fotostopp auf der Brücke einlegen muss. Das erste Kalenderfoto fürs nächste Jahr ist gemacht.

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Ab und an muss ja ein wenig Kultur sein. Heute sollte es technische Kultur geben. Die Museumseisenbach in Anduze steht auf dem Programm. Nur ist am Bahnhof leider so gar nichts von einem Zug, Lok oder Waggon zu sehen. Schade.

Dafür verpassen wir eine Kurve und stehen dann vor einem ganz bösen Schild.

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Mit einiger Überredungskunst überzeuge ich unseren Tourguide davon, dass wir auf der kurzen Strecke bis zur Hauptstraße das einfach mal ignorieren sollten.

Wenn man sich den Straßenverlauf und vor allem die Breite anschaut, kann man das Schild allerdings nachvollziehen.

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Die ersten Hügel der Cevennen finde ich eher langweilig. Auch die gewählte Strecke ist nicht besonders knackig, es geht halt so.

Heute ist sowas wie Brückentag. Wir queren mehrere kleine Flüsschen auf den unterschiedlichsten Konstruktionen. Hier wird dann die aufgrund der Diuretika dringend notwendige P-Pause eingelegt.

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Auch wenn die Route bisher landschaftlich nicht gerade überragend war, die kleinen Sträßchen haben es teilweise in sich. Wie eben schon wird es auch hier mal wieder eng.

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Weil irgendwo bei der Recherche für die Tour als sehenswert eingestuft habe ich für unseren Brückenliebhaber die Pont-de-Saint-Etienne-d’Issansac eingefügt. Als wir ankommen sind schon ein paar Leute am Staunen und fotografieren.

Rewert lichtet zwei ältere Radlerinnen mit deren Handys ab.

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Daraus entspinnt sich ein netter Plausch da, die kleinere von beiden, perfektes Deutsch spricht und sich auch nicht zu schade dafür ist damit zu parlieren.

So kommen wir noch zu einem Gruppenfoto auf der Brücke.

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Da hätte ich doch wohl mal besser den Helm vorher abnehmen sollen. :rolleyes:

Die Strecke über den Col de Lavagnes ist ein hübsches einspuriges Sträßchen mit jeder Menge Aussichts- und Fotopunkten.

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Gestern hatten wir mit der angekündigten Regenfront Glück. Die war schon nachts durchgezogen. Heute sieht es etwas schlechter aus. Lt. Wetterradarvorhersage wird uns das wohl voll treffen. Und es kündigt sich so langsam an. Eigentlich hätte der Weg strahlenden Sonnenschein verdient.

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Ein wenig können wir auch noch ins Rhonedelta hineinsehen, aber richtige Fernsicht ist etwas anderes.

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Den anschließenden Aussichtspunkt lassen wir mangels derselben rechts liegen.

Über ein Wegelchen, welches noch nicht mal eine Nummer hat, erreichen wir eine sehenswerte kleine Schlucht.

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Was Wasser so alles bewirken kann! Da es hier ja so gut wie keine Weinberge, sondern fast nur Weinfelder gibt, kann man auch mit den Vollerntern arbeiten. Das wäre in Deutschland an vielen Stellen unmöglich. Daher stehen sie einem auch manchmal auf den Straßen im Weg herum.

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Gegenüber Rainer gehe ich mit Verkehrsschildern ja manchmal eher etwas sorglos um. Ich vermute mal, dass das irgendwas mit Wasser/Überflutung oder so zu tun hat und überzeuge ihn sich das doch wenigstens mal anzuschauen, bevor wir den ganzen Weg am See entlang wieder zurückfahren. Das Stückchen TET juckt mich halt in den Fingern. Außerdem sind die Wolken mit beginnender Inkontinenz gesegnet. Jeder Umweg macht nur noch nässer.

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Die Überflutung hält sich noch in Grenzen. Das macht eher Spaß.

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Ein paar Meter später machen wir in Salasc Mittagspause. Alle anderen sind am Essen, wir bekommen für den obligatorischen Kaffee den einzigen freien Tisch freigeräumt. Auch hier funktioniert das anstandslos und wir werden sehr nett bedient. Apropos bedient, die Bedienung hat das Motto ‚Sex sells‘ wohl verinnerlicht. Als Sie mir den Kaffee serviert muss ich höllisch aufpassen nicht in den beeindruckenden Ausschnitt zu fallen. Man oh Mann. Fotos habe ich mich nicht getraut. 🫣

An der Tankstelle in Faugeres wird aus dem leichten Getröpfel eine größere Inkontinenz. Unter den Umständen eine unbekannte TET-Strecke zu fahren wollen wir nicht und macht auch keinen Spaß. So kürzen wir über die D909a und die D908 zwei Schleifen ab.

In Saint-Pons-de-Thomieres treffen wir wieder auf die ursprüngliche Route und die Nässe von oben hat aufgehört. Die von unten können wir ab. Außerdem sind wir jetzt ein wenig früh. Wir wollen uns daher die letzte Schleife vorm Hotel und das Stück TET wenigstens mal anschauen.

Erstmal am Abzweig vorbeigerauscht, sieht das gar nicht so schlecht aus. So ein Nebelfoto hat doch auch was.

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Der Weg ist trotz der Nässe gut zu fahren. Wir hatten sogar einmal Gegenverkehr. Die Qualität der Bilder gibt unsere tatsächliche Sicht gut wieder.

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Das Ganze fühlt sich an wie ein verwunschener Märchenwald. Ich rechne jede Sekunde mit Rotkäppchen oder Hänsel und Gretel.

Hier kommt der Tourguide dann etwas ins Grübeln. Das sieht schon ziemlich zugewachsen aus. Angesichts der Verhältnisse entscheiden wir uns dafür den etwas weniger zugewachsenen Weg zu verfolgen. Irgendwie kommen wir schon aus dem Wald raus.

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Der Weg ist zwar gut, aber um nicht auf dem nassen Gras in der Mitte fahren zu müssen, bekommen wir immer wieder rechts und links ein paar um die Ohren. Meine Kamera sammelt daher auch etwas Farn ein.

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Irgendwo muss hier auch noch jemand wohnen, weil wir von einer ganzen Horde Mischlingshunde ordentlich verbellt werden. Kurz danach erreichen wir mit der D64 wieder festen Boden.

Noch hinunter nach Labastide-Rouairoux um in unser kleines Paradies zu gelangen. Die Übernachtung ist in der Residence le Petit Paradis gebucht. Und als solches entpuppt sie sich auch.

Am Eisentor klingeln wir und nach kurzer Wartezeit tut sich wie von Geisterhand das Tor auf.

Es empfängt uns ein sehr freundliches und zugewandtes belgisch/niederländisches Ehepaar, welches gut (Sie) und sehr gut (Er) deutsch spricht. Welche Wohltat für uns „Sprachgenies“.

Die Motorräder kommen sogleich in die Garage.

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Der dämlich grinsende links bin ich.

Von außen sieht die Residence, die Teil einer ehemaligen Textilfabrik ist, eher unscheinbar aus.

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Die Sitzecke wird gleich für unser Ankomm-Bier zurecht gemacht.

Innen ist das Haus jedoch von exquisiter Einrichtung.

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Mein Zimmer ist ebenso wie das Bad groß und sehr schön. Das Bad hat Dusche und Badewanne. Die werde ich mir nachher mal gönnen.

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Essen gibt es um acht. Der Chef kocht persönlich ein leckeres Drei-Gänge-Menü. Mit uns am Tisch sitzen noch vier Radfahrer älterer Provenienz. Entweder Wallonen oder Franzosen.

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Rainer und ich gönnen uns mal wieder ein leckeres Weinchen. Um kurz nach zehn ist der Abend zu Ende. Das Bett ruft ziemlich laut.

Genau 222 Kilometer haben wir heute geschafft.
 
Ich habe schlecht geschlafen. Trotz Medikamenten hat mich heute Nacht das Leiden alter Männer erwischt, jede Stunde zur Toilette. (Smiley)

Dementsprechend sehe ich aus und fühle mich auch so wie ich aussehe. Nach dem leckeren Frühstück nimmt mich die Wirtin beiseite und meint, ich sähe aber gar nicht gut aus. Ob ich nicht hierbleiben wolle. Innerlich muss ich grinsen, hatte ich ja auch schon festgestellt.

Das geht leider nicht, das nächste Hotel ist schon gebucht. Glücklicherweise muss ich dieses Jahr nur hinterherfahren. Der Tourguidestress entfällt zwar, aber es gab auch schon bessere Tage. Ich bin froh als wir auf den Motorrädern sitzen.

Es folgt die nahtlose Fortsetzung des gestrigen Spätnachmittags, wolkentechnisch gesehen. Grimms Märchen lassen schon wieder grüßen.

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Nach vielen kleinen und ein paar Meter größeren Straßen steht die erste Diuretika-Pause an. Nachdem es eben im Nebel bzw. Wolken noch richtig kalt war, zeigt das Thermometer in der GS mittlerweile schon 24,5° Celsius an.

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Das nächste Stück TET besteht aus brüchigem Asphalt mit Gras und viel Split.

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Sowas ist oft schlechter zu fahren als eine Naturpiste. Zumindest für die obere Hälfte des Motorrades, die untere macht sich darüber keine Sorgen. Die kann das.

Immer wieder kommen wir durch schöne Alleen.

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Und dann gibt es heute mal richtig Kultur. Am Rand der Route liegt Carcassonne. Da ist ein kleiner Abstecher erste Touristenpflicht.

Nachdem Rainer die zweite rote Ampel für die Tour überfährt, parken wir auf einem großen Platz vor der Zitadelle. Der ist zwar mit Pfosten abgesperrt. Die sind aber trotz Koffer kein Hindernis für uns.

Dann begeben wir uns in das Getümmel.

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Es ist gar nicht so einfach bei dem Touristenrummel mal ein ruhiges Fotoplätzchen zu finden.

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Kurz bewundern wir noch eine historische Gauklervorführung.

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Dann traben wir in die Innenstadt. Enge Gässchen, viele Menschen und beginnende Hitze sind in Motorradklamotten kein besonders schöner Spaziergang.

Als wir uns vor der inneren Burg ein wenig ausruhen nervt mich ein Generation-Z-Pärchen. Die sind wirklich alleine auf der Welt. Bis ich das Foto machen konnte, haben die mindestens 5 Minuten rumgeklüngelt anstatt mal Platz zu machen. In ihrer Selbstverliebtheit kriegen die gar nix mit von dem was um sie rum los ist.

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So, genug gelästert, irgendwann komme ich dann doch noch zu meinem Foto ohne menschlichen Vordergrund.

Der Rundgang hat zumindest mich etwas ins schwitzen gebracht. Ich bin daher froh als endlich wieder ein wenig Fahrtwind zur Kühlung da ist. Allerdings nicht lange, dann ist in Lagrasse im Cafe de la Promenade an derselbigen Kaffeepause. Für die bessere Innenkühlung gibt es Solero, Magnum und Cornetto.

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Wir gleiten nun durch die Hügellandschaft des Corbières. Unsere Wege sind entweder gesäumt von Weinfeldern oder von etwas macchiaartigem. Fast alles an Bächen oder Flüsschen ist ausgetrocknet. An Wegen ist alles dabei.

Von schnellen, gut zu fahrenden Abschnitten

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Bis zu sowas ähnlichem wie Trampelpfaden.

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Den einen oder anderen Fotostopp gibt es auch noch.

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Beim letzten Stopp grüßt vom Hügel nebenan eine der alten Katharerburgen. Tja, Religion kann schon verheerend sein.

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Wir genießen es wenigstens zu versuchen die letzte Reihe Nippel auf den Reifen auch noch wegzuschubbern. Andererseits, wenn ich ehrlich bin und mir das nüchtern anschaue, liege ich wahrscheinlich schön waagerecht auf der Nase um daran zu kommen.

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Jedenfalls macht Rainer vorne auf den gut zu fahrenden Abschnitten etwas Tempo. Und ich muss hinterher. Das leichte Unwohlsein von heute Morgen hat sich wohl verflüchtigt. Jedenfalls denke ich gerade nicht mehr daran.

Ich plane solche Touren ja grundsätzlich in BC unter der Option kürzere Strecke. Manchmal kommt dabei interessantes heraus.

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Auch wenn das wie eine Hofeinfahrt aussieht, es geht weiter.

Irgendwann beschließen wir die Tour abzubrechen und auf dem schnellstens Wege ins Hotel kurz hinter der spanischen Grenze zu fahren. Obwohl wir drei das gleiche Navigationsgerät, ein Garmin Zumo XT, die gleiche Karte, OSM FRA+ und die gleichen Planungsvorgaben haben, gibt es unterschiedliche Routenvorschläge.

Da mein Navi ungefähr 30 Kilometer weniger fahren will, darf ich von nun an vorausfahren.

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Der letzte Berg/Hügel vor der Ebene.

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Sieht aus der ferne fast noch beeindruckender aus als aus der Nähe.

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Die Straße macht einfach Spaß zu fahren.

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Es geht zügig Richtung Perpignan. Hier erweist sich „kürzere Strecke“ ausnahmsweise mal als eklatanter Nachteil. Anstatt außen rum müssen wir fast mitten durch die Stadt im Berufsverkehr. Das hätte ich besser machen können.

Dazu kommt noch, dass es mittlerweile entweder 34,5° C (Rainers und meine GS) oder 35° C (Rewert, der immer ein bis ein halbes Grad mehr hat) heiß ist. Zum Glück weht vom Mittelmeer her ein ordentlicher Wind, so dass sich das noch erträglich anfühlt.

Irgendwann sind wir auch aus dem Stadtmoloch raus und begeben uns sehr zügig Richtung Küste.

Die Küstenstraße ist zwar der Knaller aber leider auch mit jeder Menge Verkehr gesegnet. Aber schee is trotzdem.

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Da wir uns mittlerweile wieder auf der Originalroute befinden hat Rainer die Führung zurückerobert. Ist auch gut so, denn die Route führt noch über einen kleinen Pass, den ich glatt durch den Tunnel umgangen hätte.

Endlich ist Llanca erreicht. Der Weg zum Hotel gestaltet sich etwas schwierig. Die Straßen sind eng und teilweise Einbahnstraßen. Gegenverkehr macht es nicht besser.

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Das Hotel hat einen kleinen ungeteerten und schrägen Parkplatz auf dem wir mit viel Mühe in einer kleinen freien Ecke noch die drei Motorräder unterbringen. Das Hotel La Goletta sah im Internet etwas zweifelhaft aus, entpuppt sich in Natura jedoch als Kleinod. Nette Rezeptionistinnen, etwas verwinkelt, in den Aufzug passt man mit zwei Kofferinnentaschen so gerade rein, putzig.

Zimmer beziehen, mein Einzelzimmer ist winzig, verfügt aber über ein Doppelbett. Darin Urlaub zu verbringen ist wie der Aufenthalt in einer Gefängniszelle. Für einen Tag geht das. Duschen ist dringend nötig. Die Temperaturen heute waren etwas schweißtreibend.

Dann begeben wir uns auf einen kleinen Rundgang an der Strandpromenade entlang.

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Alle Restaurants an denen wir vorbeikommen habe erst ab 20.00 Uhr geöffnet. Unser touristisch erfahrener Benjamin findet schließlich bei Tante Google eine Pizzeria mit guten Bewertungen, die schon um 19.00 Uhr aufmacht.

Wir sind um fünf vor sieben da. Das Personal trudelt gegen 10 nach so langsam ein. Kurz drauf kommt auch der Besitzer, der uns freundlicherweise sogleich auf Deutsch anspricht. Ja, wir sind in südlichen Gefilden und da sieht man es mit den Uhrzeiten wohl nicht so eng. Da wir alle drei über eine mehr oder weniger große Speckschicht verfügen gehen wir auch nicht sogleich wegen Hungers ein. Wir bekommen zwar einen der Katzentische (direkt an der Tür) weil wir nicht reserviert haben, aber die Pizza und das Bier schmeckt. Da ist alles andere egal.

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Wir genießen auf dem Rückweg die mittlerweile angenehme Wärme die Strandpromenade entlang.

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An der im freien gelegenen Hotelbar nehmen wir noch ein Schlafbier und bewundern deren Dachkonstruktion.

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260 Kilometer war es heute.

Der erste Abschnitt ist geschafft.

Bilder sind von uns allen drei dabei.
 
