Sie ziehen nicht nur die Lärmmacher (was auch immer das ist) aus dem Verkehr, sondern Jeden! Sprich - nur noch die Anwohner dürfen fahren. Der restliche Verkehr bitte woanders hin aber "nicht bei mir"... Egoismus pur. Das meinte ich und ist eigentlich nur schwer zu verstehen, wenn man nicht verstehen will...
Es gibt genug ruhigere Gegenden in Italien, wenn einem der Verkehr in den Dolomiten zu viel wird. Warum wohnt man dann trotzdem dort? Und komm mir jetzt nicht mit, dass die da schon ewig wohnen. Die das tun, leben seit Generationen vom Tourismus. Die (meisten) anderen sind zugezogen...
Zum einen lebt die Familie tatsächlich seit x Generationen da (frühes 19. Jh. - ca. 1840). Sind Hugenottennachfahren aus Frankreich.
Die in Tirol leben (Österreich) sind vor zwei Generationen dort zugezogen aus Südtirol in den späten 1960 ern. Und Ja, auch wenn diese Familien, mit denen ich verwandt bin, ein ganz anderes Einkommen haben, welches nicht primär am Tourismus hängt, so hängt natürlich dort eins mit dem anderen zusammen.
Aber man verlässt seine Heimat ja nicht so eben mal. Außerdem wenn du meinen Text gelesen hast, wird dir auch aufgefallen sein, das ich selbst dieses rigorose "Zumachen" nicht teile. Ich würde eher wie beschrieben, eine Kontingentisierung vornehmen. Sprich nur eine bestimmte Anzahl an Fahrzeugen pro Tag / Region / oder Passstrassen. Ist ja etwas, wie ich auch bereits schrieb, was die sich gut vorstellen können. Ich weiß ja nicht wie du an deinen Wohnort oder die Region gebunden bist und was du so für einen Lärmpegel gewohnt bist.
Mich dünkt aber, das bevor hier jemand sagt (und damit meine ich nicht explizit dich, sondern u.a.) "Ok wird mir zu laut an meinem Wohnort, ziehe ich halt weg." da bestimmt 99.9% eher auch sich dafür engagieren würden das es wieder leiser wird an ihrem Wohnort, als direkt die Segel zu streichen und zu sagen "Nu ja, ist halt Tourismus hier, muss ich halt was ruhigeres suchen". Und es mag ja sein, da ich dich nun mal nicht persönlich kenne, das du die Ausnahme von der Regel bist und solche Konsequenzen ziehen würdest, aber ehrlich gesagt würde es mich bei deinem ansonsten "forschen" Auftreten schon wundern.
Schon Nietsche philosophierte über "Die ewige Wiederkrehr des Gleichen“.
Früher lebten in den Alpenregionen nur arme Bergbauern.
Dann gab es den aufkommenden Tourismus - zuerst nur für die Wohlhabenden (*), dann für die Massen. Während dieser Entwicklung wurden einige der armen Bergbauern (sehr) wohlhabend und die Region erlebte einen Aufschwung.
Jetzt wird es den Bewohnern zu viel und sie reduzieren den (Über-)Tourismus. "Verknappung" heisst das Zauberwort. Die Massen bleiben aus und der Umsatz geht zurück.
Im Ergebnis wird es weniger Angebot für eher Wohlhabende geben und diejenigen, die dann kein Auskommen mehr haben, gehen weg oder werden wieder "arme Bergbauern".
Irgendwann wird man dann wieder sagen:
"Früher lebten in den Alpenregionen nur arme Bergbauern ..."
Anmerkung 1: diese Zeilen können satirische Elemente beinhalten
Anmerkung 2: in einer Fernseh-Reportage über den Über-Tourismus in der Alpenregion wurde ein Hotellier vorgestellt, der sein Hotel erweitern wollte. Da die max. Bettenkapazität in seiner Gemeinde erreicht waren, wurde die Erweiterung nicht genehmigt. Er hat dann das für die Erweiterung des Hotels geplante Budget für eine grundlegende Sanierung und Umorientierung seines Betriebes genutzt. Das Hotel wurde modernisiert und komplett auf Bio & Wellness umgestellt. Der Aufenthalt ist jetzt deutlich teurer und er macht bei gleicher Bettenanzahl mehr Umsatz/Gewinn als mir der ursprüngliche Idee der Hotelerweiterung prognostiziert wurde.
Schön geschrieben, allerdings denke ich sind wir da als Motorradfahrer in einer eingeengten Sichtweise unterwegs. Die Alpen boomen nach wie vor. Es wird immer mehr mit dem Tourismus da. Ein Jahr mit Übernachtungsrekorden übertrifft das nächste. Und jetzt wo die Leute anfangen Angst zu bekommen, in der Türkei könnte ihnen eine Rakete aufs Dach fliegen, ziehen sich eh immer mehr in Mitteleuropäische Gefilde zurück und ganz vor allem Urlaub im eigenen Land oder direkt angrenzenden Nachbarn.
Dein Ansatz ist ja nicht verkehrt in dem was du da schreibst, allerdings sehe ich nicht ansatzweise das der Tourismus der Alpenregion jetzt so weit runter geregelt wird, das da bald wieder gar nix mehr geht. Du nimmst das Wort ja selbst in den Mund: "Über-Tourismus". Und das ist was ich mit meinem ersten Post hier überhaupt dazu sagen wollte, es ist schlicht zu voll.
Es gibt halt einfach irgendwo auch Grenzen des Erträglichen. Das ist m.E. die simple Wahrheit. Und die Sache mit dem Grödner Joch ist m.E. lediglich ein Experiment, wie weit man gehen kann. Üblich auch in anderen Geschäftsfeldern. Man macht erst einmal das "absolute Extrem", um dieses dann zu einem "vernünftigen Punkt" abzumildern. Die Zahlen insbesondere der Sommertouristen nehmen jedenfalls weiter exorbitant zu in den Alpen. Die meisten davon Kletterer, Wanderer oder Radfahrer. Dazu noch Paragliden und was es sonst noch alles gibt.
Wenn man ehrlich ist, können die auf den reinen "Motorisierten Fahrtourismus", also Motorradfahrer, Cabrio und Sportwagenfahrer wie auch Enduristen etc. schlicht verzichten ohne das die Welt finanziell für die untergeht. Ich spreche vom Ist-Zustand. Wie sich das in dieser Welt in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickelt sei mal dahingestellt. Eine Glaskugel habe ich auch nicht. Ich bin mir aber sehr sicher das der Motorradtourismus in den Alpen extrem eingedämmt werden wird. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Gruß Guido