Bimota Tesi H2 TERA

Hansemann

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R1250GS

Bimota Tesi H2 TERA​

Ich durfte im März 2026 bei Ducati Berlin, welche auch Bimota Händler sind, eine nigelnagelneue Bimota Tesi H2 TERA, sozusagen fresh-out-of-the-box einfahren.

Zunächst ein paar technische Daten, die ich, wie das Bild oben auf der Verkäufer-Seite https://ducati-berlin.de/de/neufahrzeug-bimota-tesi-h2-tera-3308908 gemopst habe

Leistung:

147 kW (200 PS)

Hubraum:

998 ccm

ABS, E-Starter, Katalysator, Kurven-ABS, LED-Scheinwerfer, Schaltautomat mit Blipper, Tempomat, Traktionskontrolle, Windschutzscheibe

Zuerst gab’s eine ausführlichen Einweisung. Da stand sie nun und ich stand davor.

Überall feinste Materialien, Details, Komponenten und super verarbeitet.

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Seitenansicht von links


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Kettenspanner aus dem Vollen gefräst


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Titan-Schalldämpfer von Akrapovic, schöner Klang

Fahrwerk von

Fahrwerk von Öhlins

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Seitenansicht von rechts

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Turbolader

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Carbonabdeckungen

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TESI-Lenkung

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Achsschenkel vorne

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Lenkungsmechanik

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Stylema Bremse von Brembo

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Lenkerhalterung aus dem Vollen gefräst

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Sitzbank, jedes Segment vernäht

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seitlicher Blick in die Radnabe

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Handbremshebel von Brembo, voll einstellbar

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Blick aufs Display und die Lenkerhalterung-


Dann gings dann los. Bis auf die Einfahrvorschriften ließ man mir völlig freie Hand. Was macht man mit so einem tollen Gerät?

Na klar!

Fahren!

Nur wohin? Einfach nur die Kilometer gemäß Anweisung abnudeln? Nee, das wird einem solchen in einer Manufaktur gefertigten Edelteil nicht gerecht.
In Rimini bei Bimota fertigen 15 Mitarbeiter die Bimota Tesi H2 TERA.

Den Motor hat man von Kawasaki und drum herum eine Ikone konstruiert. Quasi einen neuen Rahmen, um die von Bimota stammende Tesi Achsschenkellenkung
verwenden zu können. Soviel mal vorab, das ist hervorragend gelungen. Stabil in allen Situationen ohne unhandlich zu sein.

Es gab ja schon früher Motorräder mit Achsschenkellenkung, aber das hier ist eine deutliche Weiterentwicklung. Wenn man die filigrane und aufwändige Konstruktion
betrachtet, kann man sich kaum vorstellen, dass es beim Fahren nicht auffällt oder bemerkbar ist, außer, dass es extrem stabil läuft wenn man nicht eingreift, aber auf
den geringsten Lenkimpuls sofort reagiert.

Los gings, erst mal vorsichtig im Hof anrollen -> verhält sich wie ein Motorrad. Die ersten Richtungsänderungen -> immer noch wie ein konventionelles Motorrad.
Einbiegen auf die Schnellstraße und vorsichtig beschleunigen auf 50 km/h -> Klar, ohne Besonderheiten.

Dann über die Stadtautobahnen raus aus Berlin -> Furchtbar. Ein Grund aus Berlin wegzuziehen, dieser Verkehr macht einem Landei Kopfschmerzen.
Na ja, irgendwann war das geschafft und es ging runter von der Bummelbahn. Überall 80 km/h Beschränkungen hat man wohl eingerichtet, um nicht alle
Pendler von der Bahn auf die Straße zu zwingen.

Also auf der Landstraße nach Osten, durch den Spreewald, an Cottbus vorbei, Richtung Görlitz.
 
GRENZEN ERFAHREN

Die Brücke über die Neiße heißt auf deutscher Seite: „Brücke der Freundschaft“ …

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… und auf polnischer Seite: „Józeva Pilsudskiego“ als Erinnerung an den polnischen Oberbefehlshaber und Staatschef Polens
nach dem ersten Weltkrieg.