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Heute kommt der Kernzweck der Tour, der ACT Pyrenees. Ich habe einen gesunden Respekt davor. Keiner weiß wie der Zustand der Wege nach den Unwettern der letzten Zeit ist. Ich bin weit jenseits von völlig fit. Einzig die GS macht sich keine Sorgen. Die kann das alles, egal was kommt. Na denn, auf geht’s.

Frühstück ist umfangreich, das Einzige was fehlt ist deu……. Ach egal. Isst schön.

Frühstückszeit ist ab 08.00 Uhr, eine halbe Stunde später, die uns dann im Tagesablauf fehlt. Deswegen wird aber keine Hektik veranstaltet.

Die Motorräder wieder vom Parkplatz zu bekommen fordert den Einsatz von uns Dreien. Insbesondere für Rainers GS, die ziemlich schräg in der Ecke steht.

Bei leichtem Tröpfeln fahren wir zur Tankstelle. 20 km Restreichweite ist nicht mehr besonders viel.

In Port de la Selva machen wir die ersten Fotos. Der Himmel könnte dafür etwas besser sein.

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Es folgt das erste Desaster der Tour. Besprochen hatten wir gestern Abend uns den Ausflug zum Cap de Creus zu verzichten, da man nicht mehr bis zum eigentlichen Cap fahren darf. So wollten wir schon mal etwas Strecke abkürzen. Allein der langjährige Tourguide kann wieder die Klappe nicht halten und Rainer lässt sich von mir beeinflussen. Er hatte die richtige Route auf dem Navi und ich nicht. So fahren wir weit in Richtung des Caps bevor er zu Recht meckert. Ergo wieder zurück und den richtigen Abzweig genommen.

Top Aussicht und schöne schnelle Kurven. Die Entscheidung fahren oder schauen fällt schwer. Die Kombination funktioniert nicht wirklich. Den Cami del Monastir schenken wir uns wegen der vielen Wanderer, die unterwegs sind. Sonntag halt. Den Blick zum Monastir de Sant Pere de Rodes halte ich trotzdem mal fest.

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Bei Rabòs geht es auf das erste ungeteerte Stück des ACT. Eigentlich gut zu fahren verbirgt er doch ein paar kleine Gemeinheiten.

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Kurz drauf wird mir klar wie es meinen Mitfahrern die vergangenen Jahre so gelegentlich gegangen ist. Ich bin leicht am Träumen als Rainer sich etwas spät entschließt doch abbiegen zu müssen. Uff, das war ganz knapp vor ABS Einsatz bzw. Auffahrunfall.

An der eigentlich eingeplanten Tankstelle an der Autobahn ist die Hölle los. Schlange bis auf selbige zurück. Anscheinend wollen am Sonntag die Hälfte der Franzosen aus dem Departement Pyrénées-Orientales hier kurz hinter der Grenze billiger tanken. Gut das wir das schon heute frühmorgens erledigen mussten.

Der Pantà de Darnius Boadella ist vielleicht noch zur Hälfte gefüllt. Trotz des Regens der vergangenen Wochen kann man die Trockenheit gut sehen. Auf dem schönen Weg den See entlang entdeckt Rainer an dessen Ende eine Brücke. Da müssen wir hin.

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Auf dem Weg dorthin haben wir eine alte Brücke sehen können, die aufgrund des Wasserstandes wieder aufgetaucht ist. Das müssen wir uns ansehen. Rainer läuft den grasigen sehr steilen Abstieg mal runter und verkündet danach, dass wir zwar problemlos darunter kämen, wenn es aber auf der anderen Seite nicht hoch ginge könnte es hier auch zu Problemen führen. Die müssen wir uns so früh am Tag nicht einhandeln. Ergo üben wir uns in Verzicht.

Über den Cami del Moli d‘En Robert verlassen wir den See.

Der scheint relativ neu geschoben worden zu sein, hat aber in ein paar engen Kehren so seine kleinen Tücken. Und vor uns war jemand unterwegs, der vermutlich einen Tremor in der rechten Hand hatte.


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Am Abzweig zum Weg hoch zu den Sendemasten auf dem el Mixer beratschlagen wir kurz. Es ist alles in Wolken. Nur da hoch fahren um des da hoch fahren willens brauchen wir heute nicht. Ich sowieso nicht, weil ich mit meinen Reserven haushalten muss. Meine beiden Betreuer aber anscheinend auch nicht. So beschließen wir in Macanet de Gabrenys eine Kaffeepause einzulegen.

Das zu finden ist nicht ganz so einfach. Wir irren ein wenig zwischen engen Sackgässchen und Hofeinfahrten umher,

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Bis wir beherzt den Sperrpfosten für die Fußgängerzone umfahren und in derselben dann fündig werden.

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Während wir uns im La Placa den Kaffee und das Eis schmecken lassen (3 x Eis 7€, Cafe con Leche 1,50€) kommen mehrere Crosser vorbeigerollt. Die haben die Fußgängerzone respektiert und die Motoren ausgemacht. Mit unseren vollbepackten Kisten wäre das etwas mühsam gewesen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo wir längst geteert und gefedert worden wären, stört sich hier niemand daran.

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Über den Coll dels Horts gelangen wir unbemerkt wieder nach Frankreich. Wir erkennen es erst an den Ortsschildern und den D-Straßenschildern.

Im nächsten Ort biegt Rainer links ab, mein Navi will mal wieder geradeaus. Nach dem Desaster heute Morgen bin ich nun aber still. Der Tourguide gibt die Route vor und wir folgen. Meistens. 🤭

Über den kleinen Col du Sagué nähern wir uns dem nächsten NA-Abschnitt (nicht asphaltiert).

Es geht auf weitgehend gutem Weg lange hoch Richtung Col d’Ares.

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Am Abzweig zur Hauptstraße machen wir eine kleinen Kalorienauffüllpause und plündern Rewerts Vorrat an Red Band Fruchtgummi Lakritz Duos.

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Mir schmerzen die Unterarme. Die stetige Steigung hat doch daran gezerrt. Bin halt nix mehr gewohnt.

Kurz hinterm Col genießen wir das Panorama.

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Ab und zu kommt zwischen den Wolken mittlerweile auch mal die Sonne raus. Wir hätten es schlechter treffen können. Eigentlich ist es nicht mehr so weit bis zum ersten Etappenziel. Wenn ich mir aber Zeit- und Kilometerplanung im Navi anschaue muss da noch irgendetwas längeres kommen. Schotter?

Im Tal biegen wir scharf rechts ab in Richtung des Cami de Setcases a Espinavell. Nach einem guten Kilometer ist Ende der Asphaltdecke und da ist es ja, das vermutete Stück. Auf einem erstklassigen Weg schrauben wir uns langsam in die Höhe.

Weil ich mal wieder irgendwo in der Pampa ein Foto der GS machen muss, warten meine Betreuer etwas weiter.

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Eine schöne, sehr gepflegte Naturstraße mit sehr moderaten Steigungen. Auf den wenigen etwas steileren Stücken sieht man aber auch sofort die Kraft des Wassers.

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Es ist so schön hier, dass wir eigentlich alle 5 Meter zum Fotografieren anhalten können. So entsteht einiges an Fotos.

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Kurz vor der Passhöhe schaffen wir es doch noch in die Wolken.

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Auf der Abfahrt scheint dann schnell wieder die Sonne.

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Bis zur Unterkunft ist es nicht mehr weit. Da entdeckt Rewert eine Bachdurchfahrt. Manchmal könnte man meinen er hätte irgendeinen Labrador in seinem Stammbaum. Sobald irgendwo eine Furt auftaucht ist er nicht mehr zu halten.

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Wir sind gerade mit den Fotos fertig und wollen losfahren, da hält neben uns ein qualmendes Wohnmobil. Der Fahrer springt hektisch heraus rennt mehrfach um sein Womo drum herum, reißt hier und da eine Türe oder Klappe auf. Es stinkt nach verbranntem Bremsbelag oder Kupplung. Nach ein paar Sekunden Ruhe stellt sich ersteres als Ursache heraus. Vorne rechts raucht und stinkt es ordentlich. Da hat jemand auf der Abfahrt seine Bremsen etwas überstrapaziert. Etwas abkühlen lassen und dann wird es wieder gehen.

Wir lassen noch einige Meter das Tal herunterrollen, dann haben wir die heutige Nächtigungsstätte erreicht.

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Die ältere Chefin spricht nur mühselig englisch und wir können weder Spanisch noch Französisch. Die Verständigung ist so etwas mühsam, klappt aber am Ende. Jedenfalls ist das Restaurant geschlossen. Mist, schon wieder. Die Zimmer sind recht einfach, noch nicht einmal eine Nachtischlampe, aber für eine Nacht, was solls.

Zum Essen wurde uns das La Coma, Partnerhaus vom ACT, genannt. Rainer und ich überlegen krampfhaft warum wir da nicht gebucht haben. Was so zwei Monate gedächtnismäßig ausmachen können. Wir kapitulieren, keine Erinnerung mehr why. Ist jetzt auch egal. Wir haben ja Zimmer. Aber müssen zum Essen laufen.

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Es gibt eigentlich reichlich an Hotels und Restaurant hier in Setcases. Aber in an vielen Stellen in den französischen und italienischen Alpen ist Anfang September schon Schluss mit Geldverdienen. Rainer entdeckt noch ein weiteres offenes Restaurant. Aber wir dackeln zunächst zum La Coma.

Dort sind gerade einige Motorräder mit AH am Kennzeichen abgeladen worden. Man wolle morgen auf den ACT. Neben der üblichen Frotzelei hinsichtlich fahrt rechts damit wir überholen können entspinnt sich eine nette Unterhaltung. Essen gibt es hier ab 19.30 Uhr. Dafür sind wir viel zu früh. Also tigern wir wieder zurück zu dem von Rainer entdeckten Laden.

Unterwegs entdecke ich noch eine kalenderverdächtige Hausfront.

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Im Restaurant L-Esquella zischen wir jeder zwei Bierchen. Das San Miguel ist durchaus genießbar.

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Wie die Chef- oder Besitzverhältnisse hier sind, erschließt sich mir nicht so ganz. Wenn wir es richtig verstanden haben kocht der Mensch, der hinter der Theke steht, auch das Essen. Das gäbe es frühestens ab 20.30 Uhr. Bis dahin sind wir verhungert. Also zurück ins La Coma.

Drei leckere Hamburger mit Kalbfleisch, der Rest auf der Speisekarte sagte uns nicht so zu, und ein hervorragendes Dessert. Und das alles preiswerter als auf der Karte aufgeführt.

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Nach den drei Bier und dem Essen haben wir die nötige Bettschwere erreicht.

Vorgestern Nachmittag und gestern Morgen habe ich mich nicht so gut gefühlt. Das ist glücklicherweise vorbei. Vielleicht schaffe ich das Ganze ja doch.

197 spannende Kilometer heute.
 
Jahrzehntelange Gewohnheiten lassen sich nur schwer ablegen. 05.50 Uhr ist die Nacht rum.

Gut das ich was zu lesen dabei habe, denn es gibt erst um 08.00 Uhr Frühstück.

Gestern war ja noch relativ easy going. Heute kommen deutlich mehr NA-Abschnitte auf uns zu. Mir geht es zwar wieder ein wenig besser, aber fit ist was anderes. Ich habe gehörigen Respekt vor der anstehenden Strecke.

Vorgestern noch 35° C sind es heute Morgen nur noch 8°. Da kann man schon mal die lange Sommerunterhose von Odlo drunter ziehen.

Da wir anscheinend die einzigen Gäste sind, zelebriert unsere Wirtin das Frühstück auf besondere Art.
Erst kommt nur Apfelsaft, dann kommt ein Teller mit Fertigpackungen Marmelade, Butter und Nutella. Danach gibt es getoastetes Weißbrot und Croissants. Als Schlussgang kredenzt Sie uns den Kaffee. Das alles im 5 Minuten Abstand.

Auf jeden Fall sieht es heute nach Bombenwetter aus.

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Wir lassen gemütlich das Tal runter rollen bis zum Abzweig zum ersten NA-Abschnitt. Hier kommt ein kleines persönliches und unerwartetes Highlight der Tour.

Ich weiß nicht mehr wie viele hundert Male ich den Nebenfluss des Ebro mit drei Buchstaben im Kreuzworträtsel gelöst habe. Heute fahre ich zum ersten Mal im Leben über selbigen.

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Anfangs nutzen wir noch eine Betonpiste.

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Es ist so grandioses Wetter, dass wir gleich am ersten Aussichtspunkt die SD-Karten zum Glühen bringen.

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Das kommt auf jeden Fall in die engere Auswahl des Kalenders für 2026. Der für 25 ist leider schon fertig ausgesucht.

Während wir da so rumstehen und rumfotografieren hält hinter uns ein Auto. Einer der Insassen kommt mit einem Tele der 10.000 Euro+ Klasse da raus. Hier will wohl jemand Adler und Geier fotografieren. Zu sehen ist aber noch nichts.

Ab und zu muss ab jetzt mit faunatischen Hindernissen gerechnet werden. Und die hier waren besonders stur. Man muss ihnen quasi in den Hintern fahren bevor sie sich wegbewegten.

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Während die Auffahrt und das Höhenstück in erstklassigem Zustand ist, lässt die, allerdings deutlich, steilere Abfahrt etwas zu wünschen übrig. Hier sieht man mal wieder die Kraft des Wassers. Es wird gröber.

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Kurz durchs Tal geht es auf der gegenüberliegenden Hangseite auf bestem Weg wieder nach oben. Ich könnte alle 5 Meter halten und die Kamera rausholen. Da wir dann erst übermorgen ankommen würden, lege ich mir eine deutliche Selbstbeschränkung auf. Aber ab und zu muss doch sein.

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Aber wir fahren auch.

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An Stelle der N 260 nutzen wir zunächst die Giv 4015 bzw. die Carretera de Nevà a Fornells de la Muntanya. Schlußendlich geht es aber doch auf die andere Seite und die N 260 rüber.

Nach ca. 5 km verlassen wir diese und folgen einem sehr guten Waldweg.

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Auf der Abfahrt wird nochmal eine P-Pause benötigt. Da kann man ja mal schnell die schöne Gegend einfangen.

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Und das tut jeder aus seiner Perspektive.

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Im Tal gibt es nach einem kurzen Asphaltintermezzo noch ein kleines Stück schönen Weges.

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Wir steppen mal kurz nach Frankreich rüber um zum nächsten NA-Abschnitt zu kommen. Und der hat es in sich. Es geht gleich ruppig los und bleibt auch so. Insgesamt sieht das nicht nach mehr als anderthalb Kilometern aus. Nach ca. 500 Metern werfe ich das Handtuch.

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Hier bleibe ich stehen. Was man aufgrund des Schattens nicht so gut sehen kann, Rainer fährt nur noch auf kindskopfgroßen Steinen. Das brauche ich nicht und kann ich auch nicht. Heute. Die GS könnte schon, meckert aber auch nicht, dass ich nicht kann. Rewert hilft mir beim Wenden und wir verabreden uns oben auf dem Asphalt.

Das Weg zu nennen erfordert schon einen gewissen Optimismus.

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Und es kommt natürlich was kommen muss. Wie immer legen wir die GS nicht wegen zu schnellen Fahrens ab, sondern wegen zu langsamen. Der alte Endurofahrergrundsatz im Zweifel hilft Gas gilt auch heute noch. Die horizontale Perspektive sieht jedenfalls so aus.

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Rewert erklärt sich sofort solidarisch und hält an einer Stelle wo man wirklich nur in das sprichwörtliche Loch treten kann.

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Gerät die GS mal ein paar Prozent aus der Senkrechten hält die keiner von uns mehr. Dann heißt das nur noch kontrolliert ablegen.

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Wie heißt der alte Spruch, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen. Das Ganze hier ist schon nicht mehr unter schwierig zu klassifizieren, das ist extrem. Es erinnert irgendwie an das Erzbergrodeo.

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Und nur zur Erinnerung, schlappe 1,5 Kilometer. Bin ich froh außen herum zu fahren.

Während ich mir das so von oben anschaue, kommt eine nette Dame vorbei und meint, jedenfalls so weit ich das verstehe, meine Kollegen seien da unten. Ja, die habe ich gesehen. Das waren jedoch nicht R + R sondern die AH-Gruppe. Die kommen dann auch kurz drauf an mir vorbei. Meine beiden Betreuer brauchen noch ein paar Minuten bis sie bei mir sind.

Auf knapp 2000 Metern Höhe endet der vorzügliche Asphalt und wir stehen vor einem großen Schild. Mit Hilfe des Google-Übersetzers bekommen wir heraus, dass ungebührliches Verhalten (was auch immer das ist) mit mindestens 300 Euro bestraft wird. Also keine Kurvenslides (nicht das ich sie könnte) und solche Sachen. OK. Ordentliches Wohlverhalten/fahren ist angesagt.

