GRENZEN ERFAHREN
Die Brücke über die Neiße heißt auf deutscher Seite: „Brücke der Freundschaft“ …
… und auf polnischer Seite: „Józeva Pilsudskiego“ als Erinnerung an den polnischen Oberbefehlshaber und Staatschef Polens
nach dem ersten Weltkrieg.
Zurück zum Motorrad:
Die
Bimota Tesi H2 TERA setzt beim Fahren neue Maßstäbe. Der Motor ist selbst im Einfahrmodus eine sämige druckvolle Urgewalt.
Dabei ist mir aufgefallen, die Tesi macht alles mit, aber 2 000 U/min sollte man ihr schon geben, auch beim Anfahren mit gefühlvoller
Kupplungshand. Darunter geht das auch, aber es gibt ein unwirsches Knurren vom Motorrad, dann jedoch zieht sie sauber durch.
Man kann mit dieser Drehzahl gemütlich im 6. Gang mit 50 km/h durch geschlossene Ortschaften bummeln und danach ruckfrei
und zügig und immer zügiger beschleunigen, bis der schlafende Drache ab 4 000 U/min ein Auge öffnet, ab 6 000 U/min beginnt
Feuer zu speien und ab 8 000 U/min gibt es nur eine Richtung. Leider durfte ich auch nach 935 km nicht höher drehen um das volle
Potential auszukosten. Was bis dahin aber los ist, macht Laune! Es gibt natürlich mehrere Fahrmodi, ich bin immer im Road-Modus
gefahren. Da ist schon die volle Leistung da die man problemlos mit der rechten Hand kontrollieren kann. Der Rain-Modus verringert
die Leistung deutlich, im Sportmodus kommt ein „Kurzhub-Gasgriff“ dazu, da muss man schon konzentriert sein. Natürlich hat das
grundsätzlich auch Auswirkungen auf die Sensibilität und Auslöseschwelle der Assistenzsysteme, deshalb gibt es auch einen ziemlich
frei individuell konfigurierbaren Modus.
Ich wollte anschließend weiter zur Krabat Mühle in Schwarzkollm. Das Motorrad verknüpft
Zauberei und Magie
Wer kennt sie nicht aus der Geschichte von Otfried Preußler. Der Müllergeselle Krabat mit seinen Freunden, dem Altgesellen Tonda,
dem „dummen“ Juro, dem Kutscher mit der brennenden Hahnenfeder und der Kantorka.
Die Orte der Geschichte sind authentisch, die Gebäude sind aus historischen Gebäuden nachgebaut, die man von deren originalen
Standort ab-, und am Ort der Handlung neu aufgebaut hat.
Die
Bimota Tesi H2 TERA ist genauso. Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Crossover-Maschine ähnlich der BMW M1000XR oder
der Ducati Multistrada RS, die
Bimota ist allerdings fast 1 200 Euro teurer als die Ducati, hat dafür alle die kleinen Goodies, wie viele
Teile aus dem Vollen gefräst, viele Carbonteile was insgesamt ein sehr edles Design ergibt.
Neben dem zauberhaften Motor hat sie auch ein magisches Fahrwerk. Die Achsschenkellenkung vermittelt ein tolles Fahrgefühl.
Die Rückmeldung ist sehr souverän. Das Motorrad hat nicht die Handlichkeit einer Supermoto, ist aber dennoch sehr einfach zu
führen. Sie fährt nicht wie auf Schienen, denn dann könnte sie nur schwer von der einmal eingeschlagenen Linie weg korrigiert
werden. „Wie an der Schnur gezogen“ trifft es eher. Das Motorrad folgt absolut stabil der gedachten Linie und zur Korrektur
genügen minimalste Lenkimpulse, um das Motorrad sicher um plötzliche Hindernisse herum zu führen. Leider neigt entweder das
System oder der montierte Erstausrüstungsreifen zu einem deutlichen Aufstellen, wenn man in Kurven mal eine Vollbremsung macht.
Alles was man in der Einfahrzeit mit dem Motorrad so anstellen kann/darf/sollte, macht der Reifen mit, dafür ist er tauglich und geeignet.
Wenn man sich nach der Einfahrzeit etwas über die bis dahin empfohlenen Rahmenbedingungen hinaus bewegen will, (man merkt,
ich tu mir mit der Formulierung schwer) kann man sich in den Regalen der großen Marken bedienen, wobei die Optik des montierten
Reifen gefällt mir schon gut.
Das ist der nächste magische Punkt, das Motorrad ist zwar mit aller Elektronik wie
Kurven-ABS, und allen aktuellen Assistenzsystemen ausgerüstet, die greifen aber falls sie das tun, fast unmerklich ein. Die Stylema Bremse
von Brembo hat eine unwahrscheinliche Bremswirkung. Zu Anfang dachte ich, zum Glück hab ich Pfälzer Pranken um den Hebel bedienen
zu können. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit stellt man aber fest, dass man das Geschoss mit 2 Fingern extremst akkurat im Zaum
halten und bis zum Stillstand abbremsen kann. Dabei fällt auf, dass das Motorrad eigentlich bei allen Fahrzuständen vorne und hinten die
gleiche Höhe hat. Privat habe ich eine BMW mit Telelever Vorderrad Führung, die schon wesentlich weniger beim Bremsen einfedert als
konventionelle Vorderradfederungen, aber das ist Kindergarten im Vergleich mit der
Bimota Tesi H2 TERA, die beim Bremsen maximal
gefühlte 50 mm des vorhandenen Federwegs von 114 mm vorne runter geht. Beim Beschleunigen geht sie vorne fast nicht hoch, gefühlt
eher hinten etwas runter, aber nur sehr wenig. Das Motorrad liegt immer flach auf der Straße.
