Toscana Tag 1
So ganz bin ich im Quasi-Rentner-Dasein noch nicht angekommen. Mal wieder um kurz vor 6 wach. Als derzeitige Selbstversorger kümmere ich mich ums Frühstück…bis auf den Kaffee. Mit diesen vermaledeiten kleinen italienischen Minikaffeemaschinchen komme ich nicht zurecht.
Da dürfen sich dann Rainer oder Andreas drum kümmern.
Noch ein paar Bilder vor dem Frühstück machen. Das Wetter ist aber besser als es hier aussieht.
Warum wir gestern Abend noch unbedingt alle Motorräder unter das garantiert wasserdurchlässige Strohdach befördern mussten erschließt sich mir heute Morgen nicht mehr.
Nach kurzer Diskussion unter Berücksichtigung, dass Plochi schon rund 1400 km gefahren ist, eine der kürzeren Touren heute. Also Tour 1. Die ist im Wesentlichen einer im Internet gefunden Fahrradroute namens Eroica Montalcino jedenfalls teilweise nachempfunden.
In Asciano nehmen wir den Hinterausgang, ein gerade mal Pandabreites Sträßchen steil bergab. Ein Stückchen Hauptstraße und dann geht es auf die erste Strade Bianchi, den eigentlichen Zweck des Urlaubs, ab. Die trage ich schon seit Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten mit mir als unerledigten Punkt herum. Es macht richtig Spaß. Gepflegte Wege bei denen man auch mal richtig Gas geben kann. Über die Wolke des Staubes und die staubschluckenden Hinterherfahrer breiten wir mal das Mäntelchen des Schweigens aus. Es wollte ja mal wieder keiner den Tourguide geben. Ein paar Vorteile muss das ja nun auch haben.
Das sind teilweise sogar Provinzstraßen. Auf der SP 03 fahren Andreas und ich an einem Abzweig für ein möglicherweise gutes Foto etwas weiter. Wird aber nix. Als wir zum Abzweig zurückkommen ist Rainer weg. Er wird wohl vorgefahren sein. Am nächsten Abzweig steht keiner, na ja, es geht ja auch fast geradeaus weiter. Ein gutes Stück später ist er immer noch nicht in Sicht. Wir halten und beratschlagen kurz.
Die Telefonverbindung ist schlecht, so ganz genau bekommen wir nicht heraus wo er ist. Wir fahren weiter, er hat ja die gleiche Strecke auf dem Navi. Wir werden uns schon wieder treffen. Einige Kilometer später warten wir zwei dann doch mal. Anscheinend ist er noch hinter uns. Es dauert eine Weile, dann taucht er auf. Ich kann trotz meines eigentlich guten Orientierungssinnes nicht ganz nachvollziehen was passiert ist. Dank Navi und moderner Kommunikationsmittel ist das heute zum Glück meistens kein Problem mehr.
Den jetzt anschließenden Feldweg möchte Andreas dann lieber nicht fahren obwohl an der Straße ein Schild Strada Privata steht. Nun gut. So ca. 500 Meter etwas gröberer Feldweg. Da ist so eine alte GS gegenüber dem modernen Zeuchs doch im Vorteil.
Der Treffpunkt wird für die Kreuzung vor Camigliano ausgemacht. Klappt hervorragend. Der Ort ist mini aber sehenswert.
Pause sollte eigentlich am Castello di Banfi, Burg und Weingut sein. Allein, mal wieder alles zu. Es ist zum Kinderkriegen.
Aber schön ist es hier trotzdem.
Etwas weiter werden wir dann fündig.
Brunello di Montalcino hat vielleicht der eine oder andere schon mal gehört.
Und eine Balthasar, auch wenn leer, sieht man nicht allzu oft.
Weiter geht’s auf den weißen Straßen, die gelegentlich auch mal steil werden und ne Serpentine eingebaut haben. Wie immer auf Fotos bekommt man die Steilheit meist nicht so richtig raus.