Nach drei Kilometern am Rifugi de la Feixa sehen wir eine Rotte Motorräder stehen. Bekanntes Kennzeichen, gesellen wir uns dazu.

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Die Jungs haben ihren Kaffee schon auf, wir machen unsere hart verdiente Mittagspause.

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Gegenüber grast friedlich eine Horde Vierbeiner.

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Man kann hier oben, sagen wir mal kurz vor dem Ende der Welt, problemlos mit der Karte bezahlen. Die Netzabdeckung ist fantastisch. Da kann man in Deutschland nur von Träumen.

Downstairs gibt es mal wieder Panorama pur.

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Nach ein paar Metern „richtiger“ Straße werden wir auf die orografisch rechte Talseite gelockt. Erst relativ steiler Beton…

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…dann ein leicht steigend und fallendes Wegelchen.

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Schön zu fahren.

Unten im Tal geht es wieder auf die N 260 um die wir uns den ganzen Tag herum bewegt haben in Richtung Andorra.

In La Seu d’Urgell steht der Abzweig zum letzten Stück Schotter für heute an. Es ist fast vier und ich habe so richtig keine Lust mehr. War für mich anstrengend genug heute. Den beiden steht aber das verlangen nach dem sogenannten Schmugglerpfad in Großbuchstaben auf der Stirn. Auch wenn sie etwas behäbiger tun. Ist ja auch kein Problem, wir treffen uns im Hotel.

Verkehrstechnisch ist Andorra die reine Katastrophe. Es dauert endlos bis ich durch La Vella durch bin. Immer wieder Fußgängerüberwege, schlechte Ampelschaltungen können die hier auch und und und.

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Irgendwann schaffe ich es bis zum Hotel Palarine in Erts. Der Concierge ist sehr nett, seine Nachrichten weniger. Er sei noch bis gegen 19.00 Uhr oder 19.30 da. Das Restaurant hätte heute zu. Ruhetag. So eine Sch…. Auf dieser Tour ist aber essenstechnisch der Wurm drin. Ich bringe meine Klamotten hoch und dusche. Dann gönne ich mir ein Bierchen und warte auf die Beiden.

Da Andorra nicht zur EU gehört möchte Vodafone 1,02 Euro pro Gesprächsminute haben. Das sind echte Halsabschneider. Aber die Chefin muss ja über den wieder mal guten Ausgang des Tages informiert werden. Sonst ist die Hölle los. Gegen sechs kommen auch die beiden und fluchen genauso wie ich über den Verkehr in Andorra. Also hier müssen wir nicht nochmal hin.

Wir gönnen uns noch ein großes Bierchen und beratschlagen was wir wegen des Abendessens unternehmen. Die nächsten offenen Restaurants sind gut anderthalb Kilometer weg, entweder talabwärts oder talaufwärts. Ich wäre ja für runterlaufen und hochfahren mit dem Taxi, werde aber überstimmt. 1,6 km bergauf laufen. Ich bin mir völlig unsicher ob das überhaupt geht. Die letzte Leistungsmessung im Kardio-MRT hat 46% ergeben. Da ist noch ein wenig Platz bis zur Normalleistung (60%).

Mitgefangen, mitgehangen. Die Erinnerung an die Lehrstunde des Bergführers vor fast 50 Jahren wird wach. Finde DEIN Tempo und dann gehe das. Die beiden könnten deutlich schneller, nehmen aber freundlich Rücksicht auf mich. Zweimal kurz Pause zum Luftholen, aber es klappt trotz konditionstechnischer Nullleistung.

Wir erreichen das Hotel Restaurant St. Moritz knapp ohne das ich Notsauerstoff brauche.

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Im Supermercat noch etwas Kaloriennachschub gekauft platzieren wir uns im Restaurant direkt an der Tür. Ansonsten würde ich wohl im eigenen Schweiß ertrinken. Ich brauche kühle Luft.

Die Bedienung hört sich nach waschechter Engländerin an und ist super zu verstehen. Wir entscheiden uns alle für das Filetsteak mit French Fries und grilled Vegetables. 300 gr. Filetsteak für 29,50€ incl. Beilagen. Da muss man zuschlagen. Alle medium bestellt kommt das Essen nach angemessener Zeit und ist auf den Punkt gegart. Der Fußmarsch hat sich gelohnt.

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Ich lade meine beiden Betreuer heute ein. Sie haben es sich redlich verdient, da sie das Risiko auf sich genommen haben und den kranken Mann mitgeschleift haben.

Bergab läuft es sich deutlich einfacher. Trotzdem bin ich froh wieder im Hotel zu sein und falle sprichwörtlich ins Bett.

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226 schotterreiche Kilometer waren es heute.
 
Heute ist, wenn man so will, Tourhalbzeit. Passt ja, ist auch Mitte des ACT.

Angesichts des moderaten Übernachtungspreises sind 12 Euro für das gebotene Frühstück völlig in Ordnung. Einen Durchlauftoaster und Marmeladenautomaten hab ich auch noch nicht gesehen. Tja, man wird so alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu.

Die ursprüngliche Planung sah jetzt die Fahrt hoch zum Port de Cabús vor. Im Juni wurde jedoch die Strecke geändert und das anschließende Stück NA-Straße herausgenommen. Da das der wohl zweithöchste in den Pyrenäen anfahrbare Punkt ist, gönnen wir uns den trotzdem. Es ist frisch und eine schöne Strecke da hoch. Wegen der Kühle und den kalten Reifen in gerade noch moderatem Tempo.

Oben gibt’s fantastische Aus- und Fernsicht.

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Um wenigstens so zu tun als ob wir da runtergefahren sind, mache ich noch ein paar Bilder weiter westlich.

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Dabei wurde ich von zwei höchst aufmerksamen und stoischen Beobachtern überwacht. Die beiden haben sich in den fünf Minuten, die ich da vielleicht gebraucht habe, nicht einen Millimeter bewegt.

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Die beiden sind wohl ergebene Anhänger der Lehre Zenon’s von Kition.;)

Rainer war in meinen Zeiten als Tourguide immer mein Korrektiv. Wenn ich zu schnell war, sah ich in langsam im Rückspiegel verschwinden und wusste es muss langsamer gehen. Wenn ich wieder „unmögliche“ Wege fahren wollte hat er mich gebremst. Jetzt fange ich an zu diskutieren, ob wir nicht doch da runterfahren könnten. Es steht schließlich kein Schild da. Aber ich muss akzeptieren, er ist dieses Jahr der Tourguide und bestimmt an solchen Stellen. Ergo, wieder zurück nach Andorra la Vella. Die AH-Gruppe kommt uns derweil entgegen.

Rainer hatte bis dato ja schon zwei rote Ampeln überfahren. Er trifft mich damit völlig auf dem linken Fuß als er vor der gelben Ampel hält. Ich bin so überrascht, dass ich größte Schwierigkeiten habe an ihm vorbei zu kommen und stehe dann glücklich mitten auf der Kreuzung. Na, das hab ich ja mal wieder hervorragend hinbekommen. 🤪

Nachdem wir das frustrierende Verkehrschaos Andorras hinter uns gelassen haben machen wir an der N 260 unsere erste P-Pause.

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Die Straße hoch zum Pass macht Spaß zu fahren. Die eierlegende Wollmilchsau darf sich mal etwas austoben.

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Oben genieße ich das Panorama und mache ein paar Fotos.

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In der Zwischenzeit haben uns eine Afrika Twin oder Transalp und eine R 1300 GS „überholt“, die wir allerdings schnell wieder eingeholt haben. Man wie die da vor uns rumschwuchteln. Erstklassige Kurvenpaniker. Aber dann auf der Geraden Vollgas geben. Und unser Tourguide gleitet gelassen dahinter her, während bei mir so langsam der Blutdruck lange nicht gekannte Höhen erklimmt. Soll ich vorfahren. Ach ne, kannste Rainer nicht schon wieder antun. Einmal pro Tour reicht. Also, wo sind die Baldriandrops.

In Sort in der Pizzeria del Rinel machen wir Kaffeepause um den Schwuchtlern zu entkommen und natürlich, weil es langsam an der Zeit dafür ist. Im Tagebuch notiere ich, Rainer hat das zweitschlimmste Eingeborenencafe gefunden. Es gibt nur Wassereis zum Lutschen. Trotz großen Schildes draußen. Was solls. Kann man nicht vorhersehen. Passiert schon mal. Der Kaffee war genießbar. Es ist mittlerweile 28°C warm geworden. Heute Morgen bei der Abfahrt hatte es gerade mal schlappe 278,5°K.

Weiter über die C 13 zu einem kleinen Highlight unserer Tour. Bei der Ausarbeitung bin ich über eine Tausend Jahre alte Brücke gestolpert, die nur ein paar Meter abseits unserer Route liegt. Das muss für Rainer in die Tour. Und mich interessiert es natürlich auch.

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Ein hübsches altes Kleinod. Nur die Parksituation ist suboptimal. Zum Glück kommen an der kleinen Nebenstraße nur sehr wenige Autos vorbei.

Als nächstes steht die Puerto de la Bonaigua (2.072m) auf dem Programm. Wieder was um zu versuchen den letzten Stoppelstreifen am Reifen wegzukommen. Es klappt aber nicht. Entweder bin ich zu ängstlich oder die Dinger sind wirklich so weit unten, dass man auf der Nase liegt, wenn man dahin kommt.

Ein schönes Restaurant ist auf der Passhöhe. Wenn wir nicht eben in der Kaschemme schon Pause gemacht hätten, dann hier.

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So langsam geht mir der Asphalt allerdings auf den Senkel. Dafür waren wir nicht so weit gefahren um den ganzen Tag über, wenn auch noch so gute, Straßen zu Schubbern. Wo ist der Schotter???

In Salardú verlassen wir die C 28 und nähern uns so langsam den gewünschten Gefilden.

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Nach einem dreiviertel Tag Pässeheizerei (jedenfalls soweit wir Lust dazu hatten) kommt jetzt endlich der schöne Teil des Tages.

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Manchmal muss man auf solchen Strecken allerdings mit überraschend auftretendem tierischen Querverkehr rechnen.

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Und solche Fotos sind für einen alten Gummikuhtreiber einfach Pflicht.

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Es ist mal wieder so eine Strecke bei der ich alle 5 Meter halten und die nächste Fotoserie machen könnte. Ich fürchte allerdings bei Ankunftszeit Mitternacht würde ich von meinen beiden ansonsten sehr geduldigen Mitfahrern doch ziemliches Gemaule hören. Und ob das Hotel dann noch offen hätte….

Es ist aber auch zu schön hier.

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Der Weg ist sehr gut in Schuss und nur mit geringen Steigungen versehen, so dass ihm die Unwetter kaum etwas angehabt haben. Selbst die Wasserrinnen sind betoniert.

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Irgendwann stellen Rainer und ich fest, dass wir Rewert „verloren“ haben. Ich kann dann eine schöne Serie Bilder von ihm schießen.

Hier nur zwei als kleine Auswahl.

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Der eine oder andere Fotostopp gelingt uns dann doch noch. Wie immer hat jeder von uns seine eigene Perspektive.

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Und manchmal klappt das dann auch mit ein paar Fahrbildern.

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Es ist ein schöner Weg durch ein schönes Tal.

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Etwas weiter stoßen wir auf die unvermeidliche Herde Rindviecher. Nur diese hier scheinen eine besondere Rasse oder ganz besonders erzogen worden zu sein. Während die Pferde von heute Morgen schon Stoiker waren, so stehen ihnen ihre vierbeinigen Kollegen Muhkuhs in nichts nach.

Rainer muss ihnen quasi in den Arsch fahren bevor sie sich auch nur ansatzweise bewegen. Wild werden, was man ja doch immer befürchtet, keine Spur. Faultiere sind geradezu Bewegungskünstler gegen diese Herde.

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Ein Stückchen weiter bekommen wir dann auch noch einen Blick auf die allerletzten Reste der Pyrenäengletscher. Nächstes Jahr dürfte es damit wohl ganz vorbei sein.

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Im Tal beschließen R + R das es jetzt dringend Zeit für ein Eis wäre. Im Hotel Pena lassen wir uns auf der Terrasse nieder. Die beiden älteren Damen grinsen sich einen. Ja wird sind alte Dreckspatzen. Eine Weile später bekomme ich mit, dass die deutsch miteinander reden. Vielleicht habe die ja auch über unser Gelaber gegrinst. Wer weiß.

Bevor es endgültig Richtung Hotel Cotori geht wartet noch ein kleiner Abstecher in den Wald auf uns.

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Es geht über einen komfortablen Weg rauf und runter. Kurz vor dem Tunnel de Viella kommen wir raus. Wir lassen gemütlich die letzten Kilometer runter nach Pont de Suert rollen.

Und wer sitzt da schon beim Bier. Die Jungs aus AH. Wir bekommen freundlich lächelnd mitgeteilt, dass wir problemlos heute Morgen die Schotterstrecke hätten nehmen können. Warum die ACT-Macher den Abschnitt herausgenommen haben wird uns ein ewiges Rätsel bleiben.

Der Platz vor dem Hotel ist zu 90% wunderschön hergerichtet.

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Die Motorräder kommen in eine große Garage, die nur ein paar Meter weg liegt. Sehr schön.

Jetzt ist es Zeit für das Ankomm-Bier.

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Wir ihr sehen könnt lässt mit zunehmendem Alter die Trinkfestigkeit und damit verbunden der Durst doch wohl etwas nach. Der Benjamin hat das Glas schon leer, der zweitälteste ist auch schon weiter und ich komme nicht mehr nach. Da muss ich wohl mal ins Trainingslager.

Die beiden wollen heute Abend zum Griechen. Wir suchen uns einen Wolf, bis wir den Laden entdecken. Zu? Oder noch zu? Wir wissen es nicht und haben Hunger. Das dann gefundene Restaurant Edelweiss weckt in mir nicht das Bedürfnis hier unbedingt Essen zu wollen. Am Ende stehen wir wieder vor dem Hotel.

Im warmen Abendlicht sieht das alles noch hübscher aus.

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An einem trotz der gewissen Straßenlastigkeit traumhaften Tag sind wir 259 Kilometer gefahren.
 
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Um 06.35 Uhr pingt mein Handy laut und vernehmlich. Warum auch immer. Keine Nachricht, nix ist da. Blödes Ding. Da schlafe ich schon mal länger und dann weckt mich das Eierphone. Frühstück gibt es wieder erst ab 08.00 Uhr.

Das heute ist ganz anders als ich es je erlebt habe. Alles muss einzeln bestellt und dann auch bezahlt werden. Wird am Tisch serviert und dauert etwas länger als sich seine Sachen am Buffet zu holen. Ist für Leute wie mich, die max 2 Brötchen morgens verzehren aber reeller. Und leckererweise gibt es völlig kalorienarme Croissants. Die Dinger triefen nur so vor Fett sind aber saulecker.

Die Motorräder aus der Garage holen, bezahlen, Koffer wieder dran bappen. Jeden Morgen ungefähr das gleiche Ritual. Wir sind früher dran als die Jungs aus AH. Ein Stück zurück dann links ab. Knuffiges kleines Bergsträßchen. Ziemlich weit oben gibt es dann auch Panorama. Da müssen wir mal anhalten.

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Etwas verblüfft nehme ich zur Kenntnis, dass wir wohl etwas von der Route abgekommen sind. Das sieht doch dahinten aus wie der Uluru. Jedenfalls fast.

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Das Wegelchen ist prinzipiell gut zu fahren. Lediglich auf den Steigungs- bzw. Gefällteilen wird es etwas rumpeliger.

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Die Pfütze ist allerdings nicht zu verachten. Man weiß nie wie tief oder schlammig so ein Teil ist. Das kann dann schnell in die Hose gehen. Zum Glück sind wir immer in angepasster Geschwindigkeit unterwegs. Wenn’s uns mal hinschmeißt, dann meist fast im Stehen. Aber vielleicht ja auch nur deswegen, weil wir zu langsam sind. Wer weiß das schon.

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Auf der gegenüberliegenden Talseite geht es danach auf knapp einspurigen allerfeinstem neuen Asphalt wieder hoch. Wir stehen kurz in einer Hofeinfahrt bevor wir den richtigen Abzweig erwischen. Es geht ein paar Meter ziemlich steil nach oben und in eine Kehre. Rainer bleibt mitten darin stehen. Ich kann das nicht richtig einsehen. Dann fährt er los.