Zurück zum Motorrad:
Die Bimota Tesi H2 TERA setzt beim Fahren neue Maßstäbe. Der Motor ist selbst im Einfahrmodus eine sämige druckvolle Urgewalt.

Dabei ist mir aufgefallen, die Tesi macht alles mit, aber 2 000 U/min sollte man ihr schon geben, auch beim Anfahren mit gefühlvoller
Kupplungshand. Darunter geht das auch, aber es gibt ein unwirsches Knurren vom Motorrad, dann jedoch zieht sie sauber durch.
Man kann mit dieser Drehzahl gemütlich im 6. Gang mit 50 km/h durch geschlossene Ortschaften bummeln und danach ruckfrei
und zügig und immer zügiger beschleunigen, bis der schlafende Drache ab 4 000 U/min ein Auge öffnet, ab 6 000 U/min beginnt
Feuer zu speien und ab 8 000 U/min gibt es nur eine Richtung. Leider durfte ich auch nach 935 km nicht höher drehen um das volle
Potential auszukosten. Was bis dahin aber los ist, macht Laune! Es gibt natürlich mehrere Fahrmodi, ich bin immer im Road-Modus
gefahren. Da ist schon die volle Leistung da die man problemlos mit der rechten Hand kontrollieren kann. Der Rain-Modus verringert
die Leistung deutlich, im Sportmodus kommt ein „Kurzhub-Gasgriff“ dazu, da muss man schon konzentriert sein. Natürlich hat das
grundsätzlich auch Auswirkungen auf die Sensibilität und Auslöseschwelle der Assistenzsysteme, deshalb gibt es auch einen ziemlich
frei individuell konfigurierbaren Modus.

Ich wollte anschließend weiter zur Krabat Mühle in Schwarzkollm. Das Motorrad verknüpft

Zauberei und Magie

Wer kennt sie nicht aus der Geschichte von Otfried Preußler. Der Müllergeselle Krabat mit seinen Freunden, dem Altgesellen Tonda,
dem „dummen“ Juro, dem Kutscher mit der brennenden Hahnenfeder und der Kantorka.

20260311_095330-1024x577.jpg

Die Orte der Geschichte sind authentisch, die Gebäude sind aus historischen Gebäuden nachgebaut, die man von deren originalen
Standort ab-, und am Ort der Handlung neu aufgebaut hat.

Die Bimota Tesi H2 TERA ist genauso. Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Crossover-Maschine ähnlich der BMW M1000XR oder
der Ducati Multistrada RS, die Bimota ist allerdings fast 1 200 Euro teurer als die Ducati, hat dafür alle die kleinen Goodies, wie viele
Teile aus dem Vollen gefräst, viele Carbonteile was insgesamt ein sehr edles Design ergibt.

Neben dem zauberhaften Motor hat sie auch ein magisches Fahrwerk. Die Achsschenkellenkung vermittelt ein tolles Fahrgefühl.
Die Rückmeldung ist sehr souverän. Das Motorrad hat nicht die Handlichkeit einer Supermoto, ist aber dennoch sehr einfach zu
führen. Sie fährt nicht wie auf Schienen, denn dann könnte sie nur schwer von der einmal eingeschlagenen Linie weg korrigiert
werden. „Wie an der Schnur gezogen“ trifft es eher. Das Motorrad folgt absolut stabil der gedachten Linie und zur Korrektur
genügen minimalste Lenkimpulse, um das Motorrad sicher um plötzliche Hindernisse herum zu führen. Leider neigt entweder das
System oder der montierte Erstausrüstungsreifen zu einem deutlichen Aufstellen, wenn man in Kurven mal eine Vollbremsung macht.
Alles was man in der Einfahrzeit mit dem Motorrad so anstellen kann/darf/sollte, macht der Reifen mit, dafür ist er tauglich und geeignet.
Wenn man sich nach der Einfahrzeit etwas über die bis dahin empfohlenen Rahmenbedingungen hinaus bewegen will, (man merkt,
ich tu mir mit der Formulierung schwer) kann man sich in den Regalen der großen Marken bedienen, wobei die Optik des montierten
Reifen gefällt mir schon gut.