So langsam nähern wir uns dem namensgebenden Ortes des Weines. Etwas vorher ergibt sich auf einem kleinen Parkplatz eine schöne Dokumentationsmöglichkeit. Und nein Andreas, das ist hier nicht die Titanic.
Ich bin mit nicht mehr ganz sicher, aber eigentlich müsste das Castelnuovo dell’Abate sein.
Montalcino benötigt doch einen Stopp. Wenn man schon mal hier ist sollte man sich das ja auch anschauen. Allein es ist Sonntag und für unseren Geschmack völlig überlaufen. So beschränken wir uns auf ein paar Burgfotos, die ist durchaus beeindruckend, und schauen einmal kurz ins Ortsinnere. Angesichts des Gedränges erscheint uns die Weiterfahrt die bessere Alternative zu sein. Zumal wir für den Parkplatz eigentlich noch eine nicht unerhebliche Anzahl von Euronen hätten blechen sollen.
So ziehen wir es vor lieber kreuz und quer auf besten Wegen durch die Landschaft zu gondeln.
Als nächsten anfahrbaren Erlebnispunkt hat Andreas, der, das muss an dieser Stelle mal gesagt werden, bomfortionös herausgesucht und eingeplant hat, eine alte Römertherme/quelle oder wie immer die das bezeichnet haben, vorgesehen. Die Quelle ist warm und fließt über schöne Sinterterrassen ins Becken und heraus.
Man muss ein wenig kraxeln um zum Becken zu kommen. Aus Fitnessgründen verweigere ich mich erst und lasse die Beiden alleine ziehen. Am Ende bin ich aber doch zu neugierig und wuchte meinen 15 kg zu schweren Astralkörper da hoch.
Hat sich gelohnt.
Das Val d’Orcia wird in den meisten Literaturexzerptionen als das schönste Tal der Toscana beschrieben. Es fängt hier an der römischen Badestelle an. Fahren kann man da wohl nicht. Sieht jedenfalls in der Karte so aus. Nur nach dem einen Tag würde ich schon mal behaupten, dass ist leicht übertrieben und es gibt mindestens genauso schöne Ecken woanders. Aber jeder wie er mag.
Wir fahren noch drei Schleifen durch die Gegend und nehmen natürlich wieder den steilen und engen Hintereingang nach Asciano. Klar, wenn man hochfährt, muss einem zwangsläufig ein Auto entgegenkommen. Wird ein wenig knapp, geht aber.
Heute werden die Motorräder ordnungsgemäß vor dem Haus geparkt.
Bis nach Asciano in die Innenstadt sind es zwei Kilometer, zu viel zum Laufen. Vor allem mit vollem Magen zurück. Wir nutzen daher das bequeme Auto. Auch wenn wir vor der Schranke ziemlich lange warten müssen.
Hungrig wie wir nach dem langen Tag sind, sind wir natürlich wieder zu früh. Kurzentschlossen genehmigen wir uns noch einen Aperitif in Form eines leckeren Weinchens.
Der Besitzer des Rosso Vino erklärt uns nett auf Englisch, dass er noch ein Weingut führt und alles Mögliche über seine Familie, Weingut etc. So ganz habe ich nicht alles verstanden. Er spricht besser Englisch als ich.
Als das nebenan gelegene Lokal um sieben öffnet besetzten wir einen der Außentische. Die Mafiatorten hier haben ganz andere Namen als wir kennen und auch die Beläge sind teilweise ungewohnt. Aber alles ist saulecker und im besten Sinne preiswert.
Auch das Tiramisu kann sich sehen lassen.
Aus meinen Beständen hatte ich zwei Flaschen von Italiens bestem Rose (lt. Luca Maroni) mitgebracht.
Die müssen heute dran glauben.
Ein exzellenter Tag geht zu Ende.
Das Strohdachfoto ist von Rainer, die Balthasar von Andreas.