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Hätte ich das vorher gesehen, ich hätte wahrscheinlich kapituliert. Es ist steil, viel steiler als auf den Bildern zu erkennen ist. Und es besteht nur noch aus tiefen Rinnen und Felsblöcken. Jetzt bin ich drin und es hilft nur noch eins GAAAAAS. Wie immer meistert die GS das ganz locker. Der ängstliche und limitierende Faktor ist mal wieder die obere Hälfte.

Als wir auf der „Höhe“ sind gönnen wir uns eine Verschnaufpause.

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Während wir versuchen wieder Kraft zu tanken, vor allem ich, meinen wir etwas weiter unten, vermutlich am Einstieg, eine KTM zu hören. Aber nur kurz. Dann ist Stille und wir warten, dass die Jungs bei uns vorbeikommen, aber es kommt keiner. Sollte es einen böser erwischt haben. Das Stück war nichts für Anfänger. Ohne die Hechlingen-Kurse und die jahrelange Erfahrung hätten wir/ich wahrscheinlich auch ziemlich alt ausgesehen.

Der Rest ist bis auf ein paar tiefe Pfützen relativ gut zu fahren. Nur die letzten hundert Meter haben es nochmal richtig in sich.

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Auch da, symbolisch die Augen zu, Gas und durch. Die drei älteren Herrschaften schauen uns etwas zweifelnd nach. Ich will gar nicht wissen was die sich denken.

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Vom Coll de l’Espina bis zum Coll de Fadas nutzen wir die Hauptstraße, dann links ab und es folgt eine sehr interessante Strecke. Es sind ca. 100 bis 200 Meter asphaltiert, dann folgt ein ebensolches Schotterstück, dann wieder Asphalt, dann wieder Schotter. So geht das eine ganze Weile hin und her. Irgendwann ist dann Ende mit Asphalt. Eigentlich kein schlechter Weg werden wir nach kurzer Strecke heftig überrascht.

Während Rainer halbwegs mittig durchzufahren versucht und dabei ziemlich versinkt…

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…versuche ich es dann weiter rechts, sieht eigentlich gut aus, entpuppt sich aber als fieser, tiefer Schlamm. Ergebnis, die GS dreht sich, ich hab zum Ausgleich beide Beine in der Luft (sieht von hinten bestimmt lustig aus) und komme aber zum Glück nur quer zur Fahrtrichtung zum Stehen. Uff, Schwein gehabt. Eine Schlammsuhle hätte mir noch gefehlt.

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Das Ergebnis des ersten richtigen Wasserlochs sieht dann so aus.

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Wenn man von den gehäuft auftretenden Wasserlöchern absieht ist der Rest der Strecke prinzipiell ein guter Waldweg. Die Pfützen haben es aber teilweise in sich. Mir gerät einmal der rechte Huf unter den Koffer als die GS im Schlamm etwas schlingert. Zum Glück bekomme ich ihn wieder frei bevor sich die Fuhre aushebelt. Es bleibt immer spannend.

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Ganz zum Schluß wird es nochmal ruppig.

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Jetzt gibt es Pause.

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Ich bin froh alles gut überstanden zu haben. Die körperliche Anstrengung hielt sich in Grenzen. Vielleicht kommt doch so allmählich ein wenig Fitness zurück. Aber brauchen tu ich sowas nicht nochmal.

Meine TT-Koffer waren nie hundertprozentig fest. Die Halterungen waren einfach nicht genau auf Maß gebohrt bzw. abgedreht. Rewert hatte in den Vogesen einen alten Befestigungsgurt klein geschnitten und dazwischen geklemmt. Seitdem rappelte nichts mehr. Jetzt stellen wir allerdings fest, dass sich einer der Streifen verselbstständigt hat. Das wird schnell in Ordnung gebracht.

Beim Aufstieg zur nächsten Piste bekommen wir einen schönen Blick auf den letzten Ort.

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Auch der heutige Tag hat wieder zahlreiche Panoramen zu bieten.

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Die Piste ist sehr gut befahrbar. Ist ja auch nicht irgendein Waldweg sondern eine ungeteerte Ortsverbindungsstraße.

Zunächst geht es noch auf Beton los.

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Bevor auch dieser verschwindet. Mit der Puerto de Saúnc reißen wir die 2000er-Grenze bevor es wieder talwärts geht. Hier bekommen wir es dann mit einem äußerst sturen Hindernis zu tun.

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Elsa bewegt sich nicht einen Millimeter beiseite. Erst als die Mutterkuh mit Kalb beiseitetreten können wir Elsa umfahren.

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Zwei der ganz wenigen Motorradfahrer, die wir heute auf dem ACT treffen.

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An einer schön gelegenen Bank machen wir Pause. Die GS muss auch mal wieder richtig ins Bild gesetzt werden.

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Und wir zwei älteren Herren und unser Benjamin kommen auch noch dran.

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Tja, so langsam kommt die GS in einen artgerechten Zustand. Gefällt mir.

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An der Bar Mesón de Salinas machen wir Kaffeepause. Es gibt hier zwei Teilterrassen, einmal für Restaurantgäste, einmal für die Bargäste. Wir werden freundlich zum Barteil hin komplimentiert.

Auch wen Rewert hier etwas ernst schaut, wir hatten schon unseren Spaß heute.

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Unser Zeitplan ist allerdings etwas im Hintertreffen. Wir beschließen daher uns das kleinklein auf irgendwelchen Asphaltstrecken im Hinterland zu schenken und ausnahmsweise mal die etwas südlichere Hauptstraße zu nutzen.

Wir schluchten uns also Richtung Süden.

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Auch wenn das streckentechnisch jetzt nicht der überragende Bringer ist, landschaftlich ist es wunderschön. Das sieht doch fast wie in Arizona aus.

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Ja gut, müsste etwas mehr Sand drumherum sein. Bergtechnisch passt das aber schon.

Wir bekommen aber noch viel mehr auf der Strecke geboten.

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Einfach schön hier.

In Jaca an der Repsol füllen wir unsere Benzinvorräte auf. Kurz hinter Jaca kommt der letzte NA-Abschnitt für heute.

In der ersten Kehre halte ich an. Das wir schon wieder ziemlich grob. Bis hierhin habe ich alles gut gemeistert und auch gesundheitlich gut überstanden. Das will ich nicht aufs Spiel setzen. Ich lasse daher den beiden ihren Spaß und fahre außen herum Richtung Hotel.

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Zunächst über eine Carreterra Forrestal bei der die größten Löcher ausgerechnet mitten in den Spitzkehren sind, später über eine gut ausgebaute Straße Richtung Anso. Auf dem letzten Stück abwärts nach Anso habe ich einen Renault Traffic vor mir. Gut, ich habe schon ein paar Meter in den Knochen, aber der fährt mir weg. Kann ja nicht sein. Der Gute heizt dermaßen den Pass herunter, dass ich mich schon anstrengen muss um nur dranzubleiben. Von überholen wollen wir mal gar nicht reden.

Anso, jetzt wird’s lustig. Zuerst will mich das Navi eine Treppe hochschicken. Dann irre ich durch die kleinen Gassen hin und her. Zuletzt fahre ich nochmal raus und fange de facto von vorne an, ohne Treppe. Das kleine Hotel ist nur unzureichend beschildert. Aber jetzt finde ich es. Die Tochter weiht mich sehr freundlich in die Geheimnisse des Hauses ein. Ein endloses Treppenhaus…

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…welches man durch einen Seiteneingang dann zu den Zimmern umgehen kann. Abendessen gibt es leider auch keines. Aber einige Restaurants, von denen sie aber nicht weiß welche geöffnet haben.

Ich geh derweil mich schon mal abendfein machen. Wer weiß wann die Beiden kommen. Ein kleiner Spaziergang kann auch nicht schaden.

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Der Motorradparkplatz ist etwas beengt. Aber da müssen ja auch noch Autos vorbeikommen.

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Kriegen wir aber irgendwie hin. Um mal wieder etwas Kultur zu genießen werfe ich einen Blick in die Kirche. Wegen der nur schießschartengroßen Fenster etwas dunkel. Trotzdem ist der Altar beeindruckend.

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Ich stromer noch ein wenig im Ort herum, schaue nach den Essensstellen und höre irgendwann zwei BMW’s. Schnell zurück zum Haus. Oohhh, das sieht ja beeindruckend aus. Mir kommen zwei Schlammverkrustete Gestalten entgegen.

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Es sei wohl ziemlich schwierig und teilweise schlammig gewesen. Ich hätte die richtige Entscheidung getroffen.

Den zweien ihre Zimmer gezeigt, damit sie sich in einen menschenwürdigen Zustand versetzen können und noch ein wenig im Haus rumfotografiert.

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Das Haus ist in den Fels gebaut, der an der Sitzecke zu tage tritt. Der Eingangsbereich ist schon eine künstlerische Steinlegearbeit.

Nach kurzer Zeit kommen die beiden runter. Wir gehen zunächst zum nahegelegenen Restaurant hinter der Kirche. Die Bewertungen in Google bzgl. der Bedienung sind nicht gut. Und decken sich 1 zu 1 mit unserem Erleben. Sie ist unfreundlich, Bier muss man sich selbst an der Theke holen und Essen gäbe es sowieso frühestens um 21.00 Uhr. Wir haben zwar schon kurz nach acht, aber so viel Unfreundlichkeit (im Übrigen die erste auf der ganzen Tour) müssen wir nicht noch belohnen.

Die nächste Alternative wäre das Restaurant am Campingplatz. Mit einer gewissen Skepsis tigern wir darunter. Und werden sehr positiv überrascht.

Ein sehr freundlicher und um uns bemühter Chef. Wir bestellen Kalbssteak mit Pommes und Salat für 14 Euro. Sehr lecker. Jederzeit zu empfehlen. Das Dessert Tarte de Whisky kostet 3,50. Er kommt dann mit einer großen Flasche Whisky, fragt uns ob wir das wirklich wollen, jaaaaa natürlich, wollen wir den Whisky über die Tarte haben. Welche Frage! Alleine für den kräftigen Schuss Whisky hätte man in Deutschland mehr als die 3,50€ bezahlt.

Auf dem Heimweg kommt mir die Idee, die Kosten der Reise bei der Krankenkasse als Reha einzureichen. So ähnlich fühlt es sich an. Jeden Tag ein wenig besser.

Wie man solche Wege wie heute als für Anfänger geeignet bezeichnen kann erschließt sich mir nicht. Waren bei der Erkundungsfahrt des ACT nur Vollprofis am Werk? Oder lags an den Regenfällen die letzten Tage und Wochen?

260 anstrengende Kilometer waren es heute.
 
Heute gibt es veganes Frühstück für 8 Euro pro Nase. Drei oder 4 Wochen vor der Tour kam eine Mail ob 8 Euro fürs Frühstück ok wären. Klar ist das OK. Aber Kaffee mit Hafermilch schmeckt einfach Sche….

Wir lassen die Straße mit dem Kopfsteinpflaster runterrollen und kommen auf der Hauptstraße an unserer Verköstigungsstätte von gestern Abend vorbei.

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Sieht zwar nicht überragend aus, gab aber sehr leckeres Essen. Danach geht es über eine ziemlich löchrige bzw. geflickte Straße weiter. Wir sind zwar in der Provinz Aragon (ist das nicht das Königshaus?), aber die Straßen hier sind deutlichst schlechter als im Rest der durchquerten Provinzen.

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Auf der Passhöhe wechseln wir in die Provinz Navarra. Das sieht hier schon anders aus.

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Das erste Schotterstück ist anfangs gut zu fahren. In den beginnenden Steigungen wird es allerdings etwas gröber. Die mittlerweile übliche Kraft des Wassers. Wir machen die erste Pause.

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Jetzt wird es steiler, gröber und mit gelegentlichen Sturmschäden versehen.

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Als es wieder eben wird, wird der Weg auch besser. Er wurde abschnittsweise frisch mit wassergebundener Decke versehen.

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Die Regenvorhersage gestern Abend auf Rainers App verhieß für heute ein abziehendes Regengebiet. Es hätte ja auch klappen können, aber nein wir bekommen es noch mit. Es fängt an zu nieseln. Trotzdem ergeben sich noch schöne Ausblicke.

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Auch talwärts ist der Weg in sehr gutem Zustand. Macht trotz des Wetters Spaß zu fahren.

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Es ist ein Stück trocken, so dass wir die schönen Kurven zumindest teilweise nutzen können.

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Die GS kann zwar unheimlich viel. Aber das Gepäck im Heck merkt man doch. Und es ist gegenüber sonst mit festem Hotelstützpunkt ein klein wenig ungewohnter. Ich finde die gefahrenen Schräglagen daher OK. Auch wenn wir das natürlich aufgrund fehlender Sensoren nicht gradmäßig nachweisen können. Brauche ich aber auch nicht.

Irgendwo auf dem Stück bremst Rainer plötzlich hinter einem Radfahrer während ich so schön träumend in der Gegend herumschaue. Ufff das war knapp. Gut das die GS auch ordentliche Bremsen hat, zumindest mit roten Brembos.

Bei wiedereinsetzendem Regen sparen wir uns den nächsten NA-Abschnitt. Es geht durch ein schon bei Regen wunderschönes Tal hoch zur Cabane d’Orgambide. Wie sieht das wohl erst bei Sonne aus. Bei der schlechten Sicht ist höchste Aufmerksamkeit vor tierischem Querverkehr gefordert.

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Rainer und ich wurden noch durchgelassen. Rewert wird von Elsa erstmal ordentlich vermuht bevor sie sich bequemt Platz zu machen. Durch einen Zauberwald lassen wir es talwärts rollen. Da sich immer wieder auch tierische Hinterlassenschaften auf der Straße befinden, entsprechend vorsichtig.

In einer Kehre mit Aussicht muss ich dann trotz Regen eine dringende P-Pause einlegen und natürlich dann auch ein Foto machen. Die Landschaft hier gefällt mir außerordentlich.

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Weiter unten wird es wieder trocken und die Kurven bereiten etwas mehr Freude.

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Die Fahrtechnik ist allerdings gelegentlich verbesserungsbedürftig. Auch den nächsten NA-Abschnitt sparen wir uns. Es ist uns einfach zu nass und sieht nach einer heftigen Steigung aus. Wir legen keinen Wert darauf kurz vorm Atlantik noch eine GS zu versenken.

So kullern (wie Andrea das immer so schön formuliert) wir das Tal herunter Richtung Saint-Jean-Pied-de-Port.

Nach der Einsamkeit der letzten Stunden ist hier die sprichwörtliche Hölle los. Das geplante Café ist wie alle anderen auch voll besetzt. Wir finden schließlich ein etwas versteckt Liegendes. Es gibt zwar nur was zu trinken, wir hätten auch einen kleinen Snack gebrauchen können, aber der Kaffee schmeckt und wärmt. Es war doch teilweise recht schattig bisher.

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Wikipedia murmelt etwas von Wallfahrtsort. Ahhh, deswegen der Menschenauflauf. Später lerne ich dann noch, dass der Ort der Ausgangspunkt des Camino Frances, des Jakobsweges, nach Santiago de Compostella ist. Eigentlich daher der Menschenauflauf.

Nachdem wir uns aufgewärmt haben, geht es über schöne kleine Sträßchen weiter. Immer wieder mir herrlichen Ausblicken versehen.

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Eine ganze Weile haben mich schon die teilweise seltsamen Ortsnamen verwundert. Alles etwas x-lastig. So langsam dämmert mir, dass wir uns schon eine ganze Weile im Baskenland befinden, welches ja auch einen französischen Teil hat. Es geht halt heute immer mal wieder über die Grenze ohne, dass es merkbar wäre. Höchstens an den anderen Straßennummern.

Als nächstes steht der praktisch letzte Pass der Pyrenäen vor dem Atlantik auf dem Programm, der 672 m hohe Izpegiko lepgoa. Was immer das auch heißen mag. Eine schöne Strecke, die bei trockener Straße wohl zu etwas zu schnellem Fahren verleiten würde. So sind wir doch etwas vorsichtiger.

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Zeit für ein paar Bilder muss immer sein. Es ist einfach eine wunderschöne Landschaft, selbst bei dem eher miesen Wetter.

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Nach ein wenig Hauptstraße lenkt uns der ACT wieder auf die schönen ein bis anderthalbspurigen Sträßchen. Während hier der Großteil der Schafherde bereits die Straße zwischen Rainer und mir gequert hat, starrt der Rest Rewert an. Höchste Vorsicht geboten. Die Viecher können trotzdem losrennen und kennen dann keine Gnade. Alles was im Weg steht wird umgerempelt.