Das ist der nächste magische Punkt, das Motorrad ist zwar mit aller Elektronik wie
Kurven-ABS, und allen aktuellen Assistenzsystemen ausgerüstet, die greifen aber falls sie das tun, fast unmerklich ein. Die Stylema Bremse
von Brembo hat eine unwahrscheinliche Bremswirkung. Zu Anfang dachte ich, zum Glück hab ich Pfälzer Pranken um den Hebel bedienen
zu können. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit stellt man aber fest, dass man das Geschoss mit 2 Fingern extremst akkurat im Zaum
halten und bis zum Stillstand abbremsen kann. Dabei fällt auf, dass das Motorrad eigentlich bei allen Fahrzuständen vorne und hinten die
gleiche Höhe hat. Privat habe ich eine BMW mit Telelever Vorderrad Führung, die schon wesentlich weniger beim Bremsen einfedert als
konventionelle Vorderradfederungen, aber das ist Kindergarten im Vergleich mit der Bimota Tesi H2 TERA, die beim Bremsen maximal
gefühlte 50 mm des vorhandenen Federwegs von 114 mm vorne runter geht. Beim Beschleunigen geht sie vorne fast nicht hoch, gefühlt
eher hinten etwas runter, aber nur sehr wenig. Das Motorrad liegt immer flach auf der Straße.

Das ist auch eine Folge davon, dass die Tesi H2 TERA mit Öhlins TTX36 vorne und hinten also voll einstellbaren Federungen ausgerüstet
sind. Die sprechen äußerst sensibel an und haben ein sehr geringes Losbrechmoment, um dann schön straff zu sein. Das gefällt sogar mir
als Schaukelpferdfahrer.

20260310_105702-1-1024x577.jpg

Die voll einstellbaren Öhlins, eins für vorn und eins für hinten

Das Motorrad fährt sich sehr ursprünglich, so wie Motorräder für Männer sein sollten.

Keine Griffheizung, Windschild zwar verstellbar, aber von Hand mit einer Verstellung die bombensicher hält, man sollte es sich einmal zeigen
lassen, dann ist es ganz einfach.

Wenn man vorne bremst, bremst es vorne, wenn man hinten bremst, bremst es hinten. Wenn man blinkt, dann so lange, bis man den Blinker
wieder ausmacht, da gibt’s keine Zeit- oder Wegautomatik.

Die Federung stellt man sich ein, ohne anfällige Elektronik. Die Technik ist da, stört aber nicht. Die gesamten Systeme scheinen mir sehr
durchdacht und mit- und aufeinander abgestimmt zu sein.

Das ist

Technik die Jahrzehnte überdauert

wie die Maschinen in Ferropolis. von der man davon ausgeht, dass das, was jetzt Innovation ist, auch nach langer Zeit noch funktioniert und den
Spaßfaktor beibehält.

20260311_123414-1024x576.jpg

Ich hätte gerne den Zaun aus dem Bild rausgehabt, hab aber weder das „richtige“ Handy noch Fotobearbeitungsprogramme die das können.

Zum Abschluss bin ich noch nach Magdeburg gefahren, zum Otto-von-Guericke-Museum.
Das ist der mit den Vakuumkugeln die 8 Pferde auf jeder Seite, wegen eines Vakuums im Innern und dem Luftdruck von außen, nicht auseinander-
gezogen bekamen.

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20260311_144516-1024x577.jpg

Der Wissenschaftler hat nicht nur die Luftdruckgeschichte mit Vakuum herausgefunden, sondern auch Pneumatik und viele andere Bereiche. Ein
echter Tausendsassa, wen es interessiert, ich verlinke mal was Wikipedia über ihn, sein Leben und Wirken schreibt.