Das ist auch eine Folge davon, dass die
Tesi H2 TERA mit Öhlins TTX36 vorne und hinten also voll einstellbaren Federungen ausgerüstet
sind. Die sprechen äußerst sensibel an und haben ein sehr geringes Losbrechmoment, um dann schön straff zu sein. Das gefällt sogar mir
als Schaukelpferdfahrer.
Die voll einstellbaren Öhlins, eins für vorn und eins für hinten
Das Motorrad fährt sich sehr ursprünglich, so wie Motorräder für Männer sein sollten.
Keine Griffheizung, Windschild zwar verstellbar, aber von Hand mit einer Verstellung die bombensicher hält, man sollte es sich einmal zeigen
lassen, dann ist es ganz einfach.
Wenn man vorne bremst, bremst es vorne, wenn man hinten bremst, bremst es hinten. Wenn man blinkt, dann so lange, bis man den Blinker
wieder ausmacht, da gibt’s keine Zeit- oder Wegautomatik.
Die Federung stellt man sich ein, ohne anfällige Elektronik. Die Technik ist da, stört aber nicht. Die gesamten Systeme scheinen mir sehr
durchdacht und mit- und aufeinander abgestimmt zu sein.
Das ist
Technik die Jahrzehnte überdauert
wie die Maschinen in
Ferropolis. von der man davon ausgeht, dass das, was jetzt Innovation ist, auch nach langer Zeit noch funktioniert und den
Spaßfaktor beibehält.
Ich hätte gerne den Zaun aus dem Bild rausgehabt, hab aber weder das „richtige“ Handy noch Fotobearbeitungsprogramme die das können.
Zum Abschluss bin ich noch nach Magdeburg gefahren, zum Otto-von-Guericke-Museum.
Das ist der mit den Vakuumkugeln die 8 Pferde auf jeder Seite, wegen eines Vakuums im Innern und dem Luftdruck von außen, nicht auseinander-
gezogen bekamen.
Der Wissenschaftler hat nicht nur die Luftdruckgeschichte mit Vakuum herausgefunden, sondern auch Pneumatik und viele andere Bereiche. Ein
echter Tausendsassa, wen es interessiert, ich verlinke mal was
Wikipedia über ihn, sein Leben und Wirken schreibt.
Auch die
Bimota Tesi H2 TERA legt mit dem Achsschenkelsystem und der sehr homogenen Zusammenstellung aller (edelsten) Komponenten
Grundlagen, an denen sich andere messen lassen müssen.
Auf dem Weg nach Magdeburg habe ich in Torgau noch ein Bild von der Stelle gemacht, an der sich im zweiten Weltkrieg die russische und die
amerikanische Armee getroffen haben.
Wie bei der
Bimota Tesi H2 TERA sind sich da Welten begegnet. Der „Westen“ und der „Osten“ mit entsprechend Folgen für viele Menschen in
ganz Europa und bei dem Motorrad der druckvolle Motor, die begeisternden Bremsen, das tolle Fahrwerk und natürlich die Achsschenkellenkung,
die mir nach den zwei Tagen überhaupt nicht mehr auffiel. Der Wendekreis ist gar nicht so groß, wie man befürchten könnte. Man kann auch bei
engen Straßen in einem Zug wenden. Das Motorrad wirkt und fährt wie aus einem Guss, alles ist da wo und wie es hingehört. Das Display ist gut
ablesbar (auch im Dunklen) und nicht überfrachtet. Es zeigt genau das, was man braucht. Drehzahl und Geschwindigkeit und etwas kleiner das,
was man sich einstellt, Tageskilometer oder Verbrauch. Das geht nach einer kurzen Einweisung sehr einfach und auch intuitiv.
Leider durfte ich sie nach dem Einfahren nicht behalten, sondern wurde geschimpft, weil ich nur „so um die 600 km“ fahren sollte, das Motorrad
aber mit fast 1 000 km zurück brachte.
Der Verbrauch betrug um die 6 Liter Benzin auf 100 km, ich habe immer E5 getankt, der Hersteller lässt sogar E15 zu (was es ja noch nicht gibt,
nur E10.)
In den technischen Daten steht, dass das Motorrad einen 22 l Tank hat.
Wenn man dieses Bild sieht, muss man 200 m schieben und dann gehen nur 18,8 Liter rein, wenn man wie ich nur auf dem Seitenständer tankt.
Woher ich das weiß?
Hier noch ein paar
technische Daten von der Seite von
Bimota Deutschland
Insgesamt ne tolle 2-Tagestour
Danke Ducati Berlin für die Möglichkeit, Danke Bimota für das tolle Motorrad. Eine tolle italienische Bella die nicht nur Sehnsüchte
weckt, sondern auch stillt!