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Zwischendurch wird’s immer mal wieder auch von oben nass. Nicht schlimm, aber auch Niesel ist auf Dauer lästig.

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Eigentlich könnten wir danach den Rest der Tour gemütlich auf der Nationalstraße nach Hondarribia abreiten, aber irgend so ein Trottel hat bei der Planung immer wieder auf die alte Straße geroutet. Die hat natürlich jetzt eine Geschwindigkeitsbegrenzung nach der nächsten. Klassisches Eigentor.

In Bera nochmal die Spritfässer gefüllt, ist die Fahrt durch Irun und Hondarribia nicht vergnügungssteuerpflichtig. Gut das ich nur hinterherfahren muss. Ein letztes kleines Schmankerl hab ich noch eingebaut. Abweichend zur ACT-Route. Ein Nebensträßchen bei Hondarribia.

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Noch ein paar Kilometer auf der Höhe entlang, dann ist es geschafft der Endpunkt des ACT Pyrenees ist erreicht.

Wir machen bzw. lassen ein paar Fotos machen. Ein wenig Stolz sind wir/bin ich schon. Ich war ziemlich skeptisch ob ich das durchstehe. Hat aber gut funktioniert. Mal abgesehen davon, dass ich mich beim schnellen Erklimmen der Mauer auf die Nase lege. Aber irgendwann steht das Bild dann doch.

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Die GS muss natürlich irgendwie auch noch aufs Bild.

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Über ein paar Schleichwege rollen wir wieder zurück nach Hondarribia zu unserer Unterkunft. Da wir morgen einen Ruhetag geplant haben, haben wir hier mal eine Ferienwohnung für die zwei Tage gemietet.

Ausnahmsweise fahre ich mal vor. Mitten durch die Fußgängerzone, woran sich hier keiner stört, in Deutschland wären wir schon gesteinigt worden, natzt mich dann mein Navi. Noch 5 Meter, noch 5 Meter, immer wieder. Rewert sieht schließlich unsere winkende Wirtin.

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Irgendwann bekomme ich dann auch mit, dass keiner mehr hinter mir ist. Umdrehen, nochmal die Fußgängerzone hoch, nochmal umdrehen und dann sehe ich endlich den winkenden Rewert. Als ich dann zum Haus will, lege ich mich mit einer fest verschraubten gusseisernen Parkbank an. Und verliere prompt.

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Warum kommt mir gerade Don Quichotte in den Sinn? Andererseits kann man den unermesslichen Vorteil des Boxers sehen. Man kann immer drunter raukrabbeln. Aufstehen, Krönchen richten, mit Hilfe meiner Mitfahrer die Fuhre wieder aufheben und hinters Haus fahren.

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Unsere Hausbetreuerin Kim erklärt uns alles. Eine putzige niedrige Wohnung, schön eingerichtet 3 Schlafzimmer, 2 Bäder, Küche mit Wohnzimmerecke, ernste Warnung vor den Türbögen! Seit neuestem gibt es auch eine Garage dazu. Die sei so 5 Minuten weit weg. Kostet natürlich extra, nehmen wir. Den Link dazu bekomme ich per WhatsApp geschickt. Während wir die Klamotten hochtragen, geht Kim schon mal zur Garage vor.

Die entpuppt sich als Tiefgarage mit abschließbaren Einzelgaragen.

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Auf dem Rückweg kommen wir an einem Supermercato vorbei. Da ich in Saint Jean de Dingsbums angeboten hatte heute Abend ein paar Nudeln zu kochen, damit wir nicht mehr rausmüssen und das angenommen wurde, stiefeln wir flugs darein um einzukaufen.

Nun bin ich nicht gerade der begnadete Koch vor dem Herrn, knapp besser als Wasser anbrennen lassen, aber so ein klein wenig Ehrgeiz hab ich schon. Daher im Supermercato für jeden einen Salat und einen Pudding besorgt. So gibt es ein Drei-Gänge-Menü. Die Nudeln waren allerdings einen Tick zu al dente. Egal, alle sind satt geworden, Rewert hat sein Bier und Rainer und ich die Flasche Rotwein so gerade eben aufgekriegt, danach fallen wir mehr oder weniger direkt ins Bett. War irgendwie doch anstrengend heute.

Ich hab mir wohl eine Rippenprellung zugezogen. Na ja, da werd ich wohl dann die nächsten Tage mit leben müssen.

Das war der Teil

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Mal bis 07.00 Uhr geschlafen. Der Erholungstag heute scheint angebracht zu sein. Wie immer an solchen Tagen übernehme ich die Frühstücksvorbereitungen. Das heißt konkret um 08.00 Uhr was zum Beißen zu holen. Es gibt mehrere Bäckereien zur Auswahl, die aber teilweise noch nicht geöffnet haben. Das Leben läuft halt nach anderen Regeln ab als in Deutschland. Da die Bäckerei Ogi Berri schon geöffnet hat, steuere ich die am oberen Ende der Fußgängerzone gelegene Panaderia an. Mit mehreren Croissants und zwei Baguettes komme ich zurück.

Diese Siebkaffeedinger sind nicht meins. Rainer übernimmt daher die Aufgabe des Kaffeezubereitens. Wir frühstücken in aller Gemütsruhe.

Spätvormittag gehen die beiden in die Stadt um Geschenke zu kaufen.

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Da meine Frau nicht so auf die üblichen Urlaubsmitbringsel steht, darf ich mir das sparen. Ich setze mich bei bestem Wetter auf den Balkon, lese etwas und studiere nebenbei das Leben in einer baskischen Stadt.

Bis 11.00 Uhr ist total tote Hose. Dann sind schlagartig alle Plätze in den Cafés besetzt. Gegen 14.00 Uhr leert sich genauso schnell alles wieder und die Fußgängerzone wirkt wie ausgestorben.

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Eigentlich wollte ich heute gar nicht raus. Als die beiden zurück sind kocht uns Rainer Kaffee. Danach beschließe ich, dass ich mich dann doch ein wenig bewegen muss. Ich schlendere die zwei Querstraßen zum Hafen rüber und lande genau vor der Personenfähre, die auf die andere Hafenseite nach Frankreich fährt.

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Vorher noch das aufs trockene gezogene Schiff nebenan bewundert.

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Vom Anlegepunkt den kurzen Weg zum Strand genommen. Das erste Mal nach 44 Jahren, das ich wieder am Atlantik stehe. Es geht ordentlich Wind und sieht nach Ebbe aus.

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Eigentlich hatten wir ja vor uns eine kurze Runde in den Atlantik zu stürzen. Es ist zwar sonnig heute aber nicht wirklich warm. Und sowieso fällt das Baden wegen roter Flagge aus. Wenigstens die Schuhe in den Atlantik gehalten. Ein Surfer, der die rote Flagge ignorieren wollte holt die Strandüberwachung sehr schnell aus dem Wasser.

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Ist ein schöner Strand hier auf der französischen Seite.

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Die Schiffchen fahren alle halbe Stunde. Nachdem ich mich illegalerweise, jedenfalls wenn ich die Schilder richtig verstanden habe, auf der Toilette des Yachtclubs erleichtert habe, schlendere ich gemütlich zur Anlegestelle zurück. Das Boot kommt und legt mit wenigen Passagieren sofort wieder ab. Hmmh, eigentlich wäre noch eine viertel Stunde Zeit. Ist mir aber egal. Ich genieße die Fahrt. Und da kommt auch schon das zweite Boot, welches die Fährverbindung bedient. Proppenvoll.

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Wir machen noch Jagd auf ein Segelschiff.

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Am spanischen Anleger ist dann klar warum die Skipper es so eilig haben. Da steht eine lange Schlange Menschen, die noch rüber wollen. Pro Nase 2,50 Euro. Das Schiff fasst 40 Personen. Da kann man schon mal den Fahrplan missachten.

Es gäbe ja genug Etablissements in denen wir heute Abend Essen gehen könnten. Aber das schafft

wieder die Qual der Wahl. Am Ende dieses Prozesses gehen wir in die hinter dem Haus gelegene Gasse und suchen uns das Lokal schräg gegenüber aus. Klingt alles irgendwie baskisch und ist rappelvoll.

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Der Chef kann oder will uns nicht verstehen. Die Bedienung schon. Wir bekommen den letzten freien Tisch, den Katzentisch vorm Kücheneingang. Können wir mit leben. Die Speisekarte ist übersichtlich und dank des Google-Übersetzers auch lesbar. Rewert und ich entscheiden uns für einen Burger, dessen Pattie aus dem Entrecote hergestellt worden sein soll. Rainer bekommt ein Hähnchenbaguette.

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Der Wunsch nach einer Beilage ist spätestens nach dem dritten Bissen passe. Sowas von lecker, stopft er ungemein. Mal kein Ami-Labber-Brötchen, sondern von kräftigem Geschmack und knackig. Keine Schmelzkäsescheibe, sondern herzhafter Käse. Und und und. Wir sind pappsatt nachdem der Teller leer ist. Definitiv mit Abstand das Beste was ich bisher an Burger gegessen habe.

Wir werfen noch einen kurzen Blick in die Fußgängerzone ob wir vielleicht da noch ein Bierchen schlabbern sollen.

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Alles voll.

Nun denn, wir hätten da von gestern noch eine Restpalette San Miguel. Ist zwar Bäääh-Dosenbier, aber in der Not frisst der Teufel halt Fliegen.

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Wobei man zugeben muss, das San Miguel ist schon ein leckeres Bier. Um kurz nach zehn fallen wir ins Bett.

So ein Ruhetag kann ganz schön anstrengend sein.

0 entspannte Kilometer gefahren.
 
Gut das wir gestern Ruhetag hatten. War schließlich ein Freitag der 13. So is nix passiert. :rolleyes:

Bei der Planung der Route war eines klar, auf jeden Fall müssen die durch die Tour de France bekannten großen Pyrenäenpässe (Aubisque, Aspin, Tourmalet, etc.) irgendwie in die Tour integriert werden. Wenn ich schon einmal im Leben hier unten bin. Daher folgt nun die Route des Cols. Da ist alles drin.

Aber erst heißt es heute etwas früher aufstehen. Wir müssen ja noch das Frühstück selber machen, die Motorräder holen, aufrödeln und ganz wichtig, die Wohnung wieder in einen halbwegs ordentlichen Zustand versetzen. Kim noch etwas Geld hingelegt für all die Dinge, die die Männer mal wieder nicht gesehen haben.

Als erstes geht es an den Strand von gestern. Liegt praktischerweise an der Strecke.

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Heute ohne rote Flagge und schon sind die Surfer da. Wir fahren bis Saint-Jean-de-Luz an der Küste entlang. Dort ereilt uns dann das Unglück. Lokale Triathlon-Veranstaltung. Stau. Rainer sucht einen Ausweg. Aber auf der Umfahrung ist auch Stau. Wegen sehr enger und kurviger Straße und ununterbrochenem Gegenverkehr lässt sich das auch nicht durch vorbeifahren erledigen. Merde.

Irgendwann sind wir auch dadurch und haben einen Talteil der Route des Cols durch eigentlich ein schönes Sträßchen abgekürzt. Wenn wir halt hätten fahren können.

Es sieht hier schon viel höher aus als es eigentlich ist. Auf jeden Fall unwirklich schön. Markus Biebricher würde in Ride jetzt wieder von einer epischen Landschaft schreiben.

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Wir haben ja schon einiges an freilaufenden Viechern auf der Tour gesehen. Shettys sind allerdings neu.

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Die harte Tour ist zwar vorbei, ein paar kleine Stücke TET, die so am Wegesrand herumlagen, konnte ich doch nicht so einfach liegen lassen. Die mussten in die Route rein. Wir können eine schöne Strecke bergab rollen lassen.

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Irgendwann kommt uns eine Horde Pferde entgegen, bzw. bleibt stehen und versperrt den Weg. Wir machen die Motorräder aus und aus einem hinter den Pferden fahrendem Auto steigt jemand aus und treibt die Pferde „per Hand“ an uns vorbei.

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Wir bedanken uns artig und fahren weiter. Etwas weiter unten ist ein Reiter vor uns auf dem schmalen Weg. Überholen geht gar nicht. Aber er nutzt die erste Möglichkeit uns Platz zu machen.

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Im nächsten Wald mache ich ein paar Fotos. Dabei muss auch Rewert auf die imaginäre Platte.

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Ein kurzes Stück folgt die Route des Cols einer Straße, die wir vorgestern schon bei deutlich schlechterem Wetter gefahren sind. Trocken machen die Kurven und Kehren am Izpegiko lepoa deutlich mehr Spaß. Da wir durch den Triathlon deutlichst hinter unserem Zeitplan her sind machen wir auf der Passhöhe schon Pause.

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Neben den ganzen blitzblanken Autos stechen unsere drei schmuddeligen Kühe so richtig raus.

Während wir bei unserem Kaffee sitzen werden wir freundlich auf Deutsch angesprochen. Der ca. 40-jährige plaudert ein wenig mit uns. Schön.

Noch ein Panoramabild muss vor der Weiterfahrt einfach sein.

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Sieht bei Sonne doch nochmal deutlichst besser aus.

Auf dem Weg zum Col de Burdinchurutcheta ergibt sich die eine oder andere Fotogelegenheit. Aus Zeitgründen können wir nicht jede nutzen. Aber ab und zu, muss sein.

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Auch einen fiesen Sitz- bzw. Liegestreik müssen wir überwinden.

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Die Straßen werden schmaler, einen Mittelstreifen gibt es trotzdem.

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Die beiden Kollegen stehen etwas unschlüssig im Weg herum. Warum diskutieren die denn so. Es sieht so aus, als wenn sie eigentlich nach rechts fahren wollen aber unschlüssig sind. Das können wir besser, fahren rechts vorbei und sehen das Debakel.

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Die Straße bergab besteht aus einer zentimeterdicken Rollsplitauflage. Man ist das eine Eierei. Wie immer beherrscht die GS das besser als die obere Hälfte des Motorrades. Jetzt ist mir auch klar warum die Jungs mit ihren Reisedampfern am Diskutieren waren.

Nach einer Weile ist das vorbei und wir können wieder normal Motorrad fahren. Am Col du Soudet gibt es die nächste größere Fotopause.

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Am Col de Labays verlassen wir die Hauptstraße und schlängeln uns auf einem einspurigen Sträßchen ins Tal. Das hier ist Idylle pur.

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Den geplanten Tankstopp lassen wir sausen. Das sollte bis zum Hotel reichen.

Als letztes für heute steht einer der bekannten Tourpässe auf dem Programm, der Col de Aubisque. Vorher geht es noch über zwei kleinere unbekanntere Pässe. Und wir bekommen die Freuden, oder Leiden je nach Sichtweise, der Routenoption kürzere Strecke mal wieder vor Augen geführt. Anstelle auf der Hauptstraße schön und schnell außen herum zu fahren, müssen wir aufpassen nicht zwischen den Häusern stecken zu bleiben.

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Auch der weitere Verlauf ist vorsichtig formuliert interessant. Das letzte Mal, dass an der Straße gearbeitet wurde ist mehr als 30 Jahren her.

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Es ist Samstag und dementsprechend sind trotz der fortgeschrittenen Zeit noch viele Radfahrer unterwegs. Die haben natürlich die Straße für sich allein gepachtet. Vorsicht ist angesagt. Trotzdem lassen wir es, wo es geht, schneller angehen.

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Aber es gibt auch schöne Panoramen. Definitiv in der engeren Auswahl für den Kalender nächstes Jahr.

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An solchen Pässen ist das Passfoto obligatorisch.

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Rainer freundet sich noch mit dem umherstreifenden Pyrenäenhund an. Angeblich sollen die ja eher Menschenscheu sein. Der hier aber sicher nicht.

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Um ins Tal zu unserem Hotel zu kommen müssen wir zunächst über den Col du Soulor. Das die beiden Pässe so direkt verbunden sind war mir nicht bewusst und habe ich bei den Tourübertragungen nicht mitbekommen.

Im Tal wird der Tankversuch abgebrochen. 1,97 Euro für E10-Plörre ist uns dann doch zu teuer. Ein kurzer Reichweitencheck ergibt, dass wir das Hotel und morgen früh den nächsten Ort erreichen sollten.

Noch ein paar Meter, dann ist das Hotel Le Picors erreicht. Netter Empfang, schöne renovierte Zimmer und als Abendessen gibt es ein Menü, welches wir ordern. Rainer und Rewert gehen noch eine Runde schwimmen, die ich mir aus Fitnessgründen spare.