Auch die Bimota Tesi H2 TERA legt mit dem Achsschenkelsystem und der sehr homogenen Zusammenstellung aller (edelsten) Komponenten
Grundlagen, an denen sich andere messen lassen müssen.

Auf dem Weg nach Magdeburg habe ich in Torgau noch ein Bild von der Stelle gemacht, an der sich im zweiten Weltkrieg die russische und die
amerikanische Armee getroffen haben.

20260311_111549-1-1024x577.jpg
20260311_111625-1-1024x577.jpg

Wie bei der Bimota Tesi H2 TERA sind sich da Welten begegnet. Der „Westen“ und der „Osten“ mit entsprechend Folgen für viele Menschen in
ganz Europa und bei dem Motorrad der druckvolle Motor, die begeisternden Bremsen, das tolle Fahrwerk und natürlich die Achsschenkellenkung,
die mir nach den zwei Tagen überhaupt nicht mehr auffiel. Der Wendekreis ist gar nicht so groß, wie man befürchten könnte. Man kann auch bei
engen Straßen in einem Zug wenden. Das Motorrad wirkt und fährt wie aus einem Guss, alles ist da wo und wie es hingehört. Das Display ist gut
ablesbar (auch im Dunklen) und nicht überfrachtet. Es zeigt genau das, was man braucht. Drehzahl und Geschwindigkeit und etwas kleiner das,
was man sich einstellt, Tageskilometer oder Verbrauch. Das geht nach einer kurzen Einweisung sehr einfach und auch intuitiv.

Leider durfte ich sie nach dem Einfahren nicht behalten, sondern wurde geschimpft, weil ich nur „so um die 600 km“ fahren sollte, das Motorrad
aber mit fast 1 000 km zurück brachte.

Der Verbrauch betrug um die 6 Liter Benzin auf 100 km, ich habe immer E5 getankt, der Hersteller lässt sogar E15 zu (was es ja noch nicht gibt,
nur E10.)

In den technischen Daten steht, dass das Motorrad einen 22 l Tank hat.

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Wenn man dieses Bild sieht, muss man 200 m schieben und dann gehen nur 18,8 Liter rein, wenn man wie ich nur auf dem Seitenständer tankt.
Woher ich das weiß?

Hier noch ein paar technische Daten von der Seite von Bimota Deutschland

Daten-TERA-H2-Tesi.jpg





Insgesamt ne tolle 2-Tagestour



Danke Ducati Berlin für die Möglichkeit, Danke Bimota für das tolle Motorrad. Eine tolle italienische Bella die nicht nur Sehnsüchte
weckt, sondern auch stillt!
 
Schön ist anders. Wenngleich viel verspielte Technik.

Da wäre die schon eher meins:

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Schöner Bericht.

Ich finde der Gerät überwiegend ganz hübsch. Aber dieser Auspuff…wie ein Fremdkörper, der noch irgendwie dran muss.

Ich würde sie (mit einem richtigen Reifen) auch sehr gerne mal fahren 👍
 
Servus,
Na das ist mal ein Fahrbericht. Danke für die Fotos und die tolle Beschreibung. Ich glaube da haben die was cooles auf den Markt gebracht.
Und vielleicht sieht man mal eine in freier Wildbahn. Die waren schon immer sehr selten zu sehen.

Grüße

Andreas
 
Danke für den Bericht und die Bilder, das ist ja mal ein spannendes Teil. Leider auch für mich ein weiterer Beweis, dass nicht alles was aus Italien kommt schön ist, aber in natura wirkt so manches Bike ja auch ganz anders, und hochwertig verarbeitet scheint sie ja ohne Zweifel zu sein.
 
Danke für den ausführlichen Bericht deiner Probefahrt mit diesem Motorrad, welches man sicher nicht häufig zu sehen bekommt (y)
 
Schöner Bericht. Danke dafür!
Ich mag solche Exoten auch wenn man bei dem Auspuff sicher schönere Lösungen hätte finden können. Aber es bleibt leider ein teures Zweit- oder Drittbike ohne viel Alltagsnutzen, denn zb die Gepäckunterbringung dürfte auf der Tesi sicher nicht einfach werden.
 