Das Drei-Gänge-Menü besteht aus einem getoasteten Baguette mit Tomate-Mozarella, Entenschenkel mit Pommes und Salat, sowie ein Dessert mit Eis und Tarte. Lecker.

Als Bier gibt es Grimbergen Blonde. Wie viele belgische Biere sehr lecker und nicht von schlechten Eltern. In Deutschland würde das als Bockbier verkauft. Der Tag hat mich wohl etwas geschlaucht. Mein zweites Bier muss Rewert leertrinken, ich schaffe gerade mal noch die Hälfte, dann ist Schluss für heute.
 
Es gibt ein tolles Frühstücksbuffet bis hin zu einem Orangenautomaten, der frisch presst. Das Einzige was zu bemängeln wäre, wäre fehlendes deutsches Schwarzb…. Dafür gibt es wie immer die leckeren französischen völlig kalorienarmen Croissants.

Das Hotel ist sehr gut besucht. Der Parkplatz ist rappelvoll. Ein wenig verwunderlich, da schon vieles in der Gegend zu hat. Wir bezahlen und rödeln auf. Es ist allerdings ziemlich schattig heute Morgen. Wegen der leeren Spritfässer schenken wir uns den Abstecher über die Route des Bordères und kullern direkt nach Argelès-Gazost zur Tankstelle.

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Bei der Planung der Routen war schnell eines klar, wenn ich schon mal ein paar Kilometer an Lourdes vorbei komme, dann will ich mir das auch anschauen. So verlassen wir kurz die Route des Cols und machen uns in Richtung des Wallfahrtsortes auf. An der Einfallsstraße gibt es Hotel an Hotel. Allerdings sind manche auch zu, und das schon seit längerem. Ganz so groß scheint die Marienverehrung wohl nicht mehr zu sein. Das Zentrum zu finden ist nicht schwierig. La Grotte ist deutlich ausgeschildert. Nahegelegene Parkplätze sind allerdings rar bis nicht vorhanden. So stellen wir uns einfach mal an den Straßenrand. Und bekommen gleich wahrscheinlich den Bischof von Lourdes zu sehen.

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Wir schauen uns um und machen unsere Erinnerungsfotos.

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Die Grotte liegt direkt unterhalb der Kirche, der Vorplatz ist von Oben gut einsehbar.

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Mal abgesehen von dem relativ weiten Fußmarsch von oben nach da unten, möchte ich aber auch den Gottesdienst nicht stören. Auch wenn ich von Kirche und dem ganzen Kult gar nichts halte, gebührt doch den Menschen Respekt. Gerade denjenigen, die sich eine Besserung ihrer Leiden davon erhoffen.

Nach einer Runde durch Lourdes machen wir uns auf in Richtung Col de Tentes. Mit 2208 Metern dürfte er zu den höchsten Pyrenäenpunkten gehören.

Nach längerer Talfahrt schrauben wir uns auf den letzten Kilometern fast 1000 Meter in die Höhe. Again, ich könnte alle paar Meter halten um die neuen Perspektiven aufzunehmen. Allein, wir wollen heute noch ankommen.

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Das Mädel rechts wartet auf ihre deutlich langsamere Kollegin. Ich mache noch ein Foto von den Beiden. Etwas weiter steht mir einer meiner Sternzeichengenossen im Weg. Der Blick spricht Bände.

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Oben angekommen ist es ziemlich voll. Man könnte jetzt noch bis zur Puerto de Bujaruelo fahren. Der Weg gäbe das her. Es sind dort viele Wanderer unterwegs Aber es steht auch so ein hässliches weißes Schild mit roter Umrandung da. Beides in Verbindung ist suboptimal. So belassen wir es bei einigen Fotos am Col im Angesicht einiger der Pyrenäendreitausender.

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Die Pause war eigentlich in Gavarnie geplant. Da ist aber wirklich jedes Café bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Stück talwärts lag doch rechts ein (neudeutsch) Foodtruck, früher Imbissbude genannt. Dann schauen wir da mal.

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Oh Frankreich, was ist aus dir geworden. Anstelle des Sandwich Fromage, auf das ich mich in Erinnerung an frühere Touren so richtig gereut hatte, gibt es Panini. Na ja, essen kann man es.

Für unsere Klamotten brauchen wir gleich einen zweiten Satz Stühle.

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Der Chef feuert jeden vorbeikommenden Radfahrer lauthals an. Ist lustig hier.

Als nächstes steht die Tourkrone der Pyrenäenpässe auf dem Programm, Col du Tourmalet. Fahrtechnisch von West nach Ost jetzt nicht ganz so das erwartete. Und Horden von Pedalofreaks unterwegs, die einem ständig im Weg rumstehen. So langsam dämmert mir was ist, Sonntag. Alle Welt ist unterwegs. Das war eine völlige Schnapsidee. Hätte sich aber auch kaum anders planen lassen.

Ein Foto auf der Passhöhe ohne Pedalritter oder ihre Stahlrösser, nahezu unmöglich.

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Landschaftlich ist das schon schön hier, wenn nicht… …aber lassen wir das.

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Downstairs fahren wir an ein paar typischen französischer Skiort Bausünden vorbei. Dafür dürfen wir etwas weiter unten rechtsabbiegen und uns einen schönen Verbindungsweg zum Aspin antun. Nebenbei dürfen wir dabei auch noch den Col de Sarrat de Gaye mitnehmen. Zunächst ein Brückenfoto.

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Nebenan ist ebenfalls schön.

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Es folgt ein guter Waldweg auf dem uns sogar drei Radfahrer begegnen. Auf jeden Fall eine knuffige Abkürzung zwischen den beiden großen Pässen.

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Auch auf dem Aspin ist nicht gerade wenig los.

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Wir treffen noch zwei norddeutsche Jungs, die auf der Suche nach der Tour und den Plätzen sind, die sie vor 40 Jahren mal befahren haben. Ist nicht ganz so einfach. Erinnerung ist ein trügerisches Gebiet und manches sieht heute anderes aus.

Ich mache währenddessen noch die obligatorischen Q vor Kuh Fotos. Wenn denn eine Herde schonmal so schön mit passender Sonne im Rücken daliegt bzw. steht.

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Auch der Ausblick ist, mal wieder, beeindruckend. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nie im Leben hier war. Vielleicht ist die Landschaft aber auch wirklich so einzigartig schön. Es werden jedenfalls wieder einige Transistoren neu eingestellt.

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Zugegebenermaßen haben wir heute aber auch wieder einen Traumwettertag. Herrlich.

Am nächsten, dem Col de Val Louron-Azet empfängt uns wieder ein Panorama zum Niederknien.

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Das leider auf der Tour nicht obligatorische Passfoto kommt heute öfters zur Geltung.

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Weiter geht’s zu einem der mir dem Namen nach bekannteren Pässe, dem Col de Peyresourde. Zunächst rollen wir die Serpentinen nach Gènos herunter um auf der anderen Seite lange einem Tal hoch zu folgen.

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Weniger Bäume, dafür mehr Landschaft.

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Rainer bemängelt auf der Passhöhe ein fehlendes Café. Tja mein Lieber, hättest du in Gènos nicht den Punkt am See ignoriert, dann hätten wir dort Kaffeetrinken können. Pech. So zieht es uns langsam Richtung Hotel, das billigste auf der ganzen Tour. Wir sind schon gespannt.

Ein letzter Pass nach Spanien rüber, der Col du Portillon. Heute auch mal fotografiert. Solch kleinere Pässe sind in den letzten Tagen eher hinten runtergefallen.

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Auf der Abfahrt haben wir einen Portugieser mit einer flammneuen BMW vor uns. Aber nicht lange. Die neumodischen Dinger taugen nix. Den versägen wir jetzt mal schnell und zeigen ihm was eine richtige BMW ist.

Nur noch ein paar Kilomater das Tal runter kullern und wir stehen vor dem Hotel. Sieht schon mal gar nicht so schlecht aus.

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Es ist kurz vor fünf. Die Chefin bescheidet uns, dass sie jetzt zumacht, weil Sonntag ist. Essen können wir heute Abend nicht. Ein Stiefelbier gibt es auch nicht. Frühstück morgen um acht. Da ist jetzt aber echt der Wurm drin. Das dritte Mal ein geschlossenes Restaurant. Meerrdddeee.

Ganz nebenbei stelle ich fest, dass mein Portemonnaie weg ist. Was ist das denn jetzt. Eigentlich wäre ich heute Abend mit bezahlen dran. Nun gut, Rewert und Rainer könnten mir aushelfen, aber wo ist das Teil.

Wir beschließen erst einmal, dass wir mal wieder was holen. Die nächsten vernünftigen Restaurants sind zu weit weg und fahren wollen wir nicht mehr. Der Supermarkt ist schräg gegenüber. Rewert geht schnell rüber bevor er schließt.

Nach einigem Überlegen, das kann ich nur heute Morgen beim tanken verloren haben. Das Telefonat mit meiner Chefin ist etwas unerfreulich. Dann suche ich mir die Telefonnummer der Gendarmerie National raus. In Argelès-Gazost gibt es tatsächlich eine Station. Eine nette Gendarmeristin kann sogar ziemlich gut Englisch und man glaubt es nicht, das Portemonnaie ist dort. Man was für ein Schwein. Das Geld wäre ja noch verschmerzbar gewesen, aber der ganze Ärger mit allen Papieren. Und mein schöner alter grauer Führerschein wäre weg gewesen.

Ergo, ich muss morgen zurück. Der dritte Tag Route des Cols wird für mich gecancelt. Aber ich muss nicht allein fahren. Meine Betreuer begleiten mich auch auf diesem unnötigen Abstecher. Danke Jungs.

In der Zwischenzeit haben die Beiden im Hinterhof sogar einen Unterstand für die Motorräder gefunden.

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Zum Abendessen gibt es dann Baguette, Salami, Käse, 1664 und zweimal Nachtisch.

Danach mache ich mich an die Routenplanung für morgen. Die schnellere und deutlich kürzere Route führt quasi außen um die Pyrenäen herum. Aber dann müssen wir auch noch zu unserem gebuchten Übernachtungspunkt kommen. Wird ein langer Tag.

Heute waren es landschaftlich äußerst beeindruckende 246 Kilometer.
 
Natürlich bin ich heute um kurz vor sechs wieder wach. Da muss das Buch noch eine Weile herhalten. Frühstück, wie allermeistens erst um 08.00 Uhr. Das wir dann nach und nach in Einzelteilen geliefert. Ist aber am Ende alles da was man braucht. Zu uns gesellt sich noch jemand aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Es entspinnt sich eine nette Frühstücksunterhaltung.

So nett das auch ist, ich will jetzt meine Geldbörse zurück. Da ich für den heutigen Tag verantwortlich bin, ihn ja gestern Abend auch geplant habe, darf/muss ich heute vorfahren. Den ganzen Tag. Dabei hatte ich mich gerade beim hinterherfahren so schön kommod eingerichtet.

Es geht zunächst talabwärts, dann außen herum, über die letzten Ausläufer der Pyrenäen, bevor wir wieder in diese hineinstechen um zur Gendarmerie National in Argèles-Gazost kommen.

Dabei überhole ich irgendwo einen nervigen LKW mit 2 Autos, die nicht wollen oder können. Etwas voraus im Ort ist Gegenverkehr erkennbar, aber das dürfte reichen. Der fegt aber viel zu schnell durch den Ort, so dass es ziemlich knapp wird. Uff. Vorsicht. Heil ankommen.

Diese schöne Abtei mit dem „abgebrochenen“ Turm müssen wir auf der Rückfahrt fotofieren.

Die Gendarmerie ist gut gesichert. Zaun, geschlossenen Tore, man muss sich anmelden. Nach Einlass wird das Bild meines Personalausweises von zwei Personen genau geprüft. Gott sei Dank ist das noch relativ neu, so dass die Prüfung zur Zufriedenheit der beiden Beamten/in ausfällt. Ich bekomme alles zurück. Ganz herzlichen Dank. Auf deren Zettel konnte ich sehen, dass man das mehrere Kilometer von der Tankstelle entfernt an einem Campingplatz gefunden hat. Ich Trottel muss das aufs Motorrad/Koffer gelegt haben und vergessen wieder einzustecken.

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Natürlich muss als erstes die Chefin über die erfolgreiche Rücknahme informiert werden.

Es ist schon nach 11.00 und wir haben noch eine ganze Tagestour zu unserer nächsten Übernachtungsstelle vor uns.

An der Tankstelle haben wir gestern schon getankt. Klar das ich den unnötigen Aufwand bezahle, aber diesmal wie ein Luchs auf mein Portemonnaie aufpasse.

Jetzt können wir einen Teil der Strecke wieder zurückfahren, bevor es in Richtung des heutigen Zieles geht. Dabei gibt es durchaus mal ein paar schöne Kurven.

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Auf einem schönen Aussichtsbalkon steht dann die erste P-Pause für heute an. Dabei treffen wir auch einen Pinneberger. Es ergibt sich ein schöner Motorrad-Smalltalk.

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Das Panorama ist einfach überwältigend.

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Das Kirchlein hat auch schon viele Jahrhunderte auf dem Buckel.

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Als nächstes steht der Fototermin an der Burg auf dem Programm. Auch das hatte ich bei der Hinfahrt geflissentlich ignoriert.

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An der Abtei kommen wir jedoch nicht mehr vorbei. Schade. In den kleinen Orten durch die uns das Navi lotst gibt es nur längst geschlossene Gasthäuser. Auch hier hat sich offensichtlich die Kultur verändert. Es dauert eine Weile bis das wir was Offenes finden. Dafür aber mit schönem Parkplatzblick.

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Cafe au Lait und ein Stück Schokoladenkuchen. Der hat einen sehr interessanten Geschmack. Ein Hauch von Salz nimmt ihm seine vielleicht sonst zu heftige Süße. Ist ja sonst nicht so mein Fall dieses Salz/Süße oder Scharf/Süße, aber das hier ist echt lecker.

Wir haben zwar immer schöne Ausblicke in und auf die Pyrenäen. Die Straßen sind aber eher etwas langweilig. Trotz gelegentlicher Alleen.

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In Foix kaufen wir noch etwas für heute Abend ein. Hier hatten wir uns bewusst für ein Ferienhaus entschieden. Da braucht es etwas Hopfenblütentee für die Nachtruhe.

Kurz vor sechs sind wir dann am Ziel angekommen. Das Le Jardin des Gorges in Belvianes et Cavirac.

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Wir werden nett vom Sohnemann empfangen. Kurz drauf ist auch die Mutter wieder da und weist uns ordentlich ein. Teilweise auf Deutsch. Respekt.

Es gäbe zwei Restaurants im Ort. Sie würde uns die Auberge empfehlen. Und ruft gleich an und reserviert uns einen Tisch für 19.00 Uhr. Endlich gibt es mal wieder zu halbwegs vernünftigen Zeiten Abendessen.

Unser Häuschen liegt am oberen Ende des Dorfes. Wir müssen zur Hauptstraße runterwandern. Puh und hinterher mit vollem Magen wieder hoch. Das kann ja was werden.

Wir werden sehr nett vom Patron empfangen. Alles läuft in einem von seiner Seite perfekten Englisch ab. Wir hätten da glaube ich noch etwas Nachholbedarf. Die beiden bestellen sich einen Burger. Den Käse darf man wählen, Schafskäse oder Roquefort. Ich tendiere zu der Lasagne. Dazu ein Viertele Merlot. Verspricht ein schöner Abend zu werden.

Ich habe in meinem Leben schon in vielen Lokalen sehr viel Lasagne in den unterschiedlichsten Variationen gegessen. Die hier ist mit Sicherheit unter den Top 3, wenn nicht sogar unter den Top 1.

Auch die Burger sind nach Aussage meiner Mitfahrer erstklassig. Ich sehe nur, dass sie zwei dicke Patties haben. Wenn schon, denn schon. So gönnen Rewert und ich uns noch eine Tiramisu. Mmmhh.

Inclusive der Aperitifs und des Kaffees 94,80 Euro. Da kann man echt nicht meckern. Das ich das bezahle nach dem Tag versteht sich von selbst. Das Le Belverdere in Belvianes et Cavirac bekommt jedenfalls eine klare Empfehlung. Wer mal in der Gegend was zum Essen sucht. Geht da hin.

Der Anstieg zum Haus stellt sich als weniger anstrengend als befürchtet heraus. Vielleicht bin ich doch mittlerweile im ganz leichten Plusbereich der Fitnessskala angekommen. Und schön ist die Abendstimmung auf jeden Fall.

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Wir müssen leider noch das gekaufte Leffe vernichten, schaffen aber nur noch die Hälfte des Sixpack.


349 völlig unnötige Kilometer heute.
 
Ganz langsam neigt sich unsere Tour dem Ende entgegen. Ab heute geht es richtungsmäßig wieder zur Heimat zurück.

Aber zuerst gibt es ein fast schon opulentes Frühstück, extra für uns eine halbe Stunde früher als sonst. Sehr sehr lecker.

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Bevor es allerdings so richtig los geht heute, muss noch ein Erinnerungsfoto des hervorragenden Restaurants von gestern Abend sein.

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Während ich schnell die Fotos mache kommt der Patron raus zum rauchen und winkt uns nochmal freundlich zu.

Die erste Schlucht für heute ist die Gorges de la Pierre-Lys. Kaum losgefahren sind wir schon mittendrin.

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Danach auf ein paar schnurgeraden Straßen Richtung Osten bevor uns die nächste Schlucht verschlingt.

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Wenn es nicht links und rechts genug zu sehen gäbe wäre es fast langweilig. So pfeilen wir durch die Ausläufer der Pyrenäen und gönnen uns einen letzten Blick zurück.

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Gorges de Galamus. Bei der Ausarbeitung der Route einen Fotopoint gefunden. Eine am Felsen klebende Einsiedelei. Allein ich finde heute das Ding nicht. Liegt vielleicht aber auch an der Konzentration auf das wesentliche. Hier bläst ein sehr ordentlicher Wind durch. Wobei Wind wahrscheinlich eine Kategorie zu niedrig ist. Das ist schon Sturm.

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Jeder von uns sucht sich seinen Fotopoint aus. Meiner ist ein paar Meter weiter.

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Beim Versuch das Motorrad vom Seitenständer wieder in die Senkrechte zu bringen muss ich all meine Kraft aufwenden, so drückt der Wind dagegen. Da ich ja eine GS ohne Windschild fahre, kann ich Winddruck so ein wenig einschätzen. Das hier sind schätzungsweise 80 bis 100 km/h mit dem es zur Sache geht. Es geht nicht um Fahrspaß, sondern ausschließlich darum auf der schmalen Straße zu bleiben.

Ich bin froh als wir wieder freies Land erreichen.

Durch die Hügel des Corbieres schlängeln wir uns auf einem unserer liebsten Terrains, kleinen einspurigen Straßen mit nicht ganz schlechtem Asphalt.

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Bald steht auch die erste Diuretika-Pause an. Kurz vor dem Weiler Savignan gibt es eine geeignete Stelle zum Halten.

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Bis hierher haben wir einen Schnitt von 30 km/h geschafft. Wenn sich das nicht etwas bessert sind erst nach dem Abendessen heute im Hotel.

Zunächst gibt es aber noch ein paar dieser schönen Sträßchen zu befahren.

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Dann hält Rainer plötzlich an und winkt mich herbei. Ob da oben im Ort etwas Besonderes sei, dass ich da herwolle. Nö, meine Route geht auch genau hierher. Die gleichen Routen, meine geplanten. Die gleichen Navis, Garmin XT. Das gleiche verwendete Kartenmaterial, OSM-Frankreich+. Mit einer Ausnahme, Rainer hat nur die notwendigen Kacheln geladen, ich habe die komplette Karte drauf. Mit den gleichen Einstellungen. Es gibt, wie auch hier, immer mal wieder Abweichungen. Die Mysterien der Garmin-Programmierer. Manchmal vermute ich, dass da ein zutiefst von der Firma frustrierter Mensch sitzt, der das absichtlich darein programmiert.

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Auf einem Aussichtsbalkon mit breiterer Straße machen wir ein paar Fotos und albern etwas herum.

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Ob das am Horizont wohl die Alpen sind? Wäre eine tolle Sicht heute.

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Etwas Hauptstraße und nerviger Verkehr in Lèzignan-Corbierés lassen sich nicht vermeiden um an den Canal du Midi zu kommen. Früher eine wichtige Handelsroute, wird er heute nur noch von Freizeitkapitänen genutzt.

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Gibt aber schöne Fotomotive her.

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Genau auf der Hälfte der Strecke machen wir in Saint Pons de Thomières Pause. Kommt uns irgendwie bekannt vor. Ja, haben wir auf der Hintour auch durchquert. Wir bestellen drei Kaffee und Apfelkuchen sowie Creme Brulee. Warum ich nur einen kleinen Kaffee und die Beiden einen großen bekommen, i don’t know.

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Währenddessen beobachten wir einen deutlich älteren Herren als wir ohnehin schon sind, der verzweifelt versucht seine Suzi zum Leben zu erwecken. Seine bessere Hälfte ist dabei not amused.

Erst die zweite hilfreiche Hand findet den Fehler. Der Schalter am Kupplungshebel. Jetzt kann es wieder losgehen.

Das tut’s auch für uns so langsam, wenn wir noch im Hellen ankommen wollen. Lange fahren wir über die Höhen der Cevennen auf der Route des Lacs. So wahnsinnig viele Lacs sehen wir allerdings nicht. An dem hier ging es dann aber vorbei.

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Danach habe ich beim Planen wieder eines dieser wunderschönen einspurigen Sträßchen getroffen, welches uns sehr langsam und damit lange durch ein Tal von den Höhen herabführt. Welch schönen Regenbogen so eine Gegenlichtaufnahme doch aufs Handybild zaubert.

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Hier ist nicht, wie man so schön sagt, der Arsch der Welt, nein wir sind noch ein gutes Stück dahinter.

Aber unterwegs gibt es einen schönen Park mit riesigen Douglasien. Hätten wir eigentlich mal zum Ablichten halten sollen, aber so ein wenig drängt die Zeit.

Angekommen im Park National Grands Causses folgen wir ein Stück der La Dourbie. Es gäbe wieder alle 5 Meter was zum fotofieren. Einmal müssen wir jedoch halten.

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Wenn man plant, macht man sich ja eine ungefähre Vorstellung von der Landschaft. Es ist immer ganz anders! Und ich lass mich gerne überraschen, fahre also nicht die ganze Tour vorher auf Street View ab.

Auf halbwegs guter Straße geht es wieder aus der Schlucht raus auf die Hochebene.

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Es ist schön hier oben, aber windig.

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Auf kleinsten Sträßchen zirkeln wir unserem Tagesziel entgegen, dem Hotel Restaurant Family & Spa in Meyrueis. Der Chef erwartet uns bereits an der Haustür. Am Ende haben wir unseren Schnitt doch noch deutlich verbessern können. Wir sind so gegen halb fünf am Hotel.

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Wir werden nett begrüßt. Wenn wir wollen können wir für drei Euro/Nacht die Motorräder in eine Garage stellen. Nehmen wir. Hier an der schmalen Straße ständen sie nicht besonders gut. Die Garage ist nur ein paar Meter entfernt und besteht aus einer großen Felshöhle mit Tor. Wir sind nicht die einzigen hier und bekommen feste Plätze zugewiesen.

Auch hier, bis zum Abendessen ist noch Zeit, so schlendern wir etwas durch den kleinen Ort. An einem Lokal werden wir nett animiert. So setzen wir uns zu einem einheimischen Bier. Ist lecker, aber als Rechnung kommt, mein lieber Scholli.

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So langsam wird’s Zeit zum Abendessen ins Hotel zurückzukehren. Wir gönnen uns ein Menü aus Salat, Reheintopf und Tonkaschokolade mit Vanilleeis für preiswerte 26 Euro. Es mundet. Rainer und ich bestellen uns eine Flasche Rotwein zum Reh. Rewert wie immer Hopfenblütentee. Der schmeckt allerdings nach Holunder. Nein, das sei Grapefruit. Igitt. Was anderes gäbe es nicht. OK. Morgen essen wir woanders.



311 km abwechslungsreiche Kilometer waren es heute.
 
Das Frühstück heute ist ganz OK. Lediglich die beiden Kaffeeautomaten zeigen ihre weibliche Seite und sind zickig. Es ist Beiden ums Verrecken kein Cafe au Lait zu entlocken. Heute steht die sogenannte Tarn-Runde auf dem Programm. Ich hatte bei der Planung gedacht, dass das Rainers Wunsch wäre. Dabei hat er mir nur ein paar Routen geschickt, die er aus dem Internet hatte. Kommunikation ist alles. 😇

Wir hätten die Rückreise etwas entspannter gestalten können, so drehen wir heute eine Runde.

Während ich in der Garage auf meine beiden Betreuer warte, kommt einer der englischen Radfahrer und es entspinnt sich ein schönes Geplauder. Wenn ich mal ins Sprechen komme geht es sogar. Und er bemüht sich wohl ordentliches Oxford-English mit mir zu reden.
Jedenfalls kommen wir irgendwann auf die Preise unserer Motorräder. Er äußert dann trocken, ihre Fahrräder kosteten ungefähr das Gleiche. Ooohhhh.

Rewert muss noch eines seiner Selbstständigentelefonate erledigen. Unsere englischen unmotorisierten Zweiradkollegen checken noch die Route.

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Aus der Schlucht des La Jonte schwingen wir uns hinauf auf die Hochebene um zur Gorges du Tarn zu wechseln. Wobei schwingen etwas optimistisch ausgedrückt ist. Zunächst gondeln wir mal eine Weile hinter einem Bus hinterher, bis sich eine Gelegenheit zum Überholen ergibt.

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Etwas weiter oben muss ein Schluchtenfoto sein. Aber schnell, bevor der Bus wieder kommt.

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Über die Hochebene auf schönen Straßen mit schönen Panoramen.

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Während wir da so am rumfotofieren sind klingelt das Handy. Ärztin aus der Uniklinik Gießen. Sie hätten meine Mutter nicht erreicht. Sie könnten meinen 90-jährigen Vater nicht am Herzen operieren, sein Zustand sei zu schlecht. Das hätte ich ihnen vorher sagen können. Aber eine Tavi bringt richtig Geld. Nun, diesmal nicht. Diesmal müssen sie sich ohne adäquate Einnahmen um die weitere Versorgung kümmern. Ich kann das hier von Frankreich aus nicht. Meine Mutter erreiche ich kurz drauf. Sie kümmert sich schon.

Der Abstieg in die Tarn-Schlucht erfolgt in vielen Kurven.

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Bis ich das Foto im Kasten habe muss ich mich über ein französisches mittelaltes Pärchen aufregen, die mir immer wieder durchs Bild springen. Die kriegen einfach nichts mit und sind völlig alleine auf der Welt. 🤬

Unten angekommen biegt der Tourguide auf einmal falsch ab. Wir müssen doch nach links. Ahh es geht ans Flussufer. Hier soll ein Gruppenbild her. Die Sony auf das kleine Stativ geschraubt, die Auslöseverzögerung eingestellt und zum Motorrad gesprintet. Geht halbwegs.

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Wird wohl das Deckblatt unseres gemeinsamen Fotokalenders werden.

Wir gleiten nun durch die Tarn-Schlucht. Streckenweise schönes Fahren und absolut beeindruckende Landschaft.

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Der Radfahrer vorne war auch allein auf der Straße. Immer streng am Mittelstreifen, damit man ja nicht überholen kann. 😤

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In Les Vignes biegen wir rechts ab zum Point Sublime.

Von hier oben hat man gerade bei solch hervorragendem Wetter phänomenale Aussicht.

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Wir stromern herum und jeder macht reichlich Bilder. Ich alleine knapp hundert. Wobei mir schon ein wenig mulmig ist. Es gibt keinerlei Randsicherung und ich bin nicht vollständig schwindelfrei. Brauche immer etwas Eingewöhnung.

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Ein wenig schwelgen wir noch in der Aussicht.

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Als wir gerade fahren wollen taucht ein Adler/Geier auf innerhalb von Sekunden schweben sieben oder acht dieser majestätischen Vögel über uns. Ohne fettes Tele ist es allerdings nicht einfach sie auf das imaginäre Zelluloid zu bannen.

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Bei näherer Betrachtung wird das wohl ein Geier sein.

Nach diesem beeindruckenden Finale möchte uns das Navi über einen steilen groben Karrenweg auf die Hauptstraße schicken. Och nö, heute nicht. Es hat auch heute Morgen etwas rumgezickt. Keine Abbiegehinweise. Nach dem letzten Update ist es zwar deutlich stabiler und viel schneller geworden. Ganz stabil läuft es aber immer noch nicht.

Wir sind heute mal nicht abenteuerlustig und nehmen den normalen Weg. Wieder unten im Tal cruisen wir weiter durch die Gorges du Tarn. Etwas vor Millau weitet sich das dann auf. Schöne Panoramen ergeben sich.

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Nachdem es bisher verkehrstechnisch relativ ruhig war, verschlingt uns jetzt der Stadtverkehr. Um noch ein Foto des Viaduktes zu machen fahren wir etwas aus der eigentlichen Route heraus. Damit wir wenigstens drei Meter Gravelroad unter die Reifen bekommen, biegt unser Tourguide für die Fotos auf einen Feldweg ab.

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Ich war mir heute Morgen sicher, dass irgendetwas fehlte. So langsam wurde es mir klar. Ich hab den Trinkrucksack vergessen. Eigentlich kann man nicht so blöd sein, man müsste das doch merken…

Sei es wie es ist, der Carrefour am Kreisverkehr muss herhalten. Es wird langsam warm und ich brauche dringend Flüssigkeitsnachschub. Auf dem Weg dorthin fährt die ganze Zeit die Polizei hinter uns her, biegt aber doch im Kreisverkehr in die Stadt ab.

Rainer und Rewert verlangen nach Eis. Da es nichts einzeln gibt, muss die einzige Dreierpackung herhalten, die es gibt. Magnum Heidelbeere.
Nachdem wir unseren Eishunger gestillt haben verlangen auch die GS Nahrungsnachschub.

Durch die nächste schöne Schlucht geht es Richtung Osten. Der eigentlich geplante Weg auf die Höhe ist mit Kette und einem Privee-Schild gesperrt. Wir fahren weiter bis nach Nant. Hier gibt es Pause.
Bei dem Kollegen bekommt Stahlroß eine ganz neue Bedeutung.

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Die kleine Eisdiele mit von einer lokalen Kooperative hergestelltem Eis hat nur Espresso aus einer kleinen Maschine. Also, dreimal doppelter Espresso und dreimal Eis nach Wunsch. Der Espresso geht, das Eis ist klasse.

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Die nächste Schlucht wird in Angriff genommen.

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Auf halber Höhe, auf einer weitgehend einspurigen Straße ohne Geraden zieht sich die D710 ganz schön.

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Die Straßen können so schmal sein wie sie wollen, einen angedeuteten Mittelstreifen haben sie immer.

Von der geplanten Route sind wir schon seit dem Privee-Schild abgewichen. Und der Tag ist ziemlich fortgeschritten. Schweren Herzens lassen wir die Schleife über die Route Forestiere sein und wenden uns direkt dem Mont Aigoual zu.

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Bei klarem Wetter ist es möglich vom Gipfel das Mittelmeer, die Pyrenäen und die Alpen mit dem Gipfel des Mont Blanc zu sehen.

Dafür reicht es heute nicht. Trotzdem werden wir mit epischem Panorama belohnt. Am Parkplatz erklärt uns ein netter älter Herr, dass es hier vor 2 Tagen noch mit 200 km/h geweht hätte.

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Heute ist es fast windstill. Kann man sich kaum vorstellen. Aber hier oben sind auch schon mal 355km/h gemessen worden!

Fahrtechnisch wäre der Waldweg wahrscheinlich schöner gewesen, panoramatechnisch schlägt der Berg das jedoch um Längen.

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Der zweithöchste Berg der Cevennen bietet bei solchem Wetter eine formidable Aussicht. Nur in Richtung unseres Hotels sind so zwei hässliche graue Streifen, die bis zum Erdboden reichen, zu erkennen. Klare Ansage an den Tourguide, sieh zu, dass du da irgendwie zwischendurch kommst.

Es gebührt ihm an dieser Stelle ein außerordentliches Lob, bis auf ein paar Meter feuchte Straße und drei Spritzer Niesel, hat er seine Aufgabe hervorragend gelöst.

Auf dem Weg nach Meyrueis hinunter haben wir einen Pickup vor uns, der mich an den Renault Traffic in den Pyrenäen erinnert. Hinterherkommen ist schon herausfordernd, Überholen unmöglich.