Tolles Bike, danke für deinen Bericht. Leider von den Bildern her, weniger soziatauglich. Ist aber auch nicht das Ziel dieses Bike. Sie klasse aus.
 
Hi Hans, wie war der Windschutz bzw die Verwirbelungen beim Fahren?

Danke vorab.
 
Da ist mir nix störendes aufgefallen.
Natürlich ist das aber auch ne sehr individuelle Sache von Körpergröße (bei mir 188 cm) und Sitzhaltung. Die Scheibe vorne ist verstellbar.
 
GRENZEN ERFAHREN

Die Brücke über die Neiße heißt auf deutscher Seite: „Brücke der Freundschaft“ …

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… und auf polnischer Seite: „Józeva Pilsudskiego“ als Erinnerung an den polnischen Oberbefehlshaber und Staatschef Polens
nach dem ersten Weltkrieg.

Zurück zum Motorrad:
Die Bimota Tesi H2 TERA setzt beim Fahren neue Maßstäbe. Der Motor ist selbst im Einfahrmodus eine sämige druckvolle Urgewalt.

Dabei ist mir aufgefallen, die Tesi macht alles mit, aber 2 000 U/min sollte man ihr schon geben, auch beim Anfahren mit gefühlvoller
Kupplungshand. Darunter geht das auch, aber es gibt ein unwirsches Knurren vom Motorrad, dann jedoch zieht sie sauber durch.
Man kann mit dieser Drehzahl gemütlich im 6. Gang mit 50 km/h durch geschlossene Ortschaften bummeln und danach ruckfrei
und zügig und immer zügiger beschleunigen, bis der schlafende Drache ab 4 000 U/min ein Auge öffnet, ab 6 000 U/min beginnt
Feuer zu speien und ab 8 000 U/min gibt es nur eine Richtung. Leider durfte ich auch nach 935 km nicht höher drehen um das volle
Potential auszukosten. Was bis dahin aber los ist, macht Laune! Es gibt natürlich mehrere Fahrmodi, ich bin immer im Road-Modus
gefahren. Da ist schon die volle Leistung da die man problemlos mit der rechten Hand kontrollieren kann. Der Rain-Modus verringert
die Leistung deutlich, im Sportmodus kommt ein „Kurzhub-Gasgriff“ dazu, da muss man schon konzentriert sein. Natürlich hat das
grundsätzlich auch Auswirkungen auf die Sensibilität und Auslöseschwelle der Assistenzsysteme, deshalb gibt es auch einen ziemlich
frei individuell konfigurierbaren Modus.

Ich wollte anschließend weiter zur Krabat Mühle in Schwarzkollm. Das Motorrad verknüpft

Zauberei und Magie

Wer kennt sie nicht aus der Geschichte von Otfried Preußler. Der Müllergeselle Krabat mit seinen Freunden, dem Altgesellen Tonda,
dem „dummen“ Juro, dem Kutscher mit der brennenden Hahnenfeder und der Kantorka.

20260311_095330-1024x577.jpg

Die Orte der Geschichte sind authentisch, die Gebäude sind aus historischen Gebäuden nachgebaut, die man von deren originalen
Standort ab-, und am Ort der Handlung neu aufgebaut hat.

Die Bimota Tesi H2 TERA ist genauso. Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Crossover-Maschine ähnlich der BMW M1000XR oder
der Ducati Multistrada RS, die Bimota ist allerdings fast 1 200 Euro teurer als die Ducati, hat dafür alle die kleinen Goodies, wie viele
Teile aus dem Vollen gefräst, viele Carbonteile was insgesamt ein sehr edles Design ergibt.

Neben dem zauberhaften Motor hat sie auch ein magisches Fahrwerk. Die Achsschenkellenkung vermittelt ein tolles Fahrgefühl.
Die Rückmeldung ist sehr souverän. Das Motorrad hat nicht die Handlichkeit einer Supermoto, ist aber dennoch sehr einfach zu
führen. Sie fährt nicht wie auf Schienen, denn dann könnte sie nur schwer von der einmal eingeschlagenen Linie weg korrigiert
werden. „Wie an der Schnur gezogen“ trifft es eher. Das Motorrad folgt absolut stabil der gedachten Linie und zur Korrektur
genügen minimalste Lenkimpulse, um das Motorrad sicher um plötzliche Hindernisse herum zu führen. Leider neigt entweder das
System oder der montierte Erstausrüstungsreifen zu einem deutlichen Aufstellen, wenn man in Kurven mal eine Vollbremsung macht.
Alles was man in der Einfahrzeit mit dem Motorrad so anstellen kann/darf/sollte, macht der Reifen mit, dafür ist er tauglich und geeignet.
Wenn man sich nach der Einfahrzeit etwas über die bis dahin empfohlenen Rahmenbedingungen hinaus bewegen will, (man merkt,
ich tu mir mit der Formulierung schwer) kann man sich in den Regalen der großen Marken bedienen, wobei die Optik des montierten
Reifen gefällt mir schon gut.

Das ist der nächste magische Punkt, das Motorrad ist zwar mit aller Elektronik wie
Kurven-ABS, und allen aktuellen Assistenzsystemen ausgerüstet, die greifen aber falls sie das tun, fast unmerklich ein. Die Stylema Bremse
von Brembo hat eine unwahrscheinliche Bremswirkung. Zu Anfang dachte ich, zum Glück hab ich Pfälzer Pranken um den Hebel bedienen
zu können. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit stellt man aber fest, dass man das Geschoss mit 2 Fingern extremst akkurat im Zaum
halten und bis zum Stillstand abbremsen kann. Dabei fällt auf, dass das Motorrad eigentlich bei allen Fahrzuständen vorne und hinten die
gleiche Höhe hat. Privat habe ich eine BMW mit Telelever Vorderrad Führung, die schon wesentlich weniger beim Bremsen einfedert als
konventionelle Vorderradfederungen, aber das ist Kindergarten im Vergleich mit der Bimota Tesi H2 TERA, die beim Bremsen maximal
gefühlte 50 mm des vorhandenen Federwegs von 114 mm vorne runter geht. Beim Beschleunigen geht sie vorne fast nicht hoch, gefühlt
eher hinten etwas runter, aber nur sehr wenig. Das Motorrad liegt immer flach auf der Straße.

Das ist auch eine Folge davon, dass die Tesi H2 TERA mit Öhlins TTX36 vorne und hinten also voll einstellbaren Federungen ausgerüstet
sind. Die sprechen äußerst sensibel an und haben ein sehr geringes Losbrechmoment, um dann schön straff zu sein. Das gefällt sogar mir
als Schaukelpferdfahrer.

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Die voll einstellbaren Öhlins, eins für vorn und eins für hinten

Das Motorrad fährt sich sehr ursprünglich, so wie Motorräder für Männer sein sollten.

Keine Griffheizung, Windschild zwar verstellbar, aber von Hand mit einer Verstellung die bombensicher hält, man sollte es sich einmal zeigen
lassen, dann ist es ganz einfach.

Wenn man vorne bremst, bremst es vorne, wenn man hinten bremst, bremst es hinten. Wenn man blinkt, dann so lange, bis man den Blinker
wieder ausmacht, da gibt’s keine Zeit- oder Wegautomatik.

Die Federung stellt man sich ein, ohne anfällige Elektronik. Die Technik ist da, stört aber nicht. Die gesamten Systeme scheinen mir sehr
durchdacht und mit- und aufeinander abgestimmt zu sein.

Das ist

Technik die Jahrzehnte überdauert

wie die Maschinen in Ferropolis. von der man davon ausgeht, dass das, was jetzt Innovation ist, auch nach langer Zeit noch funktioniert und den
Spaßfaktor beibehält.

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Ich hätte gerne den Zaun aus dem Bild rausgehabt, hab aber weder das „richtige“ Handy noch Fotobearbeitungsprogramme die das können.