Rewert zaubert die drei letzten Leffe, die vorgestern übriggeblieben waren, aus der Hecktasche hervor. Kalt ist anders aber Leffe schmeckt tatsächlich auch so. Hätt ich nicht gedacht.

Um 19.00 Uhr treffen wir uns zum Abendessen. Allerdings geht es irgendwo anders hin, weil es kein vernünftiges Bier im Hotel gibt. Bei unserer Suche nach einem geeigneten Lokal stromern wir durch den Ort und machen noch einige Fotos, auch von der Umgebung.

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Die Stimmung ist zwar etwas eigenartig aber schön.

Am Ende entscheiden wir uns für das Le Jardin des Glaces. Ein paar Minuten müssen wir noch vor dem Eingang warten, da erst um 19.30 Uhr geöffnet wird. Fast alles ist schon reserviert, aber nach Rücksprache der Bedienung mit der Chefin bekommen wir den Katzentisch an der Eingangstür.

Unser Holzwurm sinniert über die Dachkonstruktion nach. Wenn ich das richtig verstanden habe ist da ein Tragbalken zu viel. Hätte man sparen können.

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Das Menü ist hervorragend. Das Blätterteig-, na sagen wir mal, Souffle einfach grandios. So eine Lockerheit habe ich noch nirgendwo bekommen.

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Während Rainer und ich uns einen schönen Rose gönnen, muss Rewert unbedingt Heineken trinken. Ich habe ihn vor der Holländerplörre gewarnt, aber er wollte ja nicht hören. Ist halt Plörre, kein Bier.

Im Übrigen spricht die Chefin etwas deutsch und scheint auch Freude daran zu haben, es mal wieder zu gebrauchen. Der Kartoffelbrei, den sie höchstpersönlich serviert, wird mit einem langen Löffel gezogen und mit der Schere abgeschnitten. Sieht aus wie allerbester Natokit, ist aber um Galaxien besser.

Mit einem letzten Bild des beleuchteten Berges verabschiede ich mich für heute.

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So ganz langsam nähert sich unsere Reise dem Ende zu. Heute geht es in Riesenschritten den Vogesen entgegen.

Zuvor muss ich allerdings noch unsere Zimmer bezahlen. Das junge Mädchen an der Rezeption spricht aber noch nicht mal englisch. Wie kann ich so jemanden morgens an die Rezeption setzen. Zum Glück gibt es mittlerweile den Google-Übersetzer. Damit gings dann.

Das Erinnerungsfoto musste dann sein.

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Da stehen so knapp 100.000 Euro an Fahrrädern. 😳

Es sieht neblig aus beim losfahren. Ein paar Meter Höhe gewonnen und schon sind wir raus aus dem Nebel. Aber was ist da vor uns?

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Den kenn wir doch von gestern. Zunächst müssen aber jede Menge Fotos von Nebel in Schlucht her. Es sieht doch einfach fantastisch aus heute Morgen.

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Auch auf der anschließenden Hochebene ist es traumhaft schön.

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Angesichts des Nebels in der Schlucht verzichten wir auf den Abstecher in die Tarn-Schlucht und fahren direkt nach Sainte-Enimie. Hier reißt es langsam auf. Sieht putzig aus von oben.

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Tja was haben wir den da schon wieder vor uns?

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Der Studiosus-Reisen Bus aus Ingolstadt. Verfolgt der uns? Ne, eher wir den im Moment. Die Schluchtenbilder habe doch etwas Zeit gekostet. Aber eins muss man dem Busfahrer lassen, fahren kann er. Respekt wie er den Riesenbus hier um die Ecken zirkelt. Das ist teilweise ganz schön eng.

Da wir heute Meter machen müssen ist immer mal wieder ein Stück N 88 in die Route eingeflochten. Wir hätten sie ja auch komplett fahren können, das wäre aber stinklangweilig gewesen.

So schlagen wir uns nach einer Weile wieder nach rechts in die Büsche und nehmen die kleine D 6 und etwas später die noch kleinere D 71.

Da wartet das erste Stückchen TET für heute auf uns. Allein, es ist abgesperrt. Na ja, die Planung ist aus dem Sommer. Kann schon mal passieren. Das Sträßchen macht auch so Spaß.

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Wir werden von einer Frauenwandergruppe freundlich gegrüßt. Was machen die eigentlich hier in der Gegend???

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Kleine Wege, schöne Alleen. Herz was willst du mehr.

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Fotopoints gäbe es genug, allein der Fahrfortschritt steht dem entgegen. Aber ab und zu muss es einfach sein.

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Im nächsten Ort begegnet unser wieder eine Wandergruppe mit Eseln. Sollten wir hier auf einem der Jakobswege sein?

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Irgendwann müssen diese Sträßchen, so schön sie auch sind, aber enden, weil wir sonst einfach nicht vorankommen. Zurück auf der N 88 begegnet uns wieder

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Außen herum war wohl doch schneller als unsere kürzere Strecke. Als wir ein Stück weiter unsere erste D-Pause einlegen, dreimal dürft ihr raten wer wieder an uns vorbeifuhr.

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Zum letzten Mal heute sehen wir die Lernreisenden als wir uns an einer Baustelle an dem irre langen Stau vorbeischlängeln. Als wir endlich fast vorne sind geht es los und wir stehen dann ewig mitten in der Baustelle. Außer im frischen Asphalt stecken zu bleiben bleibt nur warten. Als es endlich weitergeht sehen wir warum wir warten mussten, sie haben die Asphaltmaschine umgesetzt. Das dauert bei den Dingern natürlich ewig.

Die N 88 ist zwar fahrtechnisch ziemlich langweilig, dafür entschädigt sie aber aussichtstechnisch. Es gibt viel Landschaft zu sehen.

In Le Puy-en-Velay hatte ich eigentlich eine kurze Wallfahrtskirchenbesichtigung eingeplant. Der Tourguide beschließt aber Mittagspause bei Burger King machen zu wollen. Auch gut.

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Es geht uns ziemlich gut. Keine Ahnung warum wir da alle so kariert gucken.

Wir haben gerade die Hälfte der Strecke geschafft. Trotzdem biegen wir nach Überquerung der Loire links ab um uns einigen Departementstraßen zu widmen. Ich könnte wieder alle fünf Meter halten um die Panoramen abzulichten. Aber die Zeit….

So muss es u.a. ein aus dem Video herausgelöstes Foto richten.

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Nachdem wir fast den ganzen Tag jenseits von 1000 Höhenmetern unterwegs waren, längere Abschnitte auch jenseits von 1200 Metern, sinken wir anscheinend ganz langsam dem Rhonetal entgegen. Zuvorderst queren wir aber noch die Loire wieder auf die orografisch linke Seite.

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Anders als idyllisch kann man das hier nicht beschreiben. Etwas weiter findet unser Tourguide noch einen schöne Fotoplatz.

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Ist das eigentlich noch Cevennen hier oder wie heißt die Landschaft. Muss ich zu Hause mal herausfinden. Meine Geographie-Kenntnisse haben doch den einen oder anderen Verlust erlitten.

Es ist wohl was dran an meinem gelegentlich bei aufgeblasenen Besserwissern gebrauchten Spruch, ich habe schon mehr vergessen als du je gelernt hast. 🫣

Kurz vor St. Etienne haben die GSen deutlich Hunger und müssen gefüttert werden.

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Wir umfahren die Großstadt dann auf der autobahnähnlichen Umgehungsstraße. Das die Gegend richtig hügelig ist und die Straße rauf und runter geht, war mir bei der Planung gar nicht aufgefallen. In Natura sieht eben vieles anders aus als man sich das vorher vorstellt.

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Es wird mal wieder Zeit für einen Ausflug in die Botanik. So verlassen wir die Hauptstraße und wenden uns kleinsten Wegen zu.

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Unser Tourguide zögert zunächst etwas das Schild zu ignorieren, aber da steht etwas von Neige drauf. Haben wir derzeit bestimmt nicht. Auch wenn ich nicht wirklich weiß ob das nun Nebel oder irgendwas anderes bedeutet.

Das folgende Stück TET ist teilweise etwas rumpelig.

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Sogar ich fauler Sack fahr mal im Stehen. Dann steht auch noch ein herrenloser Bagger mitten im Weg rum. Zum Glück ist die Wiese trocken. Nass wäre, glaube ich, nicht so spaßig geworden.

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Ein paar einspurige asphaltierte Wege später rumpeln wir noch mal ein steileres Stück hinunter.

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Im nächsten Ort halten wir Kriegsrat ab. Es ist ziemlich spät und wir sind noch ein gutes Stück von der Unterkunft weg. Die Route geht über einige TET-Stücke und kleinste Sträßchen. Das wird dauern. Ergo geben wir das Hotel und den schnellsten Weg in die Navis ein, und bekommen mal wieder unterschiedliche Ergebnisse.



Wir kommen rund um Lyon in den Berufsverkehr. Ich glaube, es war nicht die weiseste Entscheidung die vorgeblich schnellere Strecke zu wählen. Über die Originalstrecke hätte wahrscheinlich nicht länger gedauert und wäre interessanter gewesen. Vertan, vertan.

Direkt an der Saône gelegen, habe ich für die letzte Tourübernachtung ein altes Herrenhaus gewählt.

Es liegt wunderschön in parkähnlicher Anlage.

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Die Zimmer sind wunderbar klassisch eingerichtet. Und der Zimmerausblick ist auch nicht zu verachten.

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Allein, es gibt mal wieder nichts zu essen. Das stand zwar anders im Internet, aber was bleibt uns übrig. Wir müssen laufen oder fahren. Die nächsten Etablissements zur Nahrungsversorgung sind mehr wie einen Kilometer weg, also fahren. Von der Chefin werde ich angehalten mir ja meine Motorradklamotten anzuziehen. Zum Essen! Ja, Schatz. Glücklicherweise sieht sie mich ja nicht.😇

Nach kurzer Diskussion entscheiden wir uns für die Pizzeria, die am Kreisverkehr im letzten Ort liegt. Und die hat auch schon auf. Nix wie hin.

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Es ist warm, wir sitzen draußen. Das Pizzenangebot ist besonders. Kein gewohnter Standard. Aber alle, die wir gegessen haben, saulecker.

Sowohl das Le Clos de Pervenches in Jassans-Riottier, wie auch das Saveurs Gourmand in St. Bernard, bekommen eine klare Empfehlung.

Wir nehmen noch sechs Bier zu einem sehr moderaten Preis aus der Pizzeria mit, leeren diese im Aufenthaltsraum und fallen um zehn ins Bett.
 
21 Freitag 20.09.2024 Teil 1



Wie üblich bin ich um 0600 wach. Bis zum Frühstück dauert. Ich gehe daher zur Saône und mache ein paar Fotos und nehme die Ruhe des Flusses in mich auf.

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Ich genieße das besondere Ambiente des Hauses nochmal. Auch der Frühstücksraum ist klassisch schön. Aber allzu lange können wir uns nicht mehr aufhalten. Es sind noch einige Kilometer zu fahren.

Wir müssen eine längere Strecke im Saône-Tal hinter uns bringen. Bis auf zwei oder drei Kurven hinter Jassans-Riottier geht es geradeaus.

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Kreisverkehre sind die einzige Abwechslung.

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Und wenn der Tourguide sich endlich mal entschließt einen LKW zu überholen.

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Kurz hinter Saint-Étienne-du-Bois werden wir durch die D 118 erlöst. Der Jura ruft.

Die ersten Kurven nehmen wir dankbar an.

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Durch kleinste Örtchen…

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…auf kleinsten Sträßchen…

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…und immer mit schönsten Ausblicken.

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Apropos Ausblicke, bei der dringend nötigen ersten D-Pause stehen wir zwar etwas ungeschickt am Straßenrand, gegenüber ist aber toll.

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Langsam nähern wir uns dem ersten von 2 eingefügten TET-Abschnitten. So sieht das von vorne aus.

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Und so von hinten.

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Jetzt wird’s heavy. Der Untergrund ist zwar weitgehend fest, besteht aber aus groben Steinen. Sehr unangenehm zu fahren.

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Zudem geht es erst steil hoch und nach kurzem Verweilen auf der Höhe wieder steil nach unten.

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Am dritten Abzweig wählt Rainer den falschen Weg. Rewert und ich bleiben stehen, stellen die Motorräder ab und begutachten den weiteren Weg.

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Da wartet ein tiefes Schlammloch auf uns. Man könnte auf einem schmalen schrägen Stück links vorbei. Den 2-m-Absatz schaffen die GS bestimmt auch. Die Fahrer…na ja, es kommen leise Zweifel auf. Insgesamt sieht das eher nach einer Trial-Sektion aus. Dahinter wird der Weg zwar wieder besser, aber…. Rewert verblüfft mich. Er will lieber umdrehen. Das bin ich gar nicht gewohnt, da er sonst immer sagt fahr mal. Aber er hat wohl recht. So kurz vor dem Ende einer dreiwöchigen Tour die Kisten in dem Schlammloch zu versenken macht auch nicht wirklich Sinn.

Rainer hat inzwischen eingesehen, dass er falsch lag.

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Er wartet schon bei unseren abgestellten Motorrädern.

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Der gewählte Parkplatz war suboptimal. Auf einem kleinen Lehmstück fährt sich schlecht an. Zumal das auch steiler ist als es auf dem Bild aussieht. Nachdem Rewert und ich unsere Motorräder gedreht und aus dem Weg geschafft haben ziehen bzw. schieben wir auch Rainer aus seiner Malaise.

Den ganzen Weg wieder zurückrumpeln. Sowas musste zum Abschluss eigentlich auch nicht mehr sein. Aber das ist das Holz aus dem die Storys für die Enkel geschnitzt werden.

Zurück auf befestigten Wegen genießen wir deren Einspurigkeit und die umliegende Landschaft.

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Wir sind auf eine Hochebene angelangt und können sehr weit schauen. Zumal es heute ziemlich klar ist. Sollten das am Horizont schon die ersten Höhenzüge der Alpen sein, i don’t know.

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Da unser Tourguide in den letzten drei Wochen geflissentlich fast alle der sorgfältig eingeplanten Rast- und Tankpunkte ignoriert hat, warum soll es heute anders sein. Am ersten Kaffeepunkt sind wir schon längst vorbei. Nach einer Weile biegt er zur Auberge du Comtois ab.

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Wir werden freundlich auf die Terrasse gelotst. Und zwar nicht wegen unserer dreckigen Klamotten, sondern innen ist alles mit einer Familienfeier belegt. Terrasse ist sowieso besser. Obwohl, es ist ziemlich warm geworden. In der Sonne ist es schon leicht unangenehm warm. Das findet auch die kurz nach uns angekommene Gruppe Biker, die sich in den geschützten Teil der Terrasse verziehen.

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Die hard old men trauen sich schon näher an die mörderische Sonne heran. 😎🤣

Die Route nähert sich langsam wieder dem Rand des Jura an. An und zu gibt es schöne Ausblicke in die Ebene.

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Die Straßen werden breiter und wir dürfen die andere Seite der GS mal laufen lassen.

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Ein letztes kleines Schmankerl wartet noch auf uns, ein Stück TET hab i noch. Hoffentlich besser als das Letzte.

JA, deutlichst besser. Macht richtig Spaß zum Abschluss.

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Bevor es runter Richtung Besancon geht, ein letzter Blick von der Höhe herab.

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Die Stadt wollte ich höchstens streifen. Daher nehmen wir einen kurzen Abstecher über einen Hügel. Einspurig, enge Kehren, steil, geil.

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Unten angekommen biegen wir falsch ab. Auf dem Navi nicht zu erkennen, da beide Straßen direkt übereinander liegen. Nach einem Kilometer merken wir den Irrtum und drehen um.

Es schließt sich ein Kreis. Am ersten Tag der Tour sind wir etwas dem Doubs gefolgt, jetzt tun wir das auch. „Nur noch“ durch die Hügel zwischen dem Jura und den Vogesen zu selbigen. Die Straßen sind breiter, wir lassen die GSen laufen.

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Auf den letzten Metern bekommen wir tatsächlich noch ein paar Tröpflein Regen ab. Die können einen wettertechnisch ansonsten genialen Tag nicht mehr trüben.

Wie dort üblich werden wir im Chateau du Pont Jean mit einem Ankomm-Bier begrüßt. Herrlich.

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Motorräder aufladen, duschen und dann ein schönes Abendmenü genießen. Ein toller Tag und eine fantastische Tour gehen zu Ende.

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356 aussichtsreiche Kilometer waren es heute.
 
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