Zum Abschluss bin ich noch nach Magdeburg gefahren, zum Otto-von-Guericke-Museum.
Das ist der mit den Vakuumkugeln die 8 Pferde auf jeder Seite, wegen eines Vakuums im Innern und dem Luftdruck von außen, nicht auseinander-
gezogen bekamen.

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Der Wissenschaftler hat nicht nur die Luftdruckgeschichte mit Vakuum herausgefunden, sondern auch Pneumatik und viele andere Bereiche. Ein
echter Tausendsassa, wen es interessiert, ich verlinke mal was Wikipedia über ihn, sein Leben und Wirken schreibt.

Auch die Bimota Tesi H2 TERA legt mit dem Achsschenkelsystem und der sehr homogenen Zusammenstellung aller (edelsten) Komponenten
Grundlagen, an denen sich andere messen lassen müssen.

Auf dem Weg nach Magdeburg habe ich in Torgau noch ein Bild von der Stelle gemacht, an der sich im zweiten Weltkrieg die russische und die
amerikanische Armee getroffen haben.

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Wie bei der Bimota Tesi H2 TERA sind sich da Welten begegnet. Der „Westen“ und der „Osten“ mit entsprechend Folgen für viele Menschen in
ganz Europa und bei dem Motorrad der druckvolle Motor, die begeisternden Bremsen, das tolle Fahrwerk und natürlich die Achsschenkellenkung,
die mir nach den zwei Tagen überhaupt nicht mehr auffiel. Der Wendekreis ist gar nicht so groß, wie man befürchten könnte. Man kann auch bei
engen Straßen in einem Zug wenden. Das Motorrad wirkt und fährt wie aus einem Guss, alles ist da wo und wie es hingehört. Das Display ist gut
ablesbar (auch im Dunklen) und nicht überfrachtet. Es zeigt genau das, was man braucht. Drehzahl und Geschwindigkeit und etwas kleiner das,
was man sich einstellt, Tageskilometer oder Verbrauch. Das geht nach einer kurzen Einweisung sehr einfach und auch intuitiv.

Leider durfte ich sie nach dem Einfahren nicht behalten, sondern wurde geschimpft, weil ich nur „so um die 600 km“ fahren sollte, das Motorrad
aber mit fast 1 000 km zurück brachte.

Der Verbrauch betrug um die 6 Liter Benzin auf 100 km, ich habe immer E5 getankt, der Hersteller lässt sogar E15 zu (was es ja noch nicht gibt,
nur E10.)

In den technischen Daten steht, dass das Motorrad einen 22 l Tank hat.

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Wenn man dieses Bild sieht, muss man 200 m schieben und dann gehen nur 18,8 Liter rein, wenn man wie ich nur auf dem Seitenständer tankt.
Woher ich das weiß?

Hier noch ein paar technische Daten von der Seite von Bimota Deutschland

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Insgesamt ne tolle 2-Tagestour



Danke Ducati Berlin für die Möglichkeit, Danke Bimota für das tolle Motorrad. Eine tolle italienische Bella die nicht nur Sehnsüchte
weckt, sondern auch stillt!
Hallo Hansemann,


erst einmal ein herzliches „DLzG“ in die Runde! Ich bin brandneu hier im Forum und musste mich direkt mal einklinken, weil ich deinen Bericht zur Bimota Tesi H2 TERA regelrecht gefeiert habe.


Es ist selten, dass ein Fahrbericht sowohl den Technik-Enthusiasten als auch den Detailverliebten so abholt, dass man beim Lesen durchgehend ein Schmunzeln im Gesicht hat. Deine Ausführlichkeit war echt Weltklasse.


Besonders stark fand ich folgende Punkte:


  • Die Achsschenkellenkung: Dass du so intensiv darauf eingegangen bist, war goldrichtig. Vor allem deine Beschreibung des „Herantastens“ – wie man sich erst an die andere Rückmeldung gewöhnen muss, bis man nach zwei Tagen quasi eins wird mit dem System – war absolut nachvollziehbar. Auch wenn das Prinzip der Achsschenkellenkung an sich bekannt ist, hast du super herausgearbeitet, was genau bei dieser Bimota technisch so speziell umgesetzt wurde. Das ist eben kein Standard, sondern mechanische Poesie.
  • Die Brembo-Power: Was soll ich sagen? Ich feiere Brembo einfach! Wenn die Dinger zupacken, dann steht die Welt still. Dass der Bremshebel hier voll einstellbar ist, ist für mich das Tüpfelchen auf dem i – Ergonomie trifft brachiale Verzögerung.
  • Detailverliebtheit: Bei den Passagen zur Lenkerhalterung und der Sitzbank bin ich regelrecht ins Träumen geraten. Deine Vergleiche zu anderen Motorrädern helfen enorm, das Ganze einzuordnen. Man merkt, dass du die Maschine nicht nur fährst, sondern regelrecht „studierst“.

Ein kleiner Einwurf zur Optik: Akrapovic. Am Sound gibt es nichts zu rütteln, da habe ich am Ende der Röhre noch nie was Schlechtes gehört. Aber das Design an diesem speziellen Bike? Da gehe ich optisch nicht ganz mit. Aber gut, das ist am Ende des Tages reine Geschmackssache.


Ähnlich verhält es sich mit den 200 PS. Während die einen sagen, das sei für ein Motorrad völlig übertrieben, fängt für uns dort der Spaß erst richtig an. Das ist wie mit der Körbchengröße: Ob man nun auf C oder DD steht – jeder hat da seine eigenen Vorlieben für das perfekte „Handling“.


Ein riesiges Lob für diesen Bericht und die tolle Tour-Beschreibung Richtung Osten. Das war Kopfkino pur!


DLzG und bitte mehr von solchen Berichten.
Grüsse
MacDuc
 
Und was kann dieses aufwendige Lenksystem besser als das allseits bekannte Lenksystem?
 
Und was kann dieses aufwendige Lenksystem besser als das allseits bekannte Lenksystem?
Entkoppelung von Federung und Radführung: besseres Ansprechverhalten der Federung und Verringerung des Bremstauchens.
Der Telelever interpretiert es ähnlich.
 
Zuletzt bearbeitet:
auch wenn sich das Motorrad wohl gut fährt wird es ein Nischenprodukt bleiben.
 
Das waren Bimota's schon immer.
Und sollte ich jemals an akutem Reichtum erkranken, kommt unter Garantie auch etwas von Rimini in meine Garage (finde die Töff teilweise zum Niederknien schön).
Nur meine 3 Cent😊
Die Achsschenkellösung ist natürlich ein Hingucker, aber schöner wird ein Motorrad dadurch nicht.
 
Das hört sich für mich abwertend an.

Bimota sind Einzelstücke, wenn auch viel häufiger als früher

Nein das ist nicht abwertend gemeint. Das Mororrad wird quasi in Handarbeit von einer Kleinen Mannschaft zusammengebaut. Entwicklung Produktion usw müssen Kostenmäßig auf wenige Fahrzeuge umgelegt werden. Und das soll profitabel sein? allein die Ferigungskosten des aufwändigen Lenkungssystems in Kleinststückzahlen. Wie schaut es mit der Ersatzteilversorgung aus? Auch wenn hinter Bimota ein Finanzkräftiger chinesischer Konzern steht, werden die nicht ewig bereit sein mit jedem produzierten Motorrad Geld zu verbrennen.
Wenn man sich so ein Mototrrad kauft dann muss man wissen worauf man sich einläßt und das Geld wirklich über haben….
Das Mopped muss nicht schlecht sein aber ein Exot eben ähnlich Horex, MV Aguste etc.
 
@gstommy68 Exot gehe ich schon mehr mit und viele Alleinstellungsmerkmale. Zum Fahren, hinstellen und sich erfreuen.
 
Tolle, begeisternde Technik, bei der Optik hat sich Bimota aber gewaltig verhoben, die alte Tesi ist massiv hübscher.
